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Kombrig: Russischer Panzerkreuzer Ryurik II (1/700) Drucken
Mittwoch, 29. März 2006 um 20:12

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Modell: Ryurik II
Hersteller: Kombrig
Maßstab: 1/700
Art. Nr.: 70213
Material: Resin
Preis: 32,3 €

Original

Die in Großbritannien gebaute russische Ryurik II – der erste Panzerkreuzers dieses Namens wurde 1904 versenkt – gehört zu den besten Panzerkreuzern, die je gebaut wurden. Allerdings wurde sie nur kurz vor dem ersten Schlachtkreuzer – HMS Invincible – fertig gestellt und war damit praktisch bei Fertigstellung bereits veraltet. Die Hauptartillerie bestand hier wie bei zeitgenössischen britischen Panzerkreuzern aus zwei verschiedenen Kalibern, war aber komplett in gut gepanzerten Türmen untergebracht. Dazu kam eine mittlere Artillerie aus 12 cm Geschützen, die in Kasematten auf dem Oberdeck und am Heck untergebracht waren. Diese Batterie war auch zur Torpedobootabwehr vorgesehen, weshalb auch auf die übliche große Anzahl leichter Geschütze fast vollständig verzichtet wurde. Dies war ein deutlicher Vorteil im Vergleich zu zeitgenössischen britischen Panzerkreuzern, die nur über die schwere Artillerie und sehr leichte und damit wirkungslose Torpedoabwehrgeschütze verfügten. Die Panzerung der Ryurik war im Vergleich zu zeitgenössischen Panzerkreuzern ebenfalls gut.

Ryurik II war 161,24 m lang und 22,86 m breit. Bei einer Verdrängung von 16933 bis 17670 ts (je nach Quelle) hatte sie einen Tiefgang von 8,74 m. Bei Probefahrten erreichte sie bei 20675 PS eine Dauergeschwindigkeit von 21,58 kn.

Bewaffnung 1907
4 x 25,6 cm L/50 (zwei Zwillingstürme)
8 x 20,3 cm L/50 (vier Zwillingstürme)
20 x 12 cm L/50
4 x 4,7 cm
8 x 7,62 mm MGs
2 x 45,7 cm Torpedorohre

Ryurik II wurde von 1905-1907 bei Vickers in Barrow gebaut, aber nach einer Maschinenhaverie bei den Probefahrten und Problemen bei den Türmen erst 1909 in Dienst gestellt. Im Ersten Weltkrieg wurde sie meist als Flaggschiff der russischen Kreuzer eingesetzt, blieb aber trotz der Überlegenheit im Vergleich zu den deutschen Schiffen der Ostseeflotte erfolglos. Im Gegenteil wurde Ryurik II mehrfach schwer beschädigt. Am 13.2.1915 lief sie bei Färo auf Grund, am 2.7.1915 wurde sie von dem deutschen Panzerkreuzer Roon im Gefecht vor Östergarn beschädigt und am 19.11.1916 lief sie auf eine von dem deutschen U-Boot UC 27 gelegten Mine. Im Oktober 1918 wurde Ryurik II außer Dienst gestellt und in Kronstadt aufgelegt. 1924 wurde sie schließlich abgewrackt.

Bausatz

Kombrig stellt die Ryurik II etwa zwischen 1910 und 1916 dar, erkennbar am anfangs nicht vorhandenen Fockmast und den fehlenden zwei 4,7 cm-Geschützen und der fehlenden 4 cm Flak, welche ab 1916 installiert wurde. 1917 erhielt sie dann einen Dreibein-Fockmast. Dieser Kombrig-Bausatz gehört zu den frühen Produkten dieses Herstellers und kommt nicht an die Qualität der neuen Kombrig-Bausätze heran.

Der Rumpf ist von den Abmessungen und der Form korrekt wiedergegeben. Das Fehlen von Planken auf dem Großteil des Decks ist übrigens ebenfalls richtig: Ryurik II hatte abgesehen vom Bug einen Decksbelag aus Linoleum (Korrektur: diese Angabe ist wohl nur für das Werftmodell korrekt, nicht für das fertige Schiff, was überwiegend beplankte Decks hatte, siehe den neuen Bausatz). Allerdings finden sich bei meinem Exemplar diverse große Luftblasen, ein großer Anguss an der Rumpfseite und auch an der Wasserlinie dürfte viel Nacharbeit anfallen. Die angegossenen Wellenbrecher und Bootsständer sind viel zu dick. Die Oberfläche scheint dazu an den Rumpfseiten leicht wellig zu sein und die Gravuren für die 12 cm Kassematten sind nicht sehr sorgfältig ausgeführt. Dazu kommt noch, dass das Deck im Querschnitt gesehen zur Mitte hin abfällt. Entweder gab es hier ein Problem mit dem Urmodell oder der Rumpf ist beim Gießen eingesackt. An der Wasserlinie ist der Rumpf dagegen perfekt eben.

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Die Aufbauten der Ryurik II waren nicht sehr umfangreich. Die Relings des Brückendecks und der Galerie achtern sind ebenfalls zu dick. Allerdings waren beim Original hier keine festen, sondern offene Relings vorhanden. Die Relings muss man also auf jeden Fall abschleifen. Die Ausleger der achten Kommandoposition müssen ergänzt werden. Teile der Masten und die Steigrohre könnte man durch Drahtmaterial ersetzen.

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Die Boote sind gut reproduziert. Für die Positionierung muss man berücksichtigen, dass die Zeichnung in der Anleitung für viele Boote zwei Positionen zeigt: einmal mittschiffs gelagert und einmal an den Davits.

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Bei der Bewaffnung finden sich erneut eingegossen Luftblasen, z.B. bei den Rohren. Die 12 cm-Rohre der Kassematgeschütze fehlen genauso wie die vier 4,7 cm-Geschütze, die auf den 20,3 cm-Zwillingstürmen standen.

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Anleitung

Die Anleitung besteht auf einem Profil, einer Decksaufsicht, einer englischen und russischen Beschreibung des Lebenslaufs, einer englischen und russischen Bemalungsanleitung, einer Teileübersicht sowie einer Explosionszeichnung. Wegen der wenigen Teile sollte diese einfache Anleitung eigentlich nur bei der Positionierung der Boote Probleme machen.

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Quellen

  • Bojewije Korabjii Russkogo Flota 8.1914-10.1917, BKM-Serie 1, I. W. Apajakow, St. Petersburg, 1996
  • Die russischen Kriegsschiffe 1856-1917, Band II Fregatten, Panzerkreuzer, Korvetten, Geschützte Kreuzer von Bernhard Gomm, Wiesbaden, 1991
  • Conway’s All the World Fighting Ships 1860-1905 von Roger Gardiner (Herausgeber), London, 1979
  • navsource.narod.ru

Fazit

Kombrig stellt hier ein interessantes Schiff dar. Aber leider erreicht dieser Bausatz nicht die Qualität neuerer Bausätze. Insbesondere die Darstellung der 12 cm-Kassematgeschütze erfordert Eigeninitiative. Der Umfang der ansonsten notwendigen Korrekturen ist aber gering, so dass es trotz allem möglich sein sollte, ein gutes Modell der Ryurik II zu bauen. Der Bausatz ist wegen der Gußqualität

EINGESCHRÄNKT EMPFEHLENSWERT

von Lars