Modell: French Navy Floréal class corvette
Hersteller: Doggy Industries
Maßstab: 1/700
Material: Resin, Fotoätzteile, Messingrohr, Abziehbilder
Art.Nr.: MDW066
Preis: 50 $ beim Hersteller (byl.yu8 auf Ebay, zuzüglich Mehrwertsteuer)

Das Original

Die sechs französischen Fregatten der Floréal-Klasse wurden 1990-94 als Ersatz für die Avisos der Commandant Rivière-Klasse gebaut. Sie sind wie diese für Patrouilleneinsätze in Übersee gedacht, allerdings noch stärker für diese Aufgabe optimiert und möglichst billig gebaut und nur leicht bewaffnet. Die Kostenreduktion wurde u.a. durch zivile Standards bei der Konstruktion des Rumpfs erreicht. Außerdem übernahmen sie die Bewaffnung von älteren Schiffen, sind aber im Gegensatz zu diesen mit einem Hubschrauberdeck und -hangar ausgerüstet.

Die Bewaffnung besteht aus Geschützen und Exocet MM38-Anti-Schiffsraketen. Nachdem die Lebensdauer letzter 2014 überschritten war, wurden sie ersatzlos entfernt. Eine U-Jagdausrüstung war im Gegensatz zur Vorgänger-Klasse nie vorhanden. Eine über die Geschütze hinausgehende Flugabwehr wurde ebensowenig eingebaut, so dass diese Schiffe nur für Einsätze mit geringer Bedrohung geeignet sind. Die sechs französischen Schiffe sind in Übersee stationiert: Floréal (F730) und Nivôse (F732) in Port de la Pointe des Galets auf Réunion, Prairial (F731) in Papeete auf Tahiti, Vendémiaire (F734) auf Nouméa sowie Ventôse (F733) und Germinal (F735) in Fort-de-France auf Martinique. 1999-2002 wurden zwei weitere Schiffe der Klasse, Mohammed V (F611) und Hassan II (F612), für die marokkanische Marine gebaut, die sich durch ein anderes Bordgeschütz und Radaranlagen unterscheiden (siehe diese Bildergalerie). Die französischen Schiffe sollen in den 2030ern durch eine Variante der European Patrol Corvette ersetzt werden.

Die Fregatten der Floréal-Klasse sind 93,5 m lang, 14,0 m breit und verdrängen voll beladen 2950 t. Der Antrieb erfolgt durch vier Dieselmotoren mit insgesamt 8820 PS, womit 20 kn erreicht werden. Die Besatzung besteht aus 90 Personen. Außerdem können 24 Marineinfanteristen eingeschifft werden.

Bewaffnung
1 x 10 cm CADAM-Geschütz
2 x 2 cm F2-Geschütze (Einzellafetten)
2 x MM38 Exocet-Antischiffsraketen (Einzelstarter, 2014 entfernt)
1 Bordhubschrauber (Eurocopter AS565 Panther, Aérospatiale Alouette III oder Eurocopter Dauphin N3)

Der Bausatz

Von den Fregatten der französischen Marine der letzten Jahrzehnte fehlten im Maßstab 1/700 noch drei Klassen: die Georges Leygues-Klasse, die Cassard-Klasse und die Floréal-Klasse. Doggy Industries hat sich der letzten Klasse angenommen. Für die Resinteile im Bausatz wurden die Urmodelle durch 3D-Druck hergestellt, so dass eine sehr hohe Qualität möglich ist. Der Bausatz stellt den Bauzustand in den frühen 2010er Jahren dar, noch mit Exocet-Startern und mit einer großen Satellitenantenne.

Der Rumpf ist ohne die Aufbauten gegossen. Von den Abmessungen und der Form ist der Rumpf originalgetreu - abgesehen vom Steven. Zumindest bei meinem Exemplar gibt es einen Überguss, den man wohl nicht wegschleifen sollte (sonst biegt sich die Wasserlinie nach oben), sondern verspachteln und verschleifen muss. Dabei kann man auch die Stevenform korrigieren, die gerade bis zur Wasserlinie durchlaufen sollte. Auch ansonsten ist an der Wasserlinie etwas Überguss vorhanden, der abgeschliffen bzw. verspachtelt werden muss. Der Guss und die Detaillierung sind ansonsten gut.


Die Aufbauten bestehen aus einem Block. Auch dieser ist sehr schön detailliert. Für alle Türen, Lüftungsgitter etc. sind Vertiefungen vorhanden, in die Fotoätzteile geklebt werden sollen.


Die restlichen Kleinteile sind an einer Reihe von Rahmen zu finden. Auch hier ist die Detaillierung gut. Bei dem Panther-Hubschrauber wirkt das Fahrwerk relativ wuchtig, aber es ist ein alternatives fotogeätztes Fahrwerk enthalten.


Für das 10-cm-Geschütz findet man gedrehtes Messingrohr:

Die Fotoätzteile

Im Bausatz liegen zwei Platinen mit Fotoätzteilen bei. Diese sollten eine sehr gute Detaillierung ermöglichen.


