Modellsuche

Suchen


Baubericht "HMS Onslow" Tamiya 1/700 - Teil 3 Drucken
Montag, 06. März 2006 um 01:51
Zum Abschluß des Berichtes geht es um die Herstellung einer Wasseroberfäche und um das künstliche Altern des Modells.
Die Wasseroberfläche besteht aus Polyesterharz. Hierzu habe ich zunächst Aluminiumfolie zerknüllt und in einem Formrahmen ausgebreitet. Darunter liegt eine 1mm dicke Pappschablone mit der Kontur des Schiffsbodens. Dadurch entsteht beim Ausgießen der Form eine Vertiefung, in die das Schiff gelegt wird.
Man muss dabei berücksichtigen, dass das Polyesterharz beim Aushärten um ca. 1% - 2% schrumpft. Aus diesem Grund ist die Pappschablone allseitig 1mm größer als die Rumpfkontur ausgeschnitten worden. In die so vorbereitete Form wird nun eine erste Schicht Harz eingefüllt. Diese Schicht ist grade so dick, dass sie alle Vertiefungen in der Aluminiumfolie auffüllt.
Sie muss sorgfältig mit einem weichen Pinsel verteilt werden, damit alle Lufteinschlüsse in der rauen Alu-Oberfläche entfernt werden.
Die Unterseite diese Schicht wird später die sichtbare Wasseroberfläche sein, und jeder Lufteinschluß würde sich als Loch in der Wasserfläche bemerkbar machen.Wasser01Wasser02Da das Polyesterharz in wenigen Minuten aushärtet, kann sofort eine zweite Charge Harz mit Härter gemischt werden.
Sobald die erste Schicht auf der Aluminiumfolie geliert, kann die zweite Schicht darübergegossen werden.
Beim Vermischen sollte man die beiden Komponenten grundsätzlich nicht wild miteinander verrühren, damit nicht soviel Luft untergemischt wird. Ganz verhindern läßt es sich aber nie. Den größten Teil der Luftblasen kann man aber wieder entfernen, indem man das Gießharz in einem sehr dünnen Strahl in die Form gießtWasser03
Nach dem Aushärten wird die Platte umgedreht, und die Aluminiumfolie wird abgezogen. Die Folie verbindet sich nicht mit der Harzschicht, aber aufgrund der kantigen Oberfläche verzahnt sie sich stellenweise mit der gegossenen Platte und reißt beim Abziehen ein.
Mit einer Pinzette und etwas Geduld kann man aber auch diese kleinen Reststücke leicht entfernen.
Die Oberfläche ist nun ein genaues Abbild der Folienstruktur und die scharfkantigen Flächen werden später für interessante Licht- und Schattenreflexe sorgen.
Dort, wo die Pappschablone eingelegt war, befindet sich jetzt eine gerade Fläche. Genau so groß, dass der Schiffsrumpf hineinpasst.Wasser04Als nächstes wird die Platte weiß grundiert und die Wellen werden modelliert. Ich habe dazu Magic Sculp benutzt, eine 2-Komponenten Modelliermasse. Das Kielwasser entstand aus Tamiyaspachtel. Die aufgewühlte Struktur habe ich mit einer Stecknadel gemacht, mit der ich in der Masse herumgestochert habe. Danach wurde auch die modellierten Wellen weiß grundiert.
Natürlich kann man auch umgekehrt arbeiten, also erst die Wellen modellieren und anschließend alles gemeinsam grundieren. Nach meiner Erfahrung kann man aber die Formgebung der Wellen auf der matt-weißen Oberfläche besser beurteilen als auf der hochglänzenden "nackten" Polyesterplatte. Wasser05Nachdem die Grundierung gründlich getrocknet war, wurde die Wasseroberfläche mit Acrylfarben in Weiß, Blau und Schwarz in verschiedenen Abtönungen bemalt.
Man sollte übrigens nie versuchen, Wellenverläufe und Farbspiele aus dem Gedächnis heraus zu kreieren. Das Internet bietet eine unerschöpfliche Auswahl von Luftaufnahmen, die Schiffe in den verschiedensten Geschwindigkeits- und Wettersituationen zeigen, und die eine wertvolle Hilfe bei der Gestaltung der Wasserfläche sind.
