Modell: HMS Agincourt 1957. Battle class destroyer 1943 Type
Hersteller: Starling Models
Maßstab: 1/700
Material: Resin (3D-Druck), Fotoätzteile, Abziehbilder
Art.Nr.: STK49
Preis: 53,95 € (beim Hersteller)
Das Original
Der britische Zerstörer HMS Agincourt (D86) war erste Schiff des 1943-Typs der Battle-Klasse. Von der Battle-Klasse wurden insgesamt 26 Schiffe 1942-51 gebaut, von dem 1943-Typ wurden acht Schiffe 1943-47 gebaut - und weitere 16 Schiffe unfertig verschrottet oder storniert. Der 1943-Typ erhielt einige Verbesserungen gegenüber den ersten 16 Schiffen der Battle-Klasse (1942-Typ): als Feuerleitgerät für die Hauptartillerie wurde ein in den USA produziertes Mk 37 verwendet. Die Brücke wurde etwas erhöht und als Ausgleich fiel der Rumpf breiter aus. Das 10,2-cm-Geschütz hinter dem Schornstein wurde durch ein 11,4-cm-Geschütz ersetzt, so dass die Hauptartillerie um 25% verstärkt wurde. Statt der Hazemayer-4-cm-Zwillingslafetten wurden STAAG-Zwillingslafetten eingebaut, die allerdings schwerer waren, so dass nur drei statt vier an Bord kamen. Die Vierlingstorpedorohre wurden durch Fünflinge ersetzt. Statt Wasserbomben kam ein Squid-Mörser als U-Jagd-Bewaffnung zum Einsatz. Damit erhielt der 1943 eine verbesserte Feuerleitung und eine verstärkte und modernere Bewaffnung.
Bei Kriegsende wurde der Bau von 16 Schiffen eingestellt. Sieben waren noch nicht vom Stapel gelaufen und wurden direkt verschrottet. Fünf wurden nach dem Stapellauf verschrottet. Weitere vier wurden nach dem Stapellauf unfertig aufgelegt und erst 1957-61 verschrottet. Die letzten acht Schiffe sollten breiter ausfallen und statt der Mk-IV-Zwillingstürme die neuen Mk-VI-Zwillingstürme erhalten. Die Mk-IV-Türme hatten drehende Teile unterhalb des Decks, die neuen Mk-VI-Türme hatten alle drehenden Teile oberhalb des Decks und fielen deshalb auch höher aus, weshalb auch die Brücke erhöht wurde. Diese 11,4-cm-Geschütze wurde nach dem Krieg bei der Royal Navy Standard und auf zahlreichen Klassen verwendet, z.B. den Zerstörern der Daring- und County-Klasse sowie den Fregatten der Whitby-, Rothesay-, Leander-, Leopard- und Salisbury-Klasse plus einige für den Export gebaute Schiffe. Es wurden aber nur zwei Schiffe der Battle-Klasse, Anzac und Torbruk, nach diesem Entwurf mit diesen Türmen für die australische Marine 1946-51 gebaut. Von acht Schiffen des 1943-Typs der Royal Navy wurden vier - Agincourt, Aisne, Barrosa und Corunna - zur Radarfrühwarnschiffen umgebaut. Hierfür erhielten sie einen großen Gittermast für einen Typ 965 AKE-2-Radar. Die Aufbauten dahinter wurden vergrößert und die Torpedorohre und leichte Flak entfernt. Es kam ein Sea Cat-Flugabwehrstarter an Bord. Diese vier Schiffe dienten bis 1966-68. Eines der Schiffe, Metapan, war nach der Erprobung direkt zur Reserveflotte gekommen und wurde 1970-72 zum Sonartestschiff umgebaut. Sie diente in dieser Funktion bis 1977. Die anderen drei Schiffe - Alamein, Dunkirk und Jutland - waren bis 1961-63 in Dienst.
