Russischer Zerstörer Grom (1/700, Kombrig) von Lars Scharff Drucken
Samstag, 14. Oktober 2017 um 05:00

 

14.10.1917 - 100 Jahre Unternehmen Albion

 

Russischer Zerstörer Grom (1/700)

Heute vor 100 Jahren, am 14. Oktober 1917, wurde der russische Zerstörer Grom im Kassar-Wiek versenkt (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Die russischen Zerstörer Grom, Popeditel, Sabijaka und Konstatin sowie zwei Kanonenboote hatten im Soëlo-Sund die deutschen Zerstörer der II. Torpedobootflottille (B 98, V 100, G 101 - 104 sowie B 109 - 112) plus einige Zerstörer der 12. Torpedoboothalbflottille angegriffen. Sie wurden aber mit Hilfe des Schlachtschiffs Kaiser zurückgeschlagen, wobei die Grom beschädigt wurde. Daraufhin drangen 13 deutsche Zerstörer - ohne G 101, die aufgelaufen war - in den Kassar Wiek ein. Zu den russischen Zerstörern stießen Nowik und Samson sowie fünf ältere Zerstörer hinzu. Zusammen konnten sie den deutschen Zerstörer G 103 beschädigen, aber nicht verhindern, dass die Grom schwer beschädigt aufgegeben werden musste und sie sich selbst in den Moon-Sund zurückziehen mussten.

Das Original

Der russische Zerstörer Grom (Гром) war eines von acht Schiffen der Orfei (Орфей/Orfey-Klasse). Die Orfei-Klasse war mit der Leitenant Iljin- und Gawriil-Klasse eine von drei Klassen, die basierend auf einem gemeinsamen Entwurf von drei verschiedenen Werften für die Baltische Flotte der Kaiserlich Russischen Marine gebaut wurden. Insgesamt waren 22 Schiffe geplant, von der Orfei-Klasse acht. Der Entwurf beruhte auf der Nowik. Die Zwillingstorpedorohre wurden durch vier Drillingstorpedorohre ersetzt, ursprünglich waren nur zwei 10,2 cm-Geschütze vorgesehen. Aufgrund des Mangels an Kreuzern wurde die Artillerie der Zerstörer verstärkt und statt des achtersten Drillingstorpedorohrs zwei weitere 10,2 cm-Geschütze eingebaut. Die Maschinenanlage fiel kompakter aus, da man im Vergleich zur Nowik auf eine Turbine und zwei Kessel verzichtete. Deshalb konnte auch die Zahl der Schornsteine von vier auf drei reduziert werden. Der Rumpf konnte entsprechend kleiner ausfallen. Aber nach Verstärkung der Geschützbewaffnung müssen die Schiffe sehr beengt gewesen sein. Auch dürfte die kürzere Back und die höhere Toplastigkeit nicht positiv zur Seetüchtigkeit beigetragen haben.

Von der Klasse wurden 1913-16 Orfei (Орфей), Letun (Летун), Pobeditel (Победитель), Sabijaka (Забияка), Grom (Гром), Desna (Десна), Asard (Азард) und Samson (Самсон) gebaut. Der Bau verzögerte sich durch fehlende Lieferung von eigentlich vorgesehen Teilen aus Deutschland. Grom wurde im Ersten Weltkrieg versenkt, Orfei und Letun wurden nach schweren Minentreffern nicht mehr repariert und in den 1920ern abgewrackt. Die anderen fünf Schiffe blieben im Dienst (dann der sowjetischen Marine) und wurden modernisiert. Alle wurden umbenannt: Wolodarski (ex Pobeditel), Urizki (ex Sabijaka), Engels (ex Desna), Sinowjew (ex Asard, nach dem Ausschluss Sinowjews aus der KP durch Stalin 1928 in Artjom umbenannt) und Stalin (ex Samson). Auf Engels wurde 1934 ein rückstoßfreies 30,5 cm-Geschütz getestet. Wolodarski, Engels und Artjom sanken im August 1941 im gleichen Minenfeld, die anderen beiden Schiffe überlebten den Zweiten Weltkrieg und wurden in den 1950ern abgewrackt.

Russischer Zerstörer Grom, hinten B 110 (1/700)

Die Grom war 98,0 m lang, 9,3 m breit und verdrängte voll beladen 1450 t (1260 t normal). Der Antrieb bestand aus vier Kesseln und zwei Dampfturbinen, die zusammen 30.000 PS leisteten, womit 35 kn erreicht wurden. Die Besatzung bestand aus 150 Mann.