Nach dem Trocknen der Lackschicht wurde das Schiff auf die Platte geklebt. Schmale Spalte zwischen Schiffsrumpf und Wasserfläche wurden nun noch mit Magic-Sculp geschlossen und farblich an die umliegenden Bereiche angepasst, oder - als Fortführung des Unterwasserrumpfes - einfach schwarz bemalt.Wasser06Nun wurde die gesamte Oberfläche mit transparentem Acrylgel eingestrichen. Nach dem Aushärten bildet die Masse einen hochglänzenden, transparenten Film.
Diese Schicht läßt die farbige Fläche kontrastreicher erscheinen und verleiht ihr eine künstliche "Tiefe". Und jetzt verursacht die scharfkantige Struktur der gegossenen Platte sehr realistische Lichtbrechungen.
Als letztes wurden die Schaumkronen und die Gischt noch einmal mit weißer Farbe betont. Wasser07Wasser08Für mich ist ein gutes Diorama wie ein Schnappschuß, eine Momentaufnahme eines dynamischen Vorgangs. Anhand eines Dioramas möchte ich die Story erkennen, die sich hinter der dargestellten Szene verbirgt. Was passierte vorher ? - Was geschieht in diesem Moment ? - Was kommt als nächstes ? Das ist, unabhängig von der Modellqualität, ein sehr wichtiges Kriterium für mich. Und deshalb wirkt in meinen Augen ein Schiff, dass "nur" geradeausfährt immer ein wenig langweilig.
Bei Schiffsmodellen, besonders bei Einzelfahrern auf See, ist es aber nicht leicht eine Aktion zu zeigen, denn die uniforme Wasseroberfläche bietet nur begrenzte Darstellungsmöglichkeiten. Ursprünglich hatte ich geplant, den Zerstörer während einer U-Boot Jagd zu zeigen, aber der Bau realistischer Wasserbombenexplosionen hat mich überfordert.
Ich versuchte deshalb ein aussagekräftiges Fahrmanöver darzustellen und rief ich mir das Gefecht in der Barentsee ins Gedächnis, bei der die HMS Onslow im Kampf gegen den Kreuzer Hipper schwere Schäden davontrug.
Der Zerstörer läuft nach einer Attacke mit hoher Fahrt vom gegnerischen Verband ab, richtet seine schweren Geschütze vor, und geht mit Ruderhartlage wieder auf Parallelkurs um einen neuen Angriff zu beginnen. Soweit meine Planung.
Um diesen Bewegungablauf realistisch einzufangen, durfte das Wellenbild nicht mehr symetrisch sein. Der Winkel der divergierenden Bugwellen wird bei einer Kurve auf der Innenseite stumpfer und auf der Außenseite spitzer. Gleichzeitig kränkt der Rumpf nach außen und drückt auf seiner ganzen Länge eine Wasserfront von sich weg.
Außerdem mußten dazu drei Geschütze noch einmal vom Rumpf getrennt und nach Steuerbord gerichtet werden. Wellen von vornDas weathering des Schiffs wurde erst unmittelbar vor dem Einbau in die Wasserfläche durchgeführt und ist nur Trockenmalerei mit Ölfarben. Ein großes Problem von einheitlich lackierten Körpern ist der Verlust der Räumlichkeit. Bei richtigen Schiffen mag dieser Effekt gewollt sein, bei einem Modell ist er dagegen sehr störend. Aus diesem Grund habe ich als erstes die Kanten der Aufbauten und der Geschützschilde deutlich hervorgehoben und mit einem sehr hellen Grau trocken gemalt. Auf den folgenden Vergleichsbildern erkennt man die Wirkung besonders im Bereich der dunkelgrauen Brückenoberkante deutlich.
Anschließend wurden mit den Farbtönen Umbra und Sienna dezente Roststellen angelegt. Teilbereiche des Rumpfes wurden mit Weiß aufgehellt, um den Eindruck eines verschlissenen Farbauftrags anzudeuten. Dezente Spuren von ablaufendem Wasser habe ich entlang des ganzen Rumpfes (nicht zu viele!) mit Schwarz trocken gemalt.
Dann wurde das Schiff auf die Wasseroberfläche geklebt und die schmale Klebenaht wurde farblich an die Lackierung der Wasseroberfläche angepasst. Danach folgte die oben beschriebene Beschichtung mit dem Acrylgel.
Zu allerletzt wurden noch einige Wasserspritzer entlang des Rumpfes mit Deckweiß aufgetragen. VorherNachher

Ende