Koreanische Schildkrötenschiffe (1/700, Artist Hobby) von Reiner Vögel Drucken
Montag, 17. Dezember 2018 um 06:00

 

16.12.1598 - 420 Jahre Schlacht von Noryang

 

Schildkrötenschiffe (1/700)

Die Schlacht von Noryang am 16. Dezember 1598 vor 420 Jahren war die letzte Schlacht im Imjin-Krieg und führte zu einer schweren Niederlage der Japaner (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Der bekannteste koreanische Schiffstyp aus diesem Krieg war das Schildkrötenschiff:

Das Original

Die koreanische Bezeichnung für die Schildkrötenschiffe ist Geobukseon. Es gab schon einen frühe Variante der Schiffe, die während der Joseon-Dynastie im frühen 15. Jahrhundert gebaut wurden. Die Variante aus dem Imjin-Krieg wurde auf Anregung von Admiral Yi Sun-sin entwickelt und das erste Schildkrötenschiff lief kurz vor der japanischen Invasion von 1592 vom Stapel. Diese Schiffe wurde aus dem damaligen Standardtyp der koreanischen Marine, den Panokseon, entwickelt. Der primäre Unterschied war, dass das obere Deck nicht offen war, sondern mit einem schildkrötenpanzerartigen Schutz versehen war, der den Schiffen ihren Namen gab. Dieser diente dazu, die Japaner an ihrer bevorzugten Taktik, dem Entern zu hindern. Die koreanische Marine bevorzugte den Einsatz von Artillerie und ihre Schiffe waren mit Kanonen ausgerüstet. Es gibt in der Literatur keine Einigkeit darüber, ob diese Schiffe mit Eisen gepanzert waren. In zeitgenössischer koreanischer Literatur werden nur eiserne Spitzen erwähnt, die wie gesagt, dazu dienten zu verhindern, dass das Schiff geentert werden konnte. Da die damalige japanische Marine nur in sehr geringen Umfang Kanonen verwendete, kann ausgeschlossen werden, dass es eine eiserne Panzerung gegen Kanonenkugeln gab.

Schildkrötenschiffe (1/700) und Admiral Yi Sun-sin

Die Schildkrötenschiffe konnten sowohl gerudert als auch gesegelt werden. Die Besatzung bestand aus 70-80 Ruderern und 50 weitere Besatzungmitgliedern, u.a. für die Bedienungen der 24-36 Kanonen. Eine dieser Kanonen soll in dem Drachenkopf untergebracht worden sein. In diesem konnte auch giftiger Rauch erzeugt werden. Dazu war der Bug verstärkt, so dass auch Rammstösse möglich waren.

Quelle: Wikipedia

Schildkrötenschiffe (1/700) Schildkrötenschiffe (1/700)

Das Modell

Der 1/700 Bausatz von Artist Hobby AH 87006 aus der Mare Nostrum Serie besteht aus den Resinteilen für Rumpf und Drachenkopf sowie einer Ätzteilplatine mit Anker, Ruder, Riemen, Masten, Segeln, Drachenplatte und Banner. Nach Europa werden die Ätzteil-Spitzen für das Dach nicht mitgeliefert, somit bleibt dem Modellbauer das Falten und Zusammenkleben der vielen Spitzen erspart.

Mit einigen Änderungen lässt sich das Modell aufwerten und originalgetreuer gestalten. Zuerst müssen alle Bohrungen am Rumpf angebracht werden, denn später lässt sich der „Igel“ nicht ohne Schäden festhalten. Die Seitenplatten bekommen mittig eine Bohrung für die Geschützrohre oder zur Feindbeobachtung. In der Bauanleitung sind Galeeren-Riemen gezeigt, was hier nicht zutrifft, denn es handelt sich um Wrigg-Riemen, die im Stehen in Form einer 8 bewegt werden (wie bei den venezianischen Gondeln). Die Riemen zur Fortbewegung kommen von oben aus dem Überbau, nicht wie in der Bauanleitung gezeigt aus dem Rumpf. Hierfür habe ich auf jeder Seite, Backbord und Steuerbord, von unten acht Öffnungen in den Aufbau gebohrt, in welche die gekürzten und ausgerichteten Ätzteile unter ca. 45° eingeklebt sind.

Schildkrötenschiffe (1/700) Schildkrötenschiffe (1/700)

In den „Dachplatten“ sind mittig kleine Vertiefungen für die Spitzen vorgesehen, welche auch gut zum Anbohren (ca. 1 mm tief) geeignet sind. Meine Spitzen sind aus 0,3 mm Messingdraht ca. 3 - 4 mm lang, die in die Bohrungen eingeklebt sind. Bohrungen haben den Vorteil, dass der Draht besser verklebt werden kann. Vor der Bemalung werden die langen Drähte mit einem 0,75 mm Abstandsstück und einem scharfen Seitenschneider auf gleichmäßige Länge getrimmt - ein Igel beim Frisör.

Meine Masten aus 1 mm Messingdraht, konisch geschliffen, stecken in Mastschuhen auf dem Dach der Schildkröte. Als Segel wurden die Fotoätzteile nur einfach verwendet und mit Bögen aus 0,5 mm Messingdraht zum Auffädeln auf die Masten versehen.

Als Geschütze in den Aufbauwänden dienen auf Länge gesägte Kanülen. Die Drachenplatte ziert den Bug des Rumpfes, wobei hier die größte Kanone des Schiffes im Maul des Drachens versteckt war. Auch der niedliche Drachenkopf als hohe Bugzier konnte damals Feuer speien und den Gegner in Brand setzen.

Glücklicherweise können meine kleine Schildkrötenschiffe noch kein Feuer speien.

Schildkrötenschiffe (1/700)

Viel Spaß beim Bau der kleinen Schildkröten.

Reiner Vögel