Das Original
Es ist schön, dass der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind. Ebenso schön, interessant und bisweilen lustig ist es wenn fantasievolle Menschen alte Berichte oder Anekdoten wissentlich oder unwissentlich umdeuten und nur einzelne Wörter zu einer Tradition werden lassen. So ist es möglicherweise mit dem Namen Enterprise für eine ganze Menge Schiffe geschehen. Tatsächlich ist der Name Enterprise, oder Enterprize, auch Entreprise, bis ins 17. Jahrhundert zurück zu verfolgen. Der Begriff „enterprise“ ist seit dem frühen 15. Jahrhundert im englischen Sprachgebrauch und kam über das Französische ursprünglich aus dem Lateinischen. Er bedeutet schlicht „Unternehmen“, „Vorhaben“ aber auch „Wagnis“. Eine Fehlinterpretation scheint jedoch zu sein, das bereits gegen Ende des 16. Jahrhunderts, genauer in 1587, bereits eine Enterprize an Francis Drakes legendärem „Cadiz Raid“# teilgenommen hat. In dem einen oder anderen Bericht darüber ist von einem „...enterprize under command of Sire Francis Drake...“ die Rede. Man mag daraus einen Schiffsnamen machen, sehr viel wahrscheinlicher ist jedoch, das lediglich von einem „...Unternehmen unter dem Kommando von Sir Drake“ die Rede ist. Das sehr schöne Intro der Star Trek Serie Enterprise mit Captain J. Archer nimmt diesen Satz auf und zeigt eine kleine Galeone mit dem Namen HMS Enterprize, gefolgt von Bildern des bekannten Flugzeugträgers und dem Space Shuttle Enterprise.
Nun, wie oben gesagt, der Fantasie sind zum Glück keine Grenzen gesetzt. Die reale Geschichte kann aber mindestens ebenso spannend sein: Vorweg das Präfix „HMS“. Der interessierte Leser weis um die Bedeutung „Seiner/Ihrer Majestät Schiff“. Zum Einem waren an Drakes sehr erfolgreichem Überfall auf Cadiz nur vier königliche Schiffe beteiligt, die Elisabeth Bonaventure als Drakes Flaggschiff, die Golden Lion, die Rainbow und die Dreadnought. Manchmal wird auch die Revenge erwähnt – da bin ich aber nicht sicher. Zum Anderen war es zu dieser Zeit nicht üblich, das Präfix „HMS“ für royale Schiffe zu nutzen, das kam erst frühestens ab Mitte des 18. Jahrhunderts auf, gesichert schriftlich erstmals ab 1789. Enterprize war also kein königliches Schiff. Es sind auch nur wenige Namen der anderen am Cadiz Raid beteiligten Schiffe bekannt, ich konnte neun von den insgesamt 27 – 40 Schiffen aller Größen namentlich finden. Darunter sind Namen wie Merchant Royal, Angel of Hampton oder Thomas of Plymouth. Jedoch keine Enterprize. Was nicht bedeutet das es beim Cadiz Raid kein Schiff dieses Namens gab. Es wird nur keins überliefert. Aber Napoleons Koch wird auch nirgendwo erwähnt, dennoch war er da.
Historisch überlieferte Schiffe mit dem Namen Enterprise, Enterprize oder L’Entreprise identifiziert Ronald M. Roden jr in seinem Buch History of the Vessel Enterprise 121 Stück verschiedenster Art, von der Galeone über Korvetten und Fregatten, Schonern, Sklavenschiffen, Walfängern, Dampfschiffen, Fähren, Schleppern, Trawlern, Driftern, Kreuzern und Zerstörern bis zu privaten Yachten und Motorbooten ist alles Mögliche dabei. Die Schiffe liefen unter englischen, amerikanischen, französischen und niederländischen Flaggen. Natürlich zählt Roden auch die Space Shuttle und einen Blimp dazu. Späterhin führt er natürlich auch die Raumschiffe der Serie auf. Ein lesenswertes Buch.
#Der „Cadiz Raid“ am 29. April 1587 selbst gehört wie schon seine Weltumsegelung zu Drakes äußerst erfolgreichen Aktivitäten. Seit langer Zeit war in England bekannt, das Phillip von Spanien einen Überfall auf England plant und deshalb eine große Flotte zusammenzieht. Drakes Ziel war es, diese Vorbereitungen empfindlich zu stören oder gar ganz zu verhindern. Er selbst nannte sein Vorhaben „Singeing the Kings Beard“ – „Phillips Bart ansengen“. Wie wir alle wissen ist dies nicht zur Gänze gelungen, aber Drakes Angriff hat die „Große Armada“ und ihren Törn nach England um ein Jahr verzögert. Drakes Flotte versenkte im Hafen von Cadiz 10000 Tonnen Güter, nahm oder zerstörte über 30 Prisen und erbeutete auf dem Rückweg in der Biscaya noch die San Felipe mit Gewürzen, Seide und Gold im Wert von 108000 Pfund. Drake selbst verlor nur ein Schiff – eine kleine kurz zuvor erbeutete Karavelle. Ich glaube Phillips Bart hat lichterloh gebrannt… Ganz sicher hat sich seine Gesichtsfarbe erheblich verändert.
Das Modell
Entstanden aus der Idee, dem langjährigen Präsidenten des MBC Koblenz und Trekkie, für seine Arbeit ein kleines Dankeschön zu überreichen, kam die kleine Galeone Enterprize of Whitby zustande. Angelehnt an die oben beschriebene Geschichte (unbedingt wahr!) sollte die erste Enterprise der bekannten Geschichte als Modell entstehen: Vielleicht war sie ein kleiner Tender oder „Support ship“ unter einem privaten Eigner John Kirke aus Whitby der sich gerne dem allseits bekannten Tausendsassa Drake anschloss in der Hoffnung, dass sowohl Ruhm als auch pekuniäre Realia auf ihn abfärben würden. Der Name des Schiffes fand wegen ihrer geringeren Rolle keine Erwähnung in den Annalen.
