Italienische Fregatte MMI Libeccio (1/700, Delphis) von Lars Scharff Drucken
Sonntag, 31. Januar 2016 um 06:00

 

31.01.1991 - 25 Jahre Zweiter Golfkrieg (Desert Storm)

 

Italienische Fregatte MMI Libeccio (F 572) (1/700)

Heute vor 25 Jahren, am 31. Januar 1991, beendete die italienische Fregatte MMI Libeccio ihren viermonatigen Einsatz im Persischen Golf (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Die Libeccio war ab dem 2. September 1990 Teil der Operazione Golfo 2. Sie diente erst dazu das Embargo gegen den Irak nach dessen Besetzung Kuwaits durchzusetzen. Auch nach Beginn des Zweiten Golfkriegs blockierte sie den Seeverkehr des Iraks - einem Einsatz, an dem damals 13 Marinen beteiligt waren. Die italienische Marine setzte im Golf im Rahmen von Operazione Golfo 2 neben der Libeccio den Lenkwaffenzerstörer Audace, die Fregatten Orsa, Zeffiro, Lupo und Sagittario, das Landungsschiff San Marco und die Versorger Stromboli und Vesuvio ein.

Das Original

Die italienische Fregatte MMI Libeccio (F 572) ist eines von acht Schiffen der Maestrale-Klasse. Diese Fregatten waren als Geleit- und U-Jagd-Schiffen entworfen und wurden aus der kleineren Lupo-Klasse entwickelt. Die Lupo-Klasse war ein erfolgreicher Entwurf, von dem vier Schiffe für die italienische Marine, vier für die peruanische, sechs für die venezolanische Marine und vier für die irakische Marine gebaut wurden. Die letzteren wurden später von der italienischen Marine übernommen. Die Maestrale-Klasse war ähnlich, aber größer, um die Seetüchtigkeit zu verbessern und einen größeren Hangar für zwei Hubschrauber unterbringen zu können. Um für den Hangar Platz zu erhalten, wurde der Albatros-Flugabwehrstarter und dessen Magazin vom achteren Aufbau vor die Brücke verlegt. Auch die beiden 4 cm-Zwillingsgeschütze für die Nahbereichsabwehr mussten dem größeren Hangar weichen und wurden neben der Brücke aufgestellt. Als Folge gab es nur noch Platz für vier statt acht Otomat-Antischiffsraketen-Starter. Zusätzlich erhielt die Maestrale-Klasse aber am Heck Torpedorohre für schwere Torpedos, so dass sie mit diesen und dem zweiten Hubschrauber eine deutlich verstärkte U-Jagd-Bewaffnung verfügt. Sowohl die schweren Torpedos als auch die Hubschrauber (mit Antischiffsraketen) können auch gegen Schiffe eingesetzt werden.

Von der Klasse wurden 1978-1985 acht Schiffe gebaut: Maestrale (F 570), Grecale (F 571), Libeccio (F 572), Scirocco (F 573), Aliseo (F 574), Euro (F 575), Espero (F 576) und Zeffiro (F 577). Vier der Schiffe wurden zwischen 2007 und 2010 modernisiert: Grecale, Libeccio, Scirocco und Zeffiro. Sie erhielten neue Radarantennen (RAN-21S und SPN-753 statt SPS-774 und SPN-703). Die nicht-modernisierten Schiffe werden aktuell durch die Carlo Bergamini-(FREMM)-Klasse ersetzt. Die Maestrale wurde als erstes Schiff im Dezember 2015 außer Dienst gestellt.

Italienische Fregatte MMI Libeccio (F 572) und USS Reuben James

Die Libeccio ist 122,7 m lang, 12,9 m breit und verdrängt voll beladen 3040 t. Der Antrieb besteht aus zwei insgesamt 11.000 PS starken Diesel für die Marschfahrt und zwei insgesamt 50.000 PS starken Gasturbinen für die Höchstgeschwindigkeit von 32 kn. Die Besatzung setzt sich aus 232 Mitgliedern zusammen.

Bewaffnung
1 x 12,7 L/54 Compatto OTO Melara-Geschütz
4 x 4 cm L/70 Dardo OTO Melara-Nahbereichsabwehrgeschütze (zwei Zwillingstürme)
4 Otomat-Antischiffs-Raketenstarter
1 Achtfach-Albatros-Flugabwehrraketenstarter (24 Aspide-Flugabwehrraketen)
2 x 53,3 cm-Torpedorohre (für WASS A-184- drahtgelenkte Torpedos)
6 x 32,4 cm-Torpedorohre (für Mk 46-Torpedos)
2 Agusta Bell AB-212 ASW-Bordhubschrauber

Italienische Fregatte MMI Libeccio (F 572) und HMS Brilliant

Die Libeccio wurde 1979-83 von CNR in Riva Tregoso gebaut. Nach dem Beschuss der italienischen Insel Lampedusa durch libysche Scud-Raketen im April 1986 war die Libeccio zusammen mit dem Kreuzer Andrea Doria, den Zerstörern Audace und Intrepido, der Fregatte Lupo und dem Versorger Stromboli Teil der Operazione Girasole, einer italienische Machtdemonstration gegen Libyen in der Straße von Sizilien.1987-88 war sie im Persischen Golf im Rahmen der Operazione Golfo 1 während des Ersten Golfkriegs (Iran-Irak-Krieg) zur Sicherung von Handelsschiffen im sogenannten Tankerkrieg im Einsatz. Es folgte 1990-91 der Einsatz im Rahmen der Operazione Golfo 2, der Durchsetzung des Embargos gegen den Irak vor und während des Zweiten Golfkriegs. 1994 und 1996 diente sie zur Durchsetzung des Embargos gegen Jugoslawien (Operation Sharp Guard), 1995 diente sie vor Somalia. 1999 war sie während des Kosovokriegs (Operation Allied Force) im Einsatz. 2004/05 war sie an Operation Enduring Freedom (Afghanistankrieg ) beteiligt. Auch 2009, 2010 und 2013/14 diente sie im Indischen Ozean zur Sicherung von Handelsschiffen gegen Piraten. 2011 war sie während des Libyenkriegs Teil der Operation Unified Protector. Aktuell ist Libeccio Teil der Standing NATO Maritime Group 2 (SNMG2) im Mittelmeer.

Italienische Fregatte MMI Libeccio (F 572) (1/700)

Das Modell

Mein Modell der italienischen Fregatte Libeccio soll den Zustand von 1991 darstellen. Das Modell ist aus dem Bausatz MMI Fregata classe Maestrale von Delphis gebaut. Der Zusammenbau war weitgehend problemlos. Die Ausnahme war das Ende des Hubschrauberdecks. Hier war einiges an Spachtel- und Schleifarbeit notwendig.

Für die Detaillierung benutzte ich den Fotoätzteilsatz von Regia Marina für die Lupo- und Maestrale-Klasse (A.F.056). Bei den Fotoätzteilen war leider nicht die Antenne für den SPS-774-Radar dabei. Für diese passte ich die SPS-40-Antenne von Lion-Roar an, in dem ich den oberen Teil wegschnitt. Bei dem Schraubenschutz verwendete ich die Resinteile aus dem Bausatz, da dieser beim Original deutlich dicker wirkt, als durch die Fotoätzteile dargestellt. Das Rohr des 12,7 cm-Geschützes wurden durch ein gedrehtes Messingrohr von Orange Hobby ersetzt. Bei den 4 cm-Zwillingen musste ich die Rohre durch Metallstäbe darstellen, da die Resinrohre abgebrochen waren. Die 32,4 cm-Torpedorohre baute ich aus Plastikstäben neu, da die Teile aus dem Bausatz viel zu dick waren.

Bemalt habe ich die Libeccio mit Farben von Vallejo Model Colour. Der Rumpf und alle vertikalen Flächen sind mit 153 Hellblaugrau, die Decks mit 160 Neutralgrau und die Masten mit 167 Anthrazit bemalt. Die Agusta-Bell AB 212ASW ist mit 161 Londongrau, 27 Blutorange und 167 Anthrazit gestrichen.

Hier noch ein Größenvergleich mit zwei etwa gleichaltrigen Fregatten, HMS Brilliant von 1981 (Typ 22, WEM) und USS Reuben James von 1986 (Oliver Hazard Perry-Klasse, Revell):

Fregatten USS Reuben James, HMS Brilliant, MMI Libeccio

... und mit je einem Schiff aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg: dem Geschützten Kreuzer SMS Nürnberg von 1908 (Königsberg-Klasse, Blue Ridge Models) und dem Zerstörer USS Ellet von 1939 (Benham-Klasse, Midship Models).

Fregatte MMI Libeccio, Zerstörer USS Ellet und Geschützter Kreuzer SMS Nürnberg

Hier noch ein Vergleich mit einer Fregatte der Carlo Bergamini-Klasse, die die Maestrale-Klasse ersetzen soll, der Carlo Margottini von 2014 (Gwylan Models):

Italienische Fregatten MMI Carlo Margottini und MMI Libeccio

Zuletzt ein Gruppenfoto von allen kleineren Fregatten aus der Zeit des Kalten Kriegs und heute, die aktuell in meiner Sammlung sind:

Gruppenfoto Fregatten Storoschewoi, USS Pharris, HMS Brilliant, MMI Libeccio, USS Reuben James, Kang Ding, Surcouf, RSS Tenacious, USS Freedom und Yulin.
Gruppenfoto Fregatten Storoschewoi, USS Pharris, HMS Brilliant, MMI Libeccio, USS Reuben James, Kang Ding, Surcouf, RSS Tenacious, USS Freedom und Yulin.

Von links: Storoschewoi, USS Pharris, HMS Brilliant, MMI Libeccio, USS Reuben James, Kang Ding, Surcouf, RSS Tenacious, USS Freedom und Yulin.

Italienische Fregatte MMI Libeccio (F 572) und Storoschewoi

Quellen

Italienische Fregatte MMI Libeccio (F 572) und USS Pharris

Lars