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Landungsschiff USS Saipan (LHA-2) in 1/350 - Teil 4 Drucken
Montag, 09. Oktober 2006 um 11:28
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Die kompakte Inselstruktur auf Flugzeugträgern gehört für mich zu den faszinierendsten Komponenten auf diesen Schiffen. Auf kleinster Fläche sind die Räume für Schiffs- und Verbandsführung untergebracht und zusätzlich trägt dieses vergleichsweise kleine Areal auch noch sämtliche Elektronik und Sensoren für Navigation, Feuerleitung und Kommunikation.
Die Inseln auf den Landungsschiffen der Tarawa- und der Wasp-Klasse sind deutlich größer als die auf den Angriffsträgern der US Navy. Ursache ist, dass in der Insel Räume untergebracht sind, die auf den großen Flottenträgern unter Deck sind. Denn die „Tarawas“ sind eben keine reinen Flugzeugträger, sie müssen in ihrem Rumpf auch rund 1200 Marines und deren Ausrüstung beherbergen. Deshalb sind Stabs- und Funktionsräume sowie Wartungsmöglichkeiten für die Decksfahrzeuge in der Insel untergebracht.
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Den Grundaufbau der Insel auf meiner USS „Saipan“ im Massstab 1:350 habe ich bereits im zweiten Teil geschildert. Jetzt geht es an die Verfeinerungen, also vor allem die Masten einschließlich Elektronik. Los geht es mit dem achteren Mast, der bis Mitte der 90er Jahre eine sehr prominente flache Kommunikationsantenne an der Spitze trug. Lediglich die Führungsschiffe „Mount Whitney“ und „Blue Ridge“ fuhren auch diese Antenne. Der achtere Mast ist im Grunde eine rechteckige Struktur mit drei ebenfalls rechteckigen Elektronik-Plattformen sowie einem vorgesetzten kräftigen Pfahlmast. Ich entschied mich, die vier tragenden Pfeiler des Rechtecks zuerst zu setzen. Drei sind 1,2 mm Styrene-Rundstäbe. Der vierte Pfeiler, von achtern gesehen vorn backbord, ist – wie im Original – ein Winkelprofil. Darin laufen offensichtlich die Versorgungsleitungen für die Geräte auf dem Mast. Nachdem die vier Pfeiler aufgeklebt und ausgerichtet waren, wurden die Plattformen aus 0,75 mm Styrene-Platte geschnitten und von unten mit Unterzügen aus 0,5 mm Vierkantprofil versehen. Ich leime die Unterzüge immer so auf, dass sie nach beiden Seiten ein wenig überstehen. Das erspart die umständliche Abmesserei eines jeden einzelnen Unterzugs und garantiert nach dem Abschneiden der Überstände eine saubere Abschlusskante. Der Verschnitt hält sich in Grenzen.ta04
Die Plattformen bekamen dann mit der Schlüsselfeile die notwendigen Aussparungen für die Trägerpfeiler und wurden zwischen die Pfeiler gesetzt. Anschließend klebte ich eine saubere Umrandung aus 0,25 mm Sheet. Es folgten die Quer- und Diagonalstreben zwischen den Plattformen. Sie sind aus 0,75mm Rundstab geschnitten. Jede Strebe wurde einzeln angepasst. Das ist viel Fummelarbeit, doch das Ergebnis lohnt die Mühe.ta05
Vergleichsweise einfach ist dagegen die Montage des Pfahlmasts. Dazu wurde einfach ein Stück Gussast von einem Bausatz in die passende Form geschliffen und auf einen Winkel aus zwei 2x3mm Vierkantprofilen geklebt. Die ganze Konstruktion wird dann vor die bisher aufgebaute Mastkonstruktion gesetzt. Und schon sind wir eine Etage höher.ta06
Recherchen und Messungen in der Planungsphase dieses Projekts hatten als ein Ergebnis, dass die Fotoätzplatine für die Tamiya-Enterprise von White Ensign ein sehr gutes Beutestück für diesen Scratchbau ist. Sie liefert nicht nur die notwendigen Relings- und Ausrüstungsteile, sondern auch die höheren Mastplattformen. Sie müssen nur ein wenig umgearbeitet werden. Also wurde die Platine bestellt. Ein paar Schnitte mit einer scharfen Schere und dem Messer erbrachten dann auch die obere Kreuzplattform für den achteren Mast. Schön – mit perforierten Laufgängen. Die Plattform wurde von unten mit 0,2 mm Stahldrahr verstrebt und erhielt die vorgesehene Reling. Die SPS-10 Navigationsantenne stammt ebenfalls von der Enterprise-Platine. Die SPS-52B 3D-Luftraumüberwachungsantenne ist ursprünglich die für die Enterprise vorgesehene SPS-48. Die Antenne wurde verkleinert und in Form geschnitten.
