Das Original
Die SS Ben-my-Chree (Name aus dem Manx-Gälischen, sinngemäß „Mädchen meines Herzens“) war ein britischer Raddampfer mit Eisenrumpf der Isle of Man Steam Packet Company und wurde 1875 in Dienst gestellt. Sie war das zweite Schiff der Reederei, das diesen traditionsreichen Namen trug; ein gleichnamiger Vorgänger aus dem Jahr 1845 war noch als hölzerner Raddampfer ausgeführt gewesen. Die Ben-my-Chree von 1875 entstand in einer Phase des systematischen Flottenausbaus, in der die Reederei ihre älteren Holzschiffe durch größere, leistungsfähigere Eisendampfer ersetzte. Sie ähnelte zeitgleichen Schiffen wie der King Orry (1871) und der Snaefell (1876), die ebenfalls für den kombinierten Personen-, Post- und Stückgutverkehr im Irischen Meer ausgelegt waren. Im Vergleich zu ihren unmittelbaren Vorgängern bot sie verbesserte Maschinenleistung und höhere Reisegeschwindigkeit, blieb jedoch noch der klassischen Bauart mit seitlichen Schaufelrädern verpflichtet, während später Schraubendampfer aufkamen.
Die Ben-my-Chree besaß einen Eisenrumpf und eine Länge von 94,7 m sowie eine Breite von 9,7 m; der Tiefgang betrug rund 4,2 m. Der Bruttoraumgehalt lag bei der Indienststellung bei 1020 BRT und erhöhte sich nach späteren Umbauten auf 1192 BRT. Der Antrieb erfolgte über zwei oszillierende Zweizylinder-Dampfmaschinen, die auf seitliche Schaufelräder wirkten und eine Maschinenleistung von 2300 PS entwickelten. Daraus ergab sich eine Dienstgeschwindigkeit von etwa 14 kn. Das Schiff war für den kombinierten Transport von Passagieren, Fracht und Post ausgelegt.
Die Ben-my-Chree wurde auf der Werft der Barrow Shipbuilding Company in Barrow-in-Furness gebaut und am 6. Mai 1875 vom Stapel gelassen; noch im selben Jahr nahm sie den Liniendienst auf. Eine Besonderheit in ihrer Laufbahn war ein Umbau im Jahr 1884, bei dem sie vier Schornsteine erhielt – jeweils zwei vor und zwei hinter den Schaufelrädern. Damit blieb sie das einzige vierschornsteinige Schiff in der Geschichte der Isle of Man Steam Packet Company. Über mehr als drei Jahrzehnte versah sie zuverlässig den regelmäßigen Verkehr zwischen der Isle of Man, England und Irland. 1906 wurde die Ben-my-Chree außer Dienst gestellt und zum Abbruch verkauft, womit ihre rund 31-jährige Einsatzzeit endete.
Das Modell
Das Modell wurde vollständig in Eigenarbeit auf einem aus Holz geschnitzten Rumpf aufgebaut, mit einer Aufbautenstruktur aus Polystyrol, Messing und Edelstahl. Die Holzbeplankung besteht aus einzelnen Messingquadraten, die jeweils separat angebracht wurden; sie wurden aus Ladderstock-Ätzteilen ausgeschnitten. Die vier Schornsteine und Lüfterhauben wurden aus Aluminiumrohren gefertigt, deren obere Kanten aufgebohrt und ausgeschliffen wurden, um eine nahezu maßstäblich dünne Wandstärke zu erzielen.
Das Logo und die Verzierungen an den Schaufelkästen sowie die Heckornamente und der Schiffsname wurden speziell für mich gezeichnet und mehrfach (!) als Decals auf einem A4-Bogen gedruckt, sodass zahlreiche Ersatzteile in unterschiedlichen Größen mit Abstufungen von jeweils ±0,1 mm zur Verfügung standen. Die einzigartigen Beiboote wurden eigens entworfen und von einem Freund in Frankreich in 3D gedruckt. Passagiere und Besatzung sind 1/700-3D-gedruckte Zivilfiguren der deutschen Firma Modellbauray.com.
Eine vollständige Zusammenfassung des recht aufwendigen Bauprozesses kann hier nachgelesen werden; die Takelage besteht vollständig aus gezogenem Gussast – eine Schritt-für-Schritt-Anleitung dazu findet sich hier; die Wasserdarstellung erfolgte mit meiner üblichen Methode auf Aquarellpapier – eine entsprechende Schritt-für-Schritt-Beschreibung findet sich ebenfalls hier.
Ich konnte kein anderes Modell dieses Schiffes finden – nicht einmal ein Werftmodell –, daher basierte alles auf den angegebenen Abmessungen sowie auf Fotointerpretationen, wie wir sie alle kennen: Hochrechnung und Interpretation anhand auf den Maßstab 1/700 skalierter Fotos.
Fazit
Ich bin froh, dieses Modell recherchiert und gebaut zu haben. Dass es nicht einmal ein Werftmodell dieses Schiffes gibt, hätte die Arbeit zwar deutlich erleichtert – genau das hätte sie aber auch wesentlich weniger anspruchsvoll gemacht.























Jim Baumann
(Text über Original von Lars)





