Französischer Panzerkreuzer Waldeck-Rousseau (1/700, Kombrig) von Lars Scharff Drucken
Freitag, 26. April 2019 um 05:00

 

26.04.1919 - 100 Jahre Meuterei auf der Waldeck-Rousseau

 

Panzerkreuzer Waldeck-Rousseau (1/700)

Heute vor 100 Jahren, am 26. April 1919, meuterte die Besatzung des französischen Panzerkreuzers Waldeck-Rousseau in Odessa (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Der Panzerkreuzer war Teil der Intervention des westlichen Siegermächte des Ersten Weltkriegs in den Russischen Bürgerkrieg. Zahlreiche Schiffe waren in der Ostsee, Pazifik und Schwarzen Meer beteiligt und unterstützten dort die Weißen. Viele der Besatzungen wollten sich nicht in der Intervention beteiligen, wobei eine Mischung aus politischen Gründen (das Aufkommen der kommunistischen Parteien im Westen) und Unzufriedenheit über die Lebensbedingungen an Bord und die fehlende Demobilisierung nach Ende des Ersten Weltkriegs eine Rolle spielten. Es gab in mehreren der beteiligten Marinen meuterei-ähnliche Vorkommnisse. Den größten Umfang nahmen Meutereien 1919 in der französischen Flotte im Schwarzen Meer an. Insbesondere junge Rekruten aus den industriellen Teilen Frankreichs, also wohl mit Kontakten zu Gewerkschaften und der kommunistischen Partei, spielten eine führende Rolle. U.a. meuterten am 19. April die Besatzungen der Schlachtschiffe France und Jean Bart. Zahlreiche weitere Meutereien folgten, u.a. die der Besatzung der Waldeck-Rousseau. Im Juni 1919 meuterten auch diverse Besatzungen von in Frankreich stationierten Schiffen. Im Gegensatz zu Russland 1917 und Deutschland 1918, wo die Meutereien der Matrosen eine starke Rolle in der Februar-, Oktober und Novemberrevolution spielten, führten sie in Frankreich trotz eines Generalstreiks in Paris im Mai 1919 nicht zu einer Revolution. Die Meuterei auf der Waldeck-Rousseau endete nach vier Tagen.

Das Original

Der französische Panzerkreuzer Waldeck-Rousseau war das zweite Schiff der 1904-11 gebauten Edgar Quinet-Klasse und der letzte französische Panzerkreuzer, der gebaut wurde. Die Edgar Quinet-Klasse war eine Weiterentwicklung der Ernest Renan. Die Abmessungen waren relativ ähnlich. Im Vergleich zu früheren französischen Panzerkreuzern waren sie also länger, das zusammen mit einer verstärkten Maschinenanlage eine höhere Geschwindigkeit ermöglichen sollte. Sichtbar war die hohe Zahl der Kessel an der Zahl der Schornsteine: die beiden Schiffe der Edgar Quinet-Klasse waren mit Ernest Renan und der älteren Jeanne d'Arc die einzigen Panzerkreuzer mit sechs Schornsteinen. Die Edgar Quinet-Klasse ist von Ernest Renan auch durch die vollummantelnden Schornsteine, den geraden Bug und die andere Form der Geschütztürme unterscheidbar. Edgar Quinet und Waldeck-Rousseau erhielten statt einer Mischung aus 19,4 cm- und 16,4 cm-Geschützen der Vorgängerklassen eine uniforme Bewaffnung aus 19,4 cm-Geschützen.

Damit gehörten sie zu den am stärksten bewaffneten Panzerkreuzern - allerdings war auch Waldeck-Rousseau auch der letzte fertig gestellte Panzerkreuzer. Im gleichen Jahr, 1911, wurden noch die griechische Georgios Averoff, die italienische San Marco, die japanische Kurama und die russische Bayan II fertig - und es waren bereits vier britische und ein deutscher Schlachtkreuzer in Dienst. Diese Schlachtkreuzer waren schneller und stärker bewaffnet, allerdings auch eine extrem teure Lösung für Kreuzeraufgaben. Aber noch aus einem anderen Grund war Waldeck-Rousseau bereits bei Fertigstellung veraltetet: ihre Konzeption stammte aus einer Zeit, in der die französische Marine sowohl auf eine Schlachtflotte als auch eine Flotte von schnellen Panzerkreuzern setzte, wobei letztere den gegnerischen Handel treffen sollten und primär gegen Großbritannien gerichtet waren. Allerdings konnte sich Frankreich und Großbritannien schon vor der Kiellegung der Waldeck-Rousseau ihre Interessenskonflikte beilegen (Entente cordiale) und schon vor der Fertigstellung hatte sich die Triple-Entente, das Bündnis von Frankreich, Großbritannien und Russland, gebildet. Mit Deutschland als wahrscheinlichen Gegner waren die großen Panzerkreuzer ohne Rolle. Es brauchte schnelle Kreuzer für Angriffe in der Nordsee (und der Adria) - Frankreich sollte aber nach Waldeck-Rousseau von 1911 erst 1926 mit dem Leichten Kreuzer Duguay-Trouin (und 1923 mit dem Großzerstörer Jaguar) ein hierfür geeignetes Schiff fertig stellen. Vor und während des Ersten Weltkriegs ordnete Frankreich finanziell alles dem Bau von Schlachtschiffen, später Geleitschiffen und insbesondere - aus logischen Gründen - den Bedürfnissen der Armee unter und es wurde kein einziger Kreuzer gebaut.

Panzerkreuzer Waldeck-Rousseau (1/700)

Die Waldeck-Rousseau war 158,9 m lang, 21,5 m breit und verdrängte 14.220 t. Der Antrieb erfolgte über 40 Kessel und drei Dreifachexpansionsdampfmaschinen, womit mit 35.286 PS bei Probefahrten 23,1 kn erreicht wurden. Die Besatzung bestand aus 841-924 Mann.

Bewaffnung 1919
14 x 19,4 cm L/50 modèle 1902 (zwei Zwillingstürme, sechs Einzeltürme, vier in Kasematten)
14 x 6,5 cm (ursprünglich 20, Anzahl fraglich)
2 x 45 cm-Torpedorohre

Panzerkreuzer Waldeck-Rousseau (1/700)

Die Waldeck-Rousseau wurde 1905-11 von der Marinewerft in Lorient gebaut. Sie wurde in Toulon stationiert und wurde das Flaggschiff der 1. Leichten Division, der noch Ernest Renan und ihr Schwesterschiff Edgar Quinet angehörten. Sie wurde im Ersten Weltkrieg sowohl in der südlichen Adria als auch im östlichen Mittelmeer und der Ägäis eingesetzt. 1914 wurde sie in der Adria zwei Mal erfolglos von österreichisch-ungarischen U-Booten angegriffen. Im Januar 1916 nahm sie an der Besetzung der griechischen Insel Korfu teil. Während der westlichen Intervention in den Russischen Bürgerkrieg wurde sie in das Schwarze Meer verlegt, wo ihr Besatzung, gerade angekommen, am 26. April 1919 in Odessa meuterte. Sie blieb danach im Schwarzen Meer und unterstützte u.a. im März 1920 die Evakuierung der Weißen Kräfte aus Noworossijsk und im November 1920 von der Krim sowie im Februar und März 1921 der Kräfte der Demokratischen Republik aus Georgien. 1924-28 war sie in Reserve, 1929-32 diente sie im Fernen Osten. Anschließen wurde sie erneut zur Reserve verlegt und schließlich 1936 aus der Marineliste gestrichen. Sie blieb danach im Schiffsfriedhof von Landévennec und wurde zu Beginn des Zweiten Weltkriegs als Wellenbrecher vor Brest verwendet. Dort wurde sie entweder am 18. Juni 1940 selbst versenkt oder sank dort im August 1940 wegen Vernachlässigung. Auf jeden Fall wurde sie bis 1944 vor Ort abgewrackt.

Panzerkreuzer Waldeck-Rousseau (1/700)

Das Modell

Das Modell des französischen Panzerkreuzers Waldeck-Rousseau habe ich aus dem Bausatz von Kombrig gebaut. Der Bausatz ermöglicht einen Bau eines Modells im Zustand bei Fertigstellung. Allerdings zeigt die in der Anleitung enthaltene Zeichnung das Schwesterschiff Edgar Quinet. Zwischen den beiden Schiffen gab es nur wenige Unterschiede: die Zahl der Bullaugen über den Ankerklüsen, die Form des großen Lüfters zwischen den beiden Schornsteingruppen und das Vorhandensein von Salingen unter beiden Marsen bei Waldeck-Rousseau. In Bezug auf die Bullaugen entspricht der Rumpf der Edgar Quinet, ich habe also zwei der Bullaugen im Bereich der Ankerklüsen entfernt.

Ich wollte den Zustand von 1919 darstellen. Ich habe nur ein Foto hier gefunden, dass mit 1919 datiert ist, allerdings sehr klein in geringer Auflösung wiedergegeben ist. Ob die Datierung korrekt ist, konnte ich nicht bestätigen. In Before the Battlecruiser werden einige Umbauten beschrieben. Ziemlich sicher wurde die Zahl der 6,5 cm-Geschütze reduziert und dafür Flak aufgestellt. Edgar Quinet soll die Flak auf den mittleren 19,4 cm-Türmen erhalten haben, auf einem Foto der Waldeck-Rousseau, das sehr wahrscheinlich nach 1919 aufgenommen wurde, sieht man allerdings dort keine, dafür aber auf den hinteren 19,4 cm-Einzeltürmen sowie auf dem hinteren 19,4 cm-Zwillingsturm (der vordere Turm ist auf dem Foto durch ein Sonnensegel verdeckt). Die Frage ist auch, welche 6,5 cm-Geschütze ausgebaut wurden. Anscheinend wurde die Batterie in Stückpforten auf dem Oberdeck mittschiffs von acht auf vier Geschütze reduziert. Laut Before the Battlecruiser wurde auch die Zahl der Geschütze auf dem vorderen Aufbau halbiert und auch auf dem achteren zwei entfernt. Meine Interpretation mit vier 6,5 cm-Geschütze in Stückpforten, zwei auf dem vorderen Aufbau, vier auf dem hinteren Aufbau und jeweils eines in Flaklafette auf den vorderen und hinteren 19,4 cm-Einzeltürmen ist teilweise spekulativ. Die Frage ist auch, ob die Brücke und die Marsen modifiziert wurden. Zu einem unbekannten Zeitpunkt erhielt sie eine zusätzliche Plattform am Fockmast über der Brücke. Ich lies diese aber weg und modifizierte auch die Marsen nicht, da ich dafür zu wenige Unterlagen hatte. Eventuell wird das Buch French Armoured Cruisers: 1887-1932 von John Jordan und Philippe Caresse, da im Herbst 2019 erscheinen soll, hier Antworten liefern.

Der Bausatz von Kombrig ist allgemein gut zu bauen. Der Rumpf bildete eine leichte Banane, was ich nicht komplett korrigieren konnte. Man muss bei den Schornsteinen und Lüftern etwas aufpassen, wohin welcher kommt. Die Teile sind allerdings sogar auf den Gussrahmen und der Anleitung nummeriert, was selten bei Kombrig vorkommt. Einer der 19,4 cm-Zwillingstürme fehlte bei meinem Exemplar des Bausatzes - dafür war ein Einzelturm zu viel enthalten - so dass ich einen Zwillingsturm aus Plastikplatten selbst baute. Die Resinteile für die Masten ersetzte ich durch Metallteile. Unter den Marsen muss man noch die Salinge ergänzen, die Kombrig in der Anleitung nicht zeigt (die man aber auf dem Deckelbild gut sieht). Die Takelung erfolgte mit schwarzen 20 Denier-Faden von UNI Caenis, der mit Hitze nachgespannt wurde. Die Davits ersetzte ich durch Fotoätzteile von BJ-Modellbau. Die Aufstellung der Beiboote ist auch sehr spekulativ. Die Aufsicht in der Anleitung zeigt in einem Plan diverse alternative Aufstellungen und die Fotos waren auch nicht hilfreich. Dazu scheinen mir die Boote nicht spezifisch für den Bausatz gemacht zu sein.

Der Anstrich erfolgte mit Acrylfarben von Vallejo Model Color. Auch hier gibt es einige Unsicherheiten. Es scheint relativ sicher zu sein, dass Waldeck-Rousseau 1919 in einem relativ hellen Grau gestrichen war, eventuell einem Grüngrau, und dass die Türme dunkel gestrichen waren. Zumindest ein Teil der Decks waren mit Linoleum belegt. Ich habe die vertikalen Flächen mit 108 (973) Seegrün hell und die Decks mit 136 (818) Rotes Leder gestrichen. Die Türme, alle Geschützrohre und die 6,5 cm-Geschütze sind mit 162 (869) Basaltgrau bemalt. Die Innenseite der Beiboote ist 4 (820) Cremeweiss, die Schornsteinkappen und Teile des Großmasts 167 (995) Anthrazitgrau.

Zuletzt noch einige Größenvergleiche: links mit den Panzerkreuzern Bayan II (1911) und HMS Monmouth (1901); in der Mitte mit den Leichten Kreuzern HMS Chester (1916) und Kiso (1921), typische Kreuzer, wie sie im und kurz nach dem Ersten Weltkrieg gebaut wurden; rechts mit dem Leichte Kreuzer Émile Bertin (1934), einem Kreuzer, dessen Entwurf auf den Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg beruhte, und einer hundert Jahre nach der Waldeck-Rousseau gebauten Fregatte, der Provence (2016).

Panzerkreuzer Waldeck-Rousseau, Bayan II und HMS Monmouth (1/700) Panzerkreuzer Waldeck-Rousseau, Leichte Kreuzer HMS Chester und Kiso (1/700) Panzerkreuzer Waldeck-Rousseau, Leichte Kreuzer Émile Bertin und Fregatte Provence (1/700)
Panzerkreuzer Waldeck-Rousseau (1/700)

Quellen

Panzerkreuzer Waldeck-Rousseau (1/700)

Lars