Das Original

Österreich-Ungarn besaß bis 1918 eine gute und funktionierende Marine. Das letzte »Flaggenschiff« – im Gegensatz zum deutschen »Flaggschiff« – war S.M.S. Viribus Unitis. Das 22.860 Tonnen große Schiff lief 1911 in Triest vom Stapel und wurde am 1.11.1918 im Hafen von Pola versenkt. Zwölf 30,5-cm-Geschütze in vier Drillingstürmen bildeten die Hauptbewaffnung des 20,3 kn schnellen und 152,2 m langen Linienschiffes. Obgleich Viribus Unitis das erste Schiff dieser Klasse von vier Einheiten war, wird die Reihe mehrheitlich als »Typ Tegetthoff« (eigentlich »Klasse«) angesprochen. Denn Kaiser Franz Joseph I. verfügte kurzfristig über die Namensvergabe der neuen Schiffe und entschied, dass der erste Bau den Namen seines Mottos »Mit vereinten Kräften« (lat.: Viribus unitis) führen solle.

Das Modell

Die Schiffe gehören seit Jahren zu meinen Lieblings-Dreadnoughts und ein Modell davon war schon lange mein Wunsch. Ein Besuch 2019 im HGM Wien, mit dem großartigen Schnittmodell des Schiffes (siehe Fotogalerie), war ein weiterer Auslöser dieses Schiff endlich mal als Modell zu bauen.

Der bekannte, hervorragende Prasky-Plan – plus Detailzeichnungen auf eigenen Blättern – und eine Modellpräsentation im Buch Das historische Modell als Schiff (Alfred Albert) lagen bereit. Es geht im Buch um das 1/200 Modell von Angelo R. Venturini, welches bei der WM in Rastatt in den 1980er Jahren mit einer Silbermedaille geehrt wurde. Im Buch ist der Prasky-Plan handlich auf einer A3-Fläche abgedruckt (das Ausfalten des Originals entfiel damit weitgehend). Dazu hatte ich mir die einfache Skizze aus Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer von Breyer auf 1/700 skaliert, um einen einfachen Plan zu haben. Zahlreiche Fotos des Originals in verschiedenen Medien rundeten die Recherche ab.

Ein Schlachtschiff bleibt ein Schlachtschiff, ist es als Modell noch so klein bleibt doch seine Komplexität. Daher wollte ich solch ein umfangreiches Modell auf jeden Fall kleiner als 1/250 – mein üblicher Modellmaßstab – bauen, um die Sache relativ einfach zum Ergebnis zu führen. Nun habe ich schon drei Schiffsmodelle im Maßstab 1/700 und habe mich daher gerne entschieden, wieder in diesem Maßstab zu arbeiten.

Die Grundlage für mein Modell ist ein einfach gehaltener Baubogen im Maßstab 1/250 von dem polnischen Verlag JSC. Soweit ich es sehen kann, decken sich die Darstellung im Bogen mit den Proportionen im »Prasky-Plan«. Die Teile dieses skalierten Bogens bilden in der Hauptsache die Basis für mein ca. 22 cm langes Modell. Hinzu kam Recherchearbeit und die daraus folgende Erweiterung und Ergänzung des JSC-Angebots. Der sehr detaillierte Bogen vom Verlag GPM in 1/400 lag mir auch vor. Besonders die Bauanleitung dort war sehr hilfreich. Der Bogen von JSC hat sich zum Skalieren gut geeignet, die Darstellung der grünen Farbe hat mir aber absolut nicht gefallen. Es sollte eher zu Oliv gehen, nicht in Richtung Apfelgrün wie in meiner Ausgabe von JSC.

Die verkleinerten Bauteile habe ich s/w ausgedruckt und dann mit Revell Aqua-Color bemalt. Einzig die Decksflächen, welche Holz darstellen sollen, beließ ich s/w. Mein Modell zeigt das Schiff, wie es zu Anfang seiner Dienstzeit konfiguriert war.

Insgesamt habe ich mich ungefähr vier Monate intensiv mit dem Modell und seinem Vorbild beschäftigt. Das Modell ist komplett mit Acryl-Farbe bemalt. Die Reling ist ein zugekauftes Ätzteilzubehör. Das Modellwasser ist – wie bei allen meiner Modelle – aus Acrylfarbe und Acrylgel auf einem Display aus Graupappe aufgebaut.

Das Modell mit einem ausführlichen Baubericht ist in der ModellWerft 7_2022 veröffentlicht.


Klaus Lingenauber