Nicht ganz optimal ist, dass die Schienen und das Gitter für die Harpune auf das Hubschrauberdeck geklebt werden sollen, also dass es dort keine Vertiefung für diese Fotoätzteile gibt.

Die Abziehbilder

Die Abziehbilder umfassen Rumpfnummern, Kennbuchstaben und Namensschilder für alle sechs Schiffe, Hubschrauberdeckmarkierungen, Flaggen und Kokarden für den Hubschrauber.

Die Anleitung

Die Anleitung besteht aus einem Text über das Original auf Chinesisch und Englisch und eine Reihe von Fotos eines gebauten Modells, auf denen die Teile markiert sind. Zusätzlich findet man einige Fotos des Originals. Ich vermute, dass man hier länger suchen muss, um alle Teile zuzuordnen. Auf den ersten Blick schienen mir nicht alle Resinteile markiert zu sein (im Falle des Beiboots, das in die Buch unter das Hubschrauberdeck kommt, ist dafür nur die Nummer vorhanden, während das Boot nicht gezeigt wird). Die Positionen der Behälter für die Rettungsinseln (Teil 9) sind auch nicht gezeigt, nur deren Gestelle (aus Fotoätzteilen).


Für die Bemalung und die Positionen der Abziehbilder gibt es keine Hinweise. Hier muss man sich mit Fotos behelfen. Die weiße Kennnummer findet sich übrigens auf der Brücke (und wird von achtern gelesen). Die französische Marine verwendet ein relativ helles Grau, auch das (dunklere) Decksgrau ist relativ hell. Der Panther-Bordhubschrauber hatte zumindest oft ein Tarnschema aus zwei Grautönen.

Ich habe nach etwas Suchen gefunden, dass alle Schiffe der Klasse in dem gezeigten Zustand mit der großen Satellitenantenne und Exocet-Startern fuhren: Floréal (F730, siehe hier), Prairial (F731, siehe hier), Nivôse (F732, siehe hier), Ventôse (F733, siehe Deckelbild), Vendémiaire (F734, siehe hier) und Germinal (F735, mit Alouette III, siehe hier). In früheren Bauzuständen hatten die Schiffe andere Satellitenantennen auf dem Hangar. Teilweise findet man auch Fotos mit der großen Satellitenantenne, aber keinen Exocet mehr. Bei späteren Bauzuständen sind erneut andere Satellitenantennen zu sehen. Auf vielen Fotos, insbesondere wieder früheren Bauzuständen, findet man noch keine 1,27-cm-Maschinengewehre (Teile 79-81). Auch bei den mitgeführten Beibooten gibt es Unterschiede: an Steuerbord wurde anfangs das große enthaltene Motorboot mitgeführt, das später zumindest auf vielen der Schiffe durch Festrumpfschlauchboot ersetzt wurde. In der Bucht an Steuerbord unter dem Hubschrauberdeck wird ebenfalls ein Festrumpfschlauchboot mitgeführt. Es liegen aber genügend Boote für die verschiedenen Bauzustände bei. Auch bei den Bordhubschraubern gab es Unterschiede. Während einige Schiffe Panther-Hubschrauber hatten, fuhren andere mit Alouette III, u.a. auf den beiden Schiffe im Pazifik - Prairial und Vendémiaire - bis 2021. Auf diesen Schiffen wurden die Alouette III wurde durch Dauphin-Hubschrauber ersetzt. Die Dauphin unterschiedet sich nur durch die Bugform von dem im Bausatz enthaltenen Panther. L'Arsenal bietet sowohl Dauphin als auch Panther an. Die Alouette III gibt es im Maßstab 1/700 von L'Arsenal und SNAFU.

Für die beiden marokkanischen Schiffe der Klasse müsste man das Buggeschütz gegen ein 7,62-cm von OTO Melara austauschen (und dabei den Unterbau modifizieren), die 2-cm-Geschütze vom Hangar auf die Plattformen hinter der Brücke umpositionieren und den Mast inklusive der Radarantennen anpassen.

Quellen

  • Floréal-class frigate (Wikipedia)
  • Floreal class Frigate (Seaforces online)
  • La marine nationale en 2008/2009. 1re partie: porte-aéronefs, frégates, avisos, partrouilleurs, remorqueurs. Navires & Histoire Hors-série N° 09 von Betrand Maguer, Outreau, 2008
  • The Naval Institute Guide to Combat Fleets of the World, 16th Edition von Eric Wertheim (Herausgeber), Annapolis, 2013
  • Conway's All the World's Fighting Ships 1947-1995 von Robert Gardiner (Herausgeber), London, 1995

Fazit

Der Bausatz der Floréal-Klasse von Doggy Industries zeichnet sich durch eine gute Detaillierung, Guss und Vollständigkeit aus. Nacharbeit fällt insbesondere am Bug an, ansonsten dürfte es am aufwendigsten sein, die Positionen aller Teile in der Anleitung zu finden und diese mit dem gewählten Original und dessen Bauzustands abzugleichen. Insgesamt ist der Bausatz

empfehlenswert


Lars