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Meng: britisches Schlachtschiff HMS Rodney (1/700) Drucken
Mittwoch, 18. Oktober 2017 um 05:00

Deckelbild Schlachtschiff Rodney

Modell: Royal Navy Battleship H.M.S. Rodney
Hersteