Zvedza: Schlachtschiff HMS Dreadnought (1/350) Drucken
Dienstag, 04. Oktober 2011 um 07:00

Deckel

Modell: HMS Dreadnought
Hersteller: Zvedza
Maßstab: 1/350
Material: Spritzguss
Art.Nr.: 9039
Preis: ca. 50 €

Wahnsinn! Vor Jahren noch Undenkbares ist wahr geworden! Die HMS Dreadnought in 1:350 steht dank Zvezda nun in den Regalen der Modellbauläden! Auf der diesjährigen Spielzeugmesse präsentierte Zvezda das gebaute Modell der Black Pearl, dem Fantasie-Segler aus dem Film „Pirates of the Caribbean“ als Neuheit des Jahres. Zweifelsfrei ein Hingucker made in Hollywood. Von der HMS Dreadnought (zu deutsch „Fürchtenichts“) in 1:350 war auf den ersten Blick nichts zu sehen. Doch die Rückseite des neuen Kataloges zeigte einen ersten furchtlosen Hinweis auf die Dreadnought in Form des späteren Deckelbildes. Und jetzt ist sie da –sogar noch vor der Pearl! Die Wunschlisten vieler Modellbauer sind nun um einen Eintrag kürzer.

Das Original

Die HMS Dreadnought von 1906 stellte eine Revolution im Schiffsbau dar. Mit ihrer Indienststellung wurden alle bisher gebauten Großkampfschiffe auf einen Schlag zu Altmetall degradiert. Der Grund dafür waren die zehn großen Geschützen der Dreadnought im einheitlichen Kaliber 305 mm, die in fünf Türmen aufgestellt waren. Die alten Schiffe mit ihrer gemischten Bewaffnung, bestehend aus zumeist nur vier großen Rohren der Hauptartillerie und mehreren kleineren Geschützen der Mittel-Artillerie hatten der Dreadnought nichts entgegenzusetzen und verloren ihren Kampfwert. Der neue, als Einheits-Kaliber-Großkampfschiff (All-big gun-ship) bezeichnete Entwurf wurde für die folgenden Jahre wegweisend. Die Dreadnought wurde nicht zur Namensgeberin einer Schiffsklasse, sondern einer ganzen Generation von Schiffen. In den kommenden Jahren bauten alle großen Industrienationen ihre eigenen Dreadnoughts und entwickelten sie zu sogenannten Super-Dreadnoughts weiter (nur Frankreich blieb noch für längere Zeit der traditionellen Bauweise treu). Revolutionär war auch der neuartige, zum ersten Mal auf einem Schiff dieser Größe eingesetzte Turbinenantrieb der Dreadnought, das ihr eine Geschwindigkeit von bis zu 22,4 kn ermöglichte.

Ein maritimes Wettrüsten hatte begonnen wobei besonders die Rivalität zwischen der gewachsenen Seemacht Großbritannien und dem „Emporkömmling“, dem Deutschen Reich letztendlich zum Ersten Weltkrieg führten. Die Dreadnought nahm zwar an keiner der Seeschlachten des ersten Weltkrieges teil, aber immerhin gelang ihr die Versenkung des Deutschen U-Bootes U 29 durch Rammstoß. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie verkauft und 1923 abgewrackt.

Der Bausatz

Zvezdas Dreadnought besteht aus etwa 300 Teilen, die an fünf hellgrauen Spritzlingen und einem durchsichtigen Rahmen hängen. Dazu liegt ein kleiner Decalbogen mit zwei Namenszügen des Schiffes und eine Britische Flagge aus Papier bei.

Der Rumpf

Das Modell kann als Vollrumpf-, oder als Wasserlinienmodell gebaut werden. Die beiden Rumpfhälften und das einteilige Deck sind die größten Bauteile des Modells. Drei Streben an der Innenseite geben dem Ganzen die erforderliche Stabilität. Diese Streben sind - anders als bei einigen japanischen Herstellern - nur im Überwasserschiff angebracht, was das Darstellen eines Wasserlinienmodells ohne zusätzliches Sägen ermöglicht. An der Innenseite der Rumpfhälften verläuft entlang der Wasserlinie eine Vertiefung. Bei Bedarf lässt sich hier das Unterwasserschiff mit einem Bastelmesser oder ähnlichen problemlos abtrennen.

Rumpf
Rumpf Rumpf

Das Deck ist durchgehend in passender Holzoptik mit einzelnen nachempfundenen Planken wiedergegeben. Die angegossenen Details; u.a. einzelne Munitionskisten und Oberlichter sind dem Maßstab entsprechend ausgeformt. Im Vergleich dazu sind die Bordwände relativ einfach gehalten. Plankenstöße und eine insgesamt feiner detaillierte Oberfläche wären nicht schlecht gewesen.

Kleinteile

Vom 26 cm langen Vordeck bis zum wenige Millimeter kleinen Lüfter sind bei den knapp 300 Bauteilen alle Größen vorhanden. Das schönste Teil ist zweifelsfrei das filigrane Bootsdeck. Aber auch der erste Eindruck der restlichen Kleinteile überzeugt und verspricht eine Menge Bastelspaß. Lediglich die Scheinwerfer wirken im Vergleich zu den restlichen Bausatzteilen unverhältnismäßig stark vereinfacht. Die Ankerketten hingegen sind wieder sehr fein gegossen, wie z.B. auch die dünnen Masten und Streben, die vorhandenen Plattformen und auch die kleinen 12-Pfünder-Schnellfeuerkanonen, etc, etc…

Kleinteile
Kleinteile Kleinteile
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Auf dem Vordeck finden sich die gleichen Holzplanken wie auch schon auf dem Hauptdeck. Ein erster Trockenbau zeigte am Übergang des Vordecks zum Rumpf minimale Unstimmigkeiten in Form kleinerer Spalten zwischen den Bauteilen am Bug. Dies dürfte sich aber beim Bau des Modells problemlos beheben lassen.

Kleinteile
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Kleinteile
Kleinteile

Die zehn Rohre der 305 mm-Geschütze sollten entsprechend dem Maßstab an der Mündung aufgebohrt werden.

Der Sockel für ein Standmodell ähnelt von der Form her einem Stück zerklüfteten Felsen.

Ständer

Die Anleitung

Die Bauanleitung ist in Russisch und Englisch verfasst. Dennoch führt sie in 21 Zeichnungen unmissverständlich zum fertigen Modell. Daneben zeigen mehrere kleine Abbildungen einzelne Baugruppen.

Anleitung Anleitung Anleitung
Anleitung Anleitung

Bei der Farbenliste am Ende der Bauanleitung scheint Zvezda der Platz ausgegangen zu sein. Angegeben sind die Nummern der Farben von Zvezdas hauseigener Marke (die aber nur in Russland vertrieben wird) und von Modelmaster. Allerdings fehlt auf der Liste die in beinahe jedem Bauschritt vorkommende Nr. 54 (Modelmaster 1728). Der Hinweis findet sich aber auf der Liste an der Außenseite der Schachtel.

Vorschau

Bei „Redaktionsschluß“ hatte WEM einen Ätzteilsatz für die HMS Dreadnought angekündigt, in dem wahrscheinlich auch Torpedonetze für ein Wasserlinienmodell enthalten sein werden. Außerdem wird demnächst von BMK ein Set gedrehter Rohre erscheinen, für das neben den zehn 305 mm-Hauptrohren auch die 27 12 Pfünder-Schnellfeuerkanonen geplant sind

Fazit

Die HMS Dreadnought von Zvezda ist unbestreitbar eines der Highlights dieses Jahres und ein hochinteressantes Schiffsmodell! Noch dazu zu einem absolut überzeugenden Preis-Leistungs-Verhältnis. Ein weiterer Pluspunkt ist gut überlegte Umsetzung des Bausatzes, so dass der Bau trotz zahlreicher Einzelteile nie unübersichtlich oder zu kompliziert wird. Aus der Schachtel gebaut ist die Dreadnought ein Modell für alle Altersklassen.

alt uneingeschränkt empfehlenswert

Wolfgang

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