Agincourt war 115,5 m lang, 12,3 m breit und verdrängte voll beladen 3450 t. Der Antrieb erfolgte mit zwei Kesseln und zwei Dampfturbinen, die zusammen 50.000 PS leisteten, womit 30,0 kn erreicht wurden (voll beladen). Die Besatzung bestand aus 268 Mann.
Bewaffnung 1957
5 x 11,4 cm L/45 (zwei Mk IV-Zwillingslafetten, eine Mk V-Einzellafette)
8 x 4 cm (zwei STAAG-Mk-II-Zwillingslafetten, eine Mk V-Zwillingslafette, zwei Mk 7-Einzellafetten)
10 x 53,3 cm Torpedorohre (zwei Fünflingssrohre)
1 Squid-U-Jagd-Mörser (30,5-cm-Dreifachmörser für Wasserbomben)
Agincourt wurde 1943-47 von R & W Hawthorn, Leslie & Co Ltd in Hebburn gebaut. Sie diente danach bei der 4th Destroyer Flotilla als Teil der Home Fleet. Am 23. Juni 1948 kollidierte sie mit dem Tender MFV 1161 und wurde leicht beschädigt. Am 14. Juli 1951 kollidierte sie mit ihrem Schwesterschiff Cadiz und wurde erneut leicht beschädigt. 1953 war sie bei der Flottenparade anlässlich der Krönung von Elizabeth II. beteiligt. Ab 1954 war sie öfters im Mittelmeer im Einsatz. Sie war für den Einsatz im Suezkrieg 1956 vorgesehen, befand sich zu diesem Zeitpunkt aber wohl gerade in Malta in der Werft. 1959-62 wurde sie in Portsmouth zum Radarfrühwarnschiff (Fast Air Detection Escort) umgebaut. Sie diente danach bei der Home Fleet sowie im Mittelmeer. Am 17. November unterstützte sie bei der Rettung der Besatzung des auf ein Riff gelaufenen Tankers RFA Green Ranger. 1966 kam sie zur Reserverflotte, 1972 wurde sie aus der Marineliste gestrichen und 1974 in Sunderland abgewrackt.
Der Bausatz
Starling Models hat zwei neue Bausätze der Battle-Klasse herausgebracht: HMS Barfleur des 1942-Typs im Zustand von 1945 und HMS Agincourt des 1943-Typs im Zustand von 1957. In den Newsletter von Starling Models vom Juni 2025 wurde auch eine Variante des 1943-Typs als Radarfrühwarnschiffe im Zustand der 1960er angekündigt. Hier die Besprechung des Bausatzes der Agincourt.
Wie alle neuen Bausätze von Starling Models besteht auch der Bausatz der Agincourt überwiegend aus 3D-gedruckten Resinteilen. Der Rumpf ist von der Form und den Abmessungen sehr gut getroffen. Die Unterschiede zum Schwesterschiff Barfleur sind berücksichtigt, z.B. im Bereich des Squid-U-Jagd-Mörsers. Es gibt aber auch hier zwei Probleme: der untere Teil des Bugs an der Wasserlinie ist nicht komplett gedruckt und die Rumpfseiten am Ende des Backdecks wölben sich in Richtung Wasserlinie nach außen. Hier ist einiges an Nacharbeit notwendig.
Alle Aufbauten und der Schornstein sind als einzelne Teile gedruckt. Diese sind gut detailliert. Man muss aber sorgfältig den unteren Teil der Stützstruktur entfernen, der als dünnere Platte ausgeführt ist und auf dem ersten Blick wie ein Teil des Aufbaus wirkt. Ansonsten sind die Aufbauten viel zu hoch (vielleicht ein Vorteil, wen man die höhere Brücke der australischen Schiffe bauen will).
Die Kleinteile sind gut gemacht. Es sind nur leider die beiden Kräne (Torpedoladekräne?) beim Drucken zusammen geklebt. Als Torpedorohre liegen Vierlingsrohre bei, während ich in den unten gelisteten Büchern für den 1943-Typ die Angabe gefunden hatte, dass diese Fünflingsrohre hatten. Fünflinge gibt es bei Starling Models als Set.
Der Gittermast ist als ein Teil gedruckt. Wie in der Besprechung der Barfleur erwähnt, finde ich, dass er etwas massiv ist, aber nach der Bemalung ok wirkt.
Die Fotoätzteilplatine ist identisch mit dem Bausatz der Barfleur und enthalten Deckstützen, Lager für Rettungsflöße, Kräne, Reling, Ankerketten, Laufgänge, Leitern und Niedergänge.
Die Abziehbilder umfassen wie bei dem Bausatz der Barfleur die Kennnummern für HMS Barfleur 1945 und HMS Agincourt 1957. Außerdem sind auf dünnen Papier gedruckte Flaggen enthalten.
Die Anleitung
Die Anleitung ist wie bei den anderen von Starling Models aufgebaut. Man findet neben der eigentlichen Anleitung für den Zusammenbau, die aus perspektivischen Ansichten besteht, allgemeine Ratschläge, eine Übersicht der Teile und eine farbige Seitenansicht und Aufsicht als Anleitung für die Bemalung. Die Farbangaben beziehen sich nicht auf einen bestimmten Hersteller. Die Verteilung des Graus und Grüns auf den Decks ist schwer zu sehen.





Der Bausatz würde auch eine gute Grundlage die modernisierte Schiffe des 1942-Typs darzustellen (auch die pakistanischen), da dieser Bausatz 4-cm-STAAG-Zwillinge und den Squid-Mörser enthält - nur müsste das Mk-37- gegen ein Mk-VI-Feuerleitgerät ausgetauscht werden. Auch der Umbau in eines der australischen Schiffe wäre eine Möglichkeit. Diesen hatten allerdings auch das Mk-VI-Feuerleitgerät, drei 4-cm-STAAG-Zwillinge (der Bausatz enthält nur zwei) und vier 4-cm-Mk-7-Einzellafetten (der Bausatz enthält nur drei). Natürlich muss man die beiden 11,4-cm-Zwillingstürme gegen die Mk-VI-Variante austauschen, die von Starling Models, wie die STAAG-Zwillinge, extra erhältlich sind.
Quellen
- Tribals, Battles and Darings.The Genesis of the Modern Destroyer von Alexander Clarke, Barnsley, 2022 (Buchbesprechung)
- The Battle Class Destroyers von George Moore in Warship 2002-2003 von Antony Preston (Herausgeber), London, 2003
- Battle Class Destroyers von Peter Hodges, London, 1971
- Battle-class destroyer (Wikipedia)
- HMS Agincourt (D86) (Wikipedia)
- Agincourt 1947 (Tyne built ships)
- HMS Agincourt I-06 / D-86 (MaritimeQuest)
- HMS Agincourt (Australian War Memorial): Fotos hier und hier
- British Destroyers & Frigates. The Second World War and after von Norman Friedman, Barnsley, 2006
- Super Destroyers. From the Torpedo Boat Era to the Dominant Surface Warship of Today von Robert C. Stern, Barnsley, 2024 (Buchbesprechung)
- Conway’s All the World Fighting Ships 1922-1946 von Roger Gardiner (Herausgeber), London, 1980
- Nelson to Vanguard. Warship Design and Development 1923-1925 von David K. Brown, London, 2006
Fazit
Der Bausatz des britischen Zerstörers HMS Agincourt im Zustand der 1950er Jahre bietet eine gute Grundlage für ein Modell eines der typischen britischen Zerstörer in der Frühphase des Kalten Kriegs. Allerdings muss man am Rumpf wie oben erwähnt etwas nacharbeiten und die Torpedorohre austauschen. Insgesamt ist der Bausatz
empfehlenswert
Lars
