Als Grundlage diente der Bausatz der kleinen Mayflower von Airfix. Muss man nicht viel Worte drüber verlieren, mit viel Arbeit kann man da was schnuckeliges draus machen – zumindest so eine dreidimensionale Grußkarte…
Erste Arbeiten waren das Entfernen der seltsamen Relinge, des Galions und der viel zu kleinen Rüstbretter für die Wanten. Auch die Barkhölzer und andere Leisten schliff ich runter so das ein glatter, unstrukturierter Rumpf entstand. Das eigentliche „aufmotzen“ begann dann mit dem Einbau der Spantköpfe für eine neue Reling, der Anbau einer Galerie am Heck und der Aufbau eines neuen Galions. Die Rüstbretter wurden erneuert und mit Zugstützen versehen. Während dessen erfolgte auch schon eine Grundierung mit gelber Farbe. Gefolgt von Vallejo Goldbraun hatte der Rumpf jetzt einen warmen Braunton. Ob private Eigner ihre Schiffe auch in dem tudorianischen Stil mit bunten Streifen versehen haben, kann ich nicht sicher sagen. Es sieht jedenfalls hübsch aus und scheint mir eins der wichtigen Merkmale der Galeonen zu sein. Auch waren sie bestimmt ein individuelles Erkennungsmerkmal zu dieser Zeit. Sehr einfach herzustellen aus ggf doppelt gelegtem Abklebeband, zum Bemalen auf die richtige Breite freigestellt und entweder in schwarz für die Barkhölzer oder farbig gestreift für andere Leisten. Die Bilder sollten den Vorgang erläutern. Im Prinzip waren das nachher etwas dickere „Abziehbilder“ die ich in den richtigen Längen zuschneiden und aufbringen konnte. Für den Heckspiegel erlaubte ich dann meiner Fantasie die Freiheit, das Star Fleet Symbol hier aufzukleben. Dies entstand auf die gleiche Weise wie die Zierstreifen.
























Mit Ausnahme der Mastkörbe baute ich die Masten neu auf. Masten und Stengen aus Holz (Ramin) und alle Flaggstöcke aus abgelängten Stecknadeln, die Nadelköpfe als Kopf der Stenge beibehaltend. Die Salinge sind etwas reduziert dargestellt, auch die Segel sind die originalen Bausatzteile. Diese hatten eine schöne Wölbung die ich mit Papiersegeln so nicht hinbekommen hätte. Auch die Takelage ist etwas reduziert. Es sind die „wichtigsten“ Seile dargestellt, Geitaue, Toppnanten, Nockgordings, Brassen, Schoten und Halsen. Und natürlich das „stehende“ Rigg, die fünf Stage und die Wanten. Die kleinen Fähnchen malte ich auf bewährtes Orangenwickelpapier, graphisch einfache Georgskreuze. Problematisch ist in dieser kleinen Größe die Flatterung der Fähnchen – ist mir doch tatsächlich teilweise die Farbe abgeblättert… Die Masten sind nicht etwa „schief“, sondern haben einen achterlichen (Groß- und Besan) oder vorlichen Fall (Fockmast). Auch dies ist eins der typischen Merkmale der Galeonen.
Eine mittlerweile leichtere Übung ist das Meer. Für das kleine Schiffchen etwa Postkartengroß aus einem Stück Balsabrett zunächst mit einem Hohlbeitel die Atlantikdünung geschnitzt und mit einem Kugelfräser kleinere Wellen geformt bemalte ich das Brett mit Türkisblau und Ultramarin von Amsterdam und dann mit „Darkest Grey“ von „Sostrene Grene“. Schaumkronen, Bugwellen und Hecksee sind mit Vallejo weiß und AK Snow aufgestupft. Die glanzvolle Endlackung erfolgte dann auch mit dem AK Produkt Water Gel transparent.















Neben den wenigen Restteilen aus dem Kit sind am Schluß insgesamt 282 neue Einzelteile in der Enterprize of Whitby verbaut… Sieben Teile davon sind in der klitzekleinen Galionsfigur, einer 4,5 mm langen Enterprise aus Star Trek verbaut. Die besteht aus einfachen Plastikprofilen und einer ausgestanzten Scheibe als Untertassensektion.. Maßstäblich umgerechnet wäre das ungefähr 1:80000.
Das Schriftfeld ist mehr gemalt denn geschrieben, eine vom PC Bildschirm abgemalte annähernd tudorianische Type gibt den Schiffsnamen, die grobe Tonnage, den Skipper und die Destination an. Das Datum ist der Tag an dem der Cadiz Raid stattfand. Captain Kirke aus Whitby kommt hoffentlich nicht zu spät.
Auch hier sei dem Bernd Heller nochmals herzlichst gedankt für sein dreißigjähriges Engagement. Ich bin gespannt und freu mich auf die Modelle die er wegen der Clubarbeit nicht bauen konnte und jetzt fertigstellt!
Quellen
- Wikipedia (zu Star Trek)
- US Naval Institute
- Library of Congress
- „History of the Vessel Enterprise, Ronald M. Roden jr (Intergalactic Press, ISBN 0-962-94323-1 )
Frank Brünighaus
Modellbauclub Koblenz


