Das Original

Anlässlich des 70. Jahrestages der Aufstellung der Bundesmarine und der in Dienststellung des ersten Schweren Zerstörers der K-Klasse im gleichen Jahr, sehe ich mich veranlasst hierzu einen kleinen Bericht zu verfassen.

Anfang der 1950er Jahre hat der Deutsche Bundestag bereits intensiv, aber erfolglos über Fragen des Schutzes der deutschen Küsten und einer deutschen Küstenwache diskutiert. Darauf aufbauend wurde 1951 dann der Seegrenzschutz gegründet, welcher die Aufgaben einer modernen Küstenwache übernehmen sollte. Dieser wurde letztendlich in die 1955/1956 gegründete Bundesmarine eingegliedert. Bereits in den frühen Jahren des Seegrenzschutzes zeigte sich, dass die Einheiten moderne schnelle, kleine Schiffe benötigen, um ihre Aufgaben erfüllen zu können. Die Aera der Schlachtschiffe war endgültig vorbei.

…“Die Aufstellung der Bundesmarine begann am 2. Januar 1956 mit einer Marinelehrkompanie deren Ausbildung vorwiegend durch Vorgesetzte der ehemals unter amerikanischer Aufsicht stehenden „Labor Service Unit“ (LSU) geleistet wurde.“…
…“Am 1. April 1956 wurde in Kiel unter Führung des Korvettenkapitäns Hans-Helmut Klose das Schnellbootlehrgeschwader aufgestellt. Am 2. Mai 1956 nahm das Kommando der Flottenbasis in Wilhelmshaven-Sengwarden den Dienst auf, am 15. Juni 1956 folgte das Kommando Seestreitkräfte unter kommissarischer Führung von Kapitän zur See Max-Eckart Wolff. Am 16. Mai 1956 wurde das 1. Schnelle Minensuchgeschwader mit zwölf Booten in Wilhelmshaven in Dienst gestellt und am 1. Juni 1956 das 2. Hochseeminensuchgeschwader mit 6 Booten in Bremerhaven.“…
(siehe dazu Wikipedia)


Vor diesem Hintergrund war es für die aufzustellende Bundesmarine wichtig, zur gegebenen Zeit über die ersten Marineeinheiten zu verfügen. Da die deutschen Werften so kurz nach dem Krieg noch nicht ihre volle Leistungsfähigkeit erreicht hatten, aber der Bedarf an geeigneten Schiffen bereits bestand, wurden kurzerhand bestehende Schiffspläne angekauft und überarbeitet. Im Fall der geplanten Zerstörer der K-100-Klasse wandte man sich an die renommierte italienische Werft „Cantiere navale fratelli Orlando“ in Livorno, welche bereits seit Ende des 19. Jahrhundert gute Erfahrungen mit der Planung und Konstruktion von Großkampfschiffen und Zerstörern hatte. Als Beispiel sei hier der Zerstörer Taschkent angeführt, welcher eine erfolgreiche Konstruktion und ein schnelles Schiff war. Markant waren hierbei die schnittige Rumpfform und die abgerundeten Aufbauten, die dem Schiff die gewisse Eleganz gaben. Die deutschen Werften hätten bei der Entwicklung in dem Fall wieder bei null anfangen müssen. Dadurch konnten jedoch mehrere Jahre Entwicklungszeit eingespart werden. Basierend auf diesen Unterlagen wurde im Herbst 1953 unter strengster Geheimhaltung bei Blohm & Voss in Hamburg mit dem Bau der ersten Einheit der K-100-Klasse begonnen und im Dezember 1955 fertig gestellt.


Zeitgleich mit der Aufstellung des Schnellbootgeschwaders wurde im April 1956 die erste von 4 geplanten Einheiten als Zerstörer Kraepin in Dienst gestellt, benannt nach Franz Georg Kraepin, der seinerzeit bereits als Kadett unter Kapitän Karl Rudolf Brommy gedient hatte und später Weggefährte von Albrecht von Stosch war. Bei der in Dienststellung wehte noch die normale Flagge der Bundesrepublik in schwarz-rot-gold am Mast, die Dienstflagge mit dem Adler wurde erst Ende Mai bei den Marineeinheiten durch Erlass des Bundespräsidenten Theodor Heuss eingeführt.


Die K-Klasse sollte aufgrund der geplant hohen Geschwindigkeit von 43 Knoten als Flottillen-Führer der Schnellboot-Flottille eingesetzt werden. Bewaffnet war die Klasse mit 3 automatisch ladenden 127-mm-Geschütztürmen mit einer Schusskadenz von 100 Schuss/Minute, zwei fünffach Torpedorohren 533 mm, zwei Hedgehog-U-Jagdwerfern, einer Bofors-40-mm-Vierlingslafette und, bei Bedarf, mehreren 20-mm-Geschützen.

Zu einem späteren Zeitraum wurde der Turm „Cäsar“ versuchsweise durch einen zweifach Raketenstarter für Flugkörper zur See- und Luftzielbekämpfung ersetzt.

Das Schiff hatte eine Länge über alles von 140 m bei 14 m Breite und verdrängte max. 3950 ts bei einem Tiefgang von 4,2 m.

Durch ihre abgerundeten Aufbauten und der gerundeten Geschütztürme konnte die Radarsignatur auf 1/3 eines normalen Zerstörers reduziert werden.


Aufgrund politischer Differenzen mit den anderen NATO-Staaten (man traute der jungen Bundesrepublik noch nicht so recht), vor allem mit den USA, wurden die restlichen Einheiten storniert und dafür 1958 im Rahmen des „Military Assistance Programs“ sechs Zerstörer der Fletcher Klasse gekauft.

Die Spur der Kraepin verliert sich Anfang 1962, als sie bei Schießübungen mit dem neuen Raketenwerfer spurlos im Mittelmeer verschwand. Es wird vermutet, dass sie von einer ausländischen Macht im Nahen Osten gekapert wurde, um an die Raketentechnologie zu gelangen. Die Mannschaft wurde nach zwei Wochen unversehrt auf einer einsamen griechischen Insel gefunden. Da die Einzelheiten immer noch als streng geheim eingestuft sind und die Mannschaft zur Verschwiegenheit verpflichtet wurde, ist über den Verbleib des Schiffes leider nicht mehr bekannt.

Das Modell

Modell: K-100-Klasse – Zerstörer Kraepin (Umbau)
Hersteller: Samek Models
Maßstab: 1/700
Material: Resin/Kunststoff
Art.Nr.: S700/002


Holger Siegel