Titel: Iceland in World War II - A Blessed War – Extended Version
Autor: G. Jökull Gislason
Verlag: Sæmundur Publishing House, Selfoss, Island
Erscheinungsjahr: 2021
ISSN: 978-9935-493-81-1
Umfang: 203 Seiten, Paperback, englisch
Preis: 4.799 isländische Kronen (33,51 €)
Inhalt
Ein Besuch in Reykjavik führte mich natürlich auch in die dortigen Buchläden. Nicht, dass ich isländisch verstehen oder gar lesen können würde, aber ein literarischer Blick über den Tellerrand kann nie schaden. Und ich hoffte, ein wenig Literatur zum Thema Seefahrt zu finden. Dabei fiel mir dieses Buch in die Hände, dass ich angesichts des recht hohen Preises erstmal liegen lies, am letzten Tag aber doch zuschlug. Merke: Auf Island ist nur das Atmen günstig.
Das Buch Iceland in World War II - A Blessed War – Extended Version bietet eine Sammlung aus relativ kurzen, reich bebilderten Themen die mit der isländischen Wirtschaftkrise und einem Besuch deutscher U-Boote in Reykjavik vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges begann, der militärische Besetzung des neutralen Islands, den Auswirkungen der Besetzung auf die isländische Gesellschaft, mit dem Ende des Krieges und den Hinterlassenschaften in Form von Gedenksteinen und Denkmälern endet. Dies wird in vielen, relativ kurzen Kapiteln behandelt.
Das Thema „Seefahrt“ nimmt hierbei einen breiten Raum ein. Seien es die Schicksale alliierter Konvois, die Versenkung isländischer Schiffe durch deutsche U-Boote bzw. die Luftwaffe, Erlebnisse alliierter Marineflieger oder, in einem Fall, der fragwürdige Umgang der Briten mit einer unter Spionageverdacht stehenden isländischen Schiffsbesatzung.
Hierbei wird ein besonderes Augenmerk auf die Personen hinter den Geschichten gelegt. Sei es ein isländischer Matrose an Bord eines versenkten Frachters oder eine Familie, die beim Absturz einer landenden Lockheed Ventura in Reykjavik ihr Heim verloren. Viele Kapitel werden mit den Erinnerungen beteiligter Personen hinterlegt.
Besonders interessant für mich war z.B. eine Karte von Reykjavik der deutschen Luftaufklärung, in der Standorte von Seeflugzeugen, Ablauframpen etc. verzeichnet waren. Dies ist eine gute Vorlage für ein zukünftiges Diorama.
Natürlich wird dieses Buch in Deutschland schwer zu beschaffen sein und ein Versand aus Island ist bestimmt nicht günstig, aber wer mal zu Besuch auf Island und an der Geschichte dieser Insel im zweiten Weltkrieg interessiert ist, sollte trotz des relativ hohen Preises zuschlagen.
P.S.: Und für den der sich nun fragt, warum dieser entsetzliche Krieg in Island als „Blessed War“ bezeichnet wird kommt hier die Erklärung: Durch die wirtschaftlichen und kulturellen Einflüsse der alliierten Besatzung (besonders der Amerikaner und dem verstärkten Bedarf an Fisch) begann im und nach dem Krieg ein enormer wirtschaftlicher Aufschwung, der bis weit in die Nachkriegszeit wirkte und aus dem ärmsten Land Europas vor dem Krieg, eines der wohlhabendsten Länder machte.
Jens Bartels





