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Deckelbild

Modell: Scharnhorst
Hersteller: Kombrig Maßstab: 1/700
Art. Nr.: 70257
Material: Resin, Ätzteile
Preis: 43,0 €

Original

Die Scharnhorst war das Typschiff der vorletzten Panzerkreuzer-Klasse der Kaiserlichen Marine und war wie alle Panzerkreuzer als Großer Kreuzer klassifiziert. Diese Klasse war eine Weiterentwicklung der Roon-Klasse und ähnelte dieser rein äußerlich auch sehr. Allerdings wurde bei der Scharnhorst-Klasse die Zahl der schweren Geschütze verdoppelt, die Panzerung verstärkt und die Geschwindigkeit erhöht. Dies machte auch eine deutliche Vergrößerung des Rumpfs nötig. Diese Verbesserungen gegenüber den Vorgängerklassen änderte aber nichts daran, dass auch diese Klasse deutscher Panzerkreuzer im Vergleich zu zeitgenössischen Klassen anderer Marinen nicht gut abschnitt. Nur die Hälfte der Hauptbewaffnung befand sich in Türmen, während der Rest in Kassematten stand, was auch noch eine Reduktion der Mittelartillerie im Vergleich zu den Vorgänger-Klassen nötig machte. Die Klasse veraltete auch sehr schnell, da kurz nach der Fertigstellung der beiden Schiffe die ersten britischen Schlachtkreuzer der Invincible-Klasse in Dienst kamen. Diese waren zwar ähnlich schwach gepanzert, aber deutlich stärker bewaffnet (30,5 cm statt 21 cm Geschütze) und auch deutlich schneller (25,5 kn statt 23,5 kn). Entsprechend wurden beide Schiffe der Scharnhorst-Klasse nach Südostasien verlegt, da sie für den Dienst mit der Schlachtflotte nicht geeignet waren.

Die Scharnhorst war 144,6 m über alles lang und 21,6 m breit. Mit einer Verdrängung von 12985 t hatte sie einen Tiefgang von 8,4 m. Mit ihren drei Dreifachexpansionsdampfmaschinen und drei Schrauben erreichte sie mit 28783 PS bei den Probefahrten 23,5 kn.

Bewaffnung 1907
8 x 21 cm L/40 (zwei Zwillingstürme, vier in Kassematten)
6 x 15 cm L/40
18 x 8,8 cm L/35
4 x 45 cm Torpedorohre (Unterwassertorpedorohre, 1 Bug, 1 Heck, 2 Seiten)

Die Scharnhorst wurde zwischen 1905 und 1907 bei Blohm & Voß in Hamburg gebaut. Nach einer kurzen Zeit als Flaggschiff der Aufklärungsschiffe wurde sie 1909 nach Südostasien verlegt, wo sie als Flaggschiff des Kreuzergeschwaders Dienst tat. Diese Funktion behielt sie auch nach Kriegsausbruch bei. Das sich zu diesem Zeitpunkt in Ponape, Karolinen befindliche Geschwader kehrte nicht in den Heimathafen Tsingtau zurück, der bald darauf von den Japanern belagert und erobert werden sollte, sondern überquerte den Pazifik und traf sich dort mit den Kleinen Kreuzern, die in Amerika stationiert waren. Von der Westküste Südamerikas aus, wollte das Kreuzergeschwader – jetzt aus den Panzerkreuzern Scharnhorst und Gneisenau sowie den Geschützten Kreuzern Leipzig, Nürnberg und Dresden bestehend - unter Admiral Graf Spee nach Deutschland durchbrechen. In der Schlacht von Coronel am 1.11.1914 konnte ein unterlegenes britisches Geschwader (Panzerkreuzer Good Hope und Monmouth, Leichter Kreuzer Glasgow, Hilfskreuzer Otranto) geschlagen werden, wobei die Scharnhorst den älteren und schwächer bewaffneten britischen Panzerkreuzer Good Hope versenkte. Am 8.12.1914 wurde aber das Kreuzergeschwader bei einem Angriff auf den Stützpunkt Port Stanley auf den Falklands von einem überlegenen britischen Verband, dem die Schlachtkreuzer Invincible und Inflexible, die Panzerkreuzer Kent, Cornwall und Carnavon und die Leichten Kreuzer Bristol und Glasgow angehörten, überrascht. Im folgenden Gefecht versenkten Invincible, Inflexible und Carnavon die beiden deutschen Panzerkreuzer, während Kent die Nürnberg und Glasgow und Cornwall die Leipzig vernichteten. Nur die Dresden konnte vorerst entkommen. Scharnhorst ging mit der gesamten Besatzung – 880 Mann – unter.

Bausatz

Kombrig stellt die Scharnhorst im Zustand zwischen der Indienstellung und 1912 dar. Der Rumpf hat die richtige Länge, ist aber etwas zu schmal. Die Form ist korrekt wiedergegeben, auch die Gussqualität ist sehr gut.

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Man beachte auch die Wiedergabe des beplankten Vor- und Achterschiffs und des mit Linolium belegten Decks mittschiffs. Sehr gut ist hier auch, dass für die Schornsteine und die Unterbauten der Masten Vertiefungen vorhanden sind, die die Positionierung erleichtern.