Blieb noch der große Hingucker auf dem Hauptmast: die prominente Kommunikationsantenne.
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Ursprünglich hatte ich vor, mir diese Antenne ätzen zu lassen. Doch in 1:350 würde der dreidimensionale Effekt fehlen. Also: bauen! Als zentrale Achse dient ein 0,5 mm Vierkantprofil, auf das Querstreben 0,5x0,25 mm aufgesetzt wurden. Anschließend bog ich feinen Strahldraht – eine alte Gitarrensaite – als Umrandung in Form, die dann mit Sekundenkleber vorsichtig von außen aufgesetzt wurde. Es ging viel einfacher als ursprünglich gedacht und der Effekt ist viel besser als bei einem Fotoätzteil.ta09
Weiter geht es mit dem Vormast. Der Aufbau läuft ähnlich wie der des Hauptmasts, mit dem Unterschied, dass ich die Konstruktion diesmal nicht auf der Insel aufbaute, sondern separat. Zwei Winkelprofile sowie die beiden Plattformen bilden die Grundstruktur. Die Plattformen bekamen wieder Unterzüge und eine Rahmen, wie bereits oben beim Hauptmast beschrieben. Zuerst wurde die Struktur bis zur zweiten Plattform aufgebaut, einschließlich aller Verstrebungen, die aus 0,75 mm und 0,5 mm Rundprofilen geschnitten wurden. In einem zweiten Arbeitsgang wurde der Aufbau oberhalb der oberen Plattform gebaut. Dabei werden zuerst immer die vier tragenden Pfosten gesetzt, die dann mit den Querverstrebungen ausgesteift werden. Dann folgen die Diagonalen. Die sollten erst dann gesetzt werden, wenn die Grundkonstruktion ausgehärtet ist. Dann verzieht sich die Konstruktion auch nicht.ta010
Die SPS-40 Antenne auf der unteren Plattform stammt aus der Fotoätz-Grabbelkiste. Die oberste Kreuzplattform ist wieder von der Enterprise-Platine, ebenso wie die Reling und die Wetterfähnchen. Das Feuerleitgerät auf der zweiten Plattform wie auch das Radom darüber stammen aus einem alten Dragon Bausatz der Spruance-Klasse. Tarawa- wie Spruance-Klasse wurden auf derselben Werften gebaut – bei Ingalls – und hatten um 1990 die gleiche Feuerleitanlage, wie auch die gleiche Tacan-Antenne auf dem Vormast.ta011
Als nächster Schritt wurden die ECM-Plattformen an den Seiten der Insel gebaut. Diese Arbeit war fummeliger als ursprünglich gedacht. Zunächst baute ich die untere Plattform mit Reling und vorderen Stützen. Die wurde erst einmal an der Inselwand montiert. Anschließend wurden die hinteren Stützen auf Länge gebracht und genau justiert auf dem Dach der Insel montiert. Wie immer sind es die Diagonalverstrebungen, die der ganzen Sache Halt geben. Bei dieser Baustufe war viel testen und probieren angesagt – die Flucherei unterschlage ich besser. Die Stützen sind wieder aus 0,5 mm Rundprofil geschnitten. Die Plattform ist 0,75 mm stark und erhielt wieder eine Umrandung aus 0,25 mm starker Platte. Den Abschluss bilden zwei Relingstückchen und eine kleine Leiter. Die ECM-Anlage stammt wieder aus der Grabbelkiste. Insgesamt 20 Teile pro Plattform.ta012
Bleibt noch die Funkantenne zwischen den beiden Masten. Zwei fotogeätzte Antennen-Sterne, die von meiner „Long Beach“ übrig geblieben waren, wurden mit 0,2 mm starken Messingstäben verlängert. Durch die Zentren zog ich jeweils ein Stück 0,3 mm Stahldraht. Anschließend wurden die Sterne durch zwei Stücke 1,5 mm Plastikrohr verbunden und die fotogeätzte Leiter wurde montiert. Aus sehr fein gezogenen Gussästen schnitt ich dann die Antennenverstrebungen.ta013
Die restliche Arbeiten beschränkten sich auf die Montage von fotogeätzten Leitern, Türen und einigen kleineren Plattformen sowie einer Phalanx-Anlage aus Resin von White Ensign auf der dafür vorgesehen Plattform vor der Insel.
Alles an allem hat die Detaillierung der Insel vier Monate in Anspruch genommen. Es ist eben viel Fummelarbeit, die nur mit größeren Pausen zu bewältigen ist – jedenfalls für mich.
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Der Bau geht weiter......
Frank Ilse