Bewaffnung
4 x 10,2 cm L/60
2 x 0,762 cm-Maschinengewehre
9 x 45,7 cm-Torpedorohre (drei Drillingsrohre)
80 Minen

Russischer Zerstörer Grom, hinten Nowik (1/700)

Die Grom wurde 1913-16 in der Ust-Ischora-Werft der Metallfabrik St. Petersburg gebaut. Bei ihrem zweiten Einsatz zusammen mit Nowik und Pobeditel versenkte Grom am 13. Juni 1916 die deutsche U-Bootfalle Schiff H (ex Herrmann) mit einem Torpedo, der Rest des deutschen Konvois konnte aber entkommen. Es folgten weitere Einsätze gegen deutsche Konvois nach Schweden, die aber erfolglos blieben. Ab dem 12. Oktober versuchte sie mit anderen russischen Schiffen die deutsche Landung auf den Baltischen Inseln (Unternehmen Albion) abzuwehren. Am nächsten Tag wurde sie bei einem Angriff auf deutsche Minensucher von dem deutschen Leichten Kreuzer Emden beschädigt. Am 14. Oktober wurde sie bei einem Angriff auf deutsche Zerstörer von dem deutschen Schlachtschiff Kaiser mit einer 30,5 cm-Granate im Maschinenraum getroffen. Die Granate detonierte nicht, bewirkte aber einen Ausfall der Maschinenanlage. In den folgenden Gefechten zwischen deutschen und russischen Zerstörern wurde sie von V 100 weiter beschädigt, geriet in Brand und musste schließlich von der Besatzung aufgegeben werden. Der Zerstörer B 98 versuchte das Schiff zu erbeuten und abzuschleppen, was aber misslang und Grom sank.

Russischer Zerstörer Grom (1/700)

Das Modell

Den russischen Zerstörer Grom im Zustand von 1917 baute ich aus dem Bausatz der Asard von Kombrig (dort "Azard" geschrieben). Für den genauen Bauzustand orientierte ich mich an diversen Fotos sowie der Zeichnung in Боевые корабли Русского флота 8.1914 - 10.1917. Das geschlossene Steuerhaus musste entfernt und durch eine offene Brücke ersetzt werden. Außerdem habe ich den vorderen Drillingstorpedosatz etwas tiefer angebracht. Um die beiden achteren 10,2 cm-Geschütze unterbringen zu können, habe ich die Rohrerhöhung des vorderen etwas erhöht - wie man auf vielen Fotos russischer Zerstörer erkennen kann. Ich konnte auf den Fotos nicht feststellen, ob Grom ein Flakgeschütz erhalten hatte. Manche Schwesterschiffe hatten eines hinter den beiden achteren 10,2 cm-Geschützen. Die im Bausatz enthaltenen Lüfter sind für die Grom etwas zu hoch und mussten gekürzt werden. Die beiden Lüfter neben dem achteren Schornstein konnte ich im Bausatz nicht finden und habe sie durch Teile aus der Restekiste ersetzt. Am Ende der Back hatte die Grom mehrere Streifen aufgebracht (Verstärkungsstreifen?), die ich mit 0,1 mm dicken Metallstäben darstellte. Auch die Masten sind aus Metallstäben gebaut und wurden an die Grom angepasst. Die Davits ersetzte ich durch Fotoätzteile von BJ-Modellbau. Die fotogeätzten Brückenflügelabstützungen und Rettungsringe stammen von NNT. Die Takelung erfolgte mit schwarzem, 20 Denier dickem Faden von Uni Caenis.

Bemalt habe ich die Grom mit 156 (990) Blaugrau Hell für die vertikalen Flächen und 139 (846) Mahagonibraun für die Decks - beides Farben von Vallejo Model Color.

Link ein Vergleich mit dem Prototypen der großen russischen Zerstörer des Ersten Weltkriegs, der Nowik (1913, Kombrig) und einem deutschen Zerstörer, der auf Teilen und Plänen der russischen Zerstörer u.a. der Orfei-Klasse, beruhte, der B 110 (1915, NNT). Rechts mit ein Vergleich mit einem großen Zerstörer aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, der polnischen ORP Grom (1937, Niko Model) und einem Nachkriegszerstörer, der deutschen Bayern (1965, Admiralty Model Works).

Zerstörer Grom, Nowik und B 110 (1/700) Zerstörer Grom, ORP Grom und Bayern (1/700)
Russischer Zerstörer Grom, hinten B 110 (1/700)

Quellen

  • Orfei-Klasse (Wikipedia)
  • Гром (эсминец) (Wikipedia)
  • Schwarze Gesellen. Zerstörer bis 1914 von Harald Fock, Herford, 1981
  • Z-vor! Internationale Entwicklung und Kriegseinsätze von Zerstörern und Torpedobooten 1914 bis 1939 von Harald Fock, Herford, 1989
  • Боевые корабли Русского флота 8.1914 - 10.1917 von Ю.В. Апальков, Sankt Petersburg, 1996
  • The Russian Fleet 1914-1917 von René Greger, London, 1972
  • Conway's All the World's Fighting Ships 1906-1921 von Robert Gardiner, London, 1992
Russischer Zerstörer Grom (1/700)

Lars