Auch die Aufbauten und die Schornsteine sind gut detailliert, man beachte besonders die Lüfter.

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Bei den Schornsteinen fehlen allerdings die Dampfrohre, die auf der Skizze in der Anleitung erkennbar sind. Für die genaue Positionierung sollte man Photos zu Rate ziehen. Es bleibt abzuwarten, wieviel Schleifarbeit notwendig ist, um die Schornsteine auch in die vorgesehenen Vertiefungen positionieren zu können.

Die Bewaffnung ist detailliert dargestellt. Die 21 cm- Zwillingstürme sind sehr gut gelungen und auch die Resinrohre sind erstaunlich gut. Bemerkenswert ist die Darstellung der 8,8 cm Torpedobootsabwehrgeschütze. Es gibt jeweils ein Resinteil für Lafette und Rohr sowie ein geätztes Schutzschild (Ausnahme die beiden Geschütze auf den Brückennocks und die Geschütze in den Kasematten vorne und achtern).

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Die Boote sind korrekt dargestellt, es fehlt allerdings eine Barkasse. Auch in der Teileübersicht gibt es nur eines der größten geruderten Boote, aber in der Aufsicht in der Anleitung ist ein zweites abgebildet, was auch auf Photos erkennbar ist. Im Gröner sind aber nur elf Boote angegeben. Ob es tatsächlich zwölf Boote waren oder ob eines der kleineren Typen überzählig ist, konnte ich nicht feststellen.

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Hier noch restliche Teile, wie Scheinwerfer, Kompasse, Anker und Bootskräne. In der Teileübersicht ist einer der Spritzlinge zwei Mal abgebildet, aber er ist nur ein Mal im Bausatz vorhanden. So weit ich es anhand der Anleitung überprüfen konnte, braucht man aber tatsächlich diesen Spritzling nur ein Mal.

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Es ist erstaunlich, dass hier alle Teile noch intakt sind, obwohl sie gemeinsam in einer Tüte verpackt waren. Die Spieren und Rahen für die Masten aus Resin sollte man besser durch Metallteile ersetzen. Die Resinteile sind teilweise auch verbogen, aber auf jeden Fall beim Takeln suboptimal.

Kombrig hat auch hier wieder Ätzteile beigelegt. Neben den schon erwähnten geätzten Schutzschilden für die 8,8 cm Geschütze ist das Bugwappen, die Salinge und die Abstützungen für das Brückendeck und die Galerie besonders erwähnenswert. Nur die geätzten Flaggstengen und Ankerketten finde unangebracht, da diese Teile geätzt einfach zu flach wirken.

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Anleitung

Die Anleitung besteht aus russischen Angaben zur Geschichte und den technischen Daten, einer Aufsicht und einer Seitenansicht, einer Teileübersicht und einer Explosionszeichnung. Bei der Explosionszeichnung sind einzelne Bauabschnitte herausgezeichnet, was den Zusammenbau sicher erleichtert. Die Zuordnung der zahlreichen Kleinteile bleibt aber alles andere als trivial.

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Angaben zum Anstrich der Scharnhorst fehlen komplett. Man kann entweder den Standardanstrich oder den Tropenanstrich verwenden. Der graue Standardanstrich, den Scharnhorst vor der Verlegung nach Ostasien (und wahrscheinlich wieder ab 1912) hatte, setzt sich aus einem mittelgrauen Rumpf (etwa Humbrol 165) und hellgrauen Aufbauten (etwa Humbrol 129) zusammen. Bei Tropenanstrich war der Rumpf weiß und alles darüber in einem gelblichen Ocker. Dieser Anstrich ist auf dem Deckelbild zu sehen. Die Farbe der Aufbauten war auch auf den Dächern der Mastkörbe und der Lüfter, sowie den Decken der Kommandotürme und der 21 cm Zwillingstürme zu finden. Die beplankten Decks waren in jedem Fall holzfarben, das Deck mittschiffs und auf den Aufbauten war mit Linoleum belegt (Revell 83). Der stählerne Bereich unter den Ankern war wahrscheinlich dunkelgrau gestrichen.

Wenn man die Scharnhorst im Zustand von 1914, z.B. während der Schlacht von Coronel oder Falkland darstellen will, sind diverse Veränderungen nötig. Ab 1912 waren die Scheinwerfer anders angeordnet. Die Scheinwerferplattformen bei den Bootskränen wurden entfernt. Dafür wurde ein Scheinwerfer auf dem Vormars aufgestellt, zwei über den Brückennocks und auf dem Dach des Mastkorbs am Großmast waren zwei Scheinwerfer schräg versetzt statt einem montiert. 1914 wurde noch ein Fleckerstand (Artilleriebeobachtungsstand) am Fockmast angebracht.

Quellen

Fazit

Dieser Bausatz der Scharnhorst vom Kombrig ist zwar ein sehr komplexer Bausatz und deshalb nicht für Anfänger geeignet, aber für Fortgeschrittene ist er

alt SEHR EMPFEHLENSWERT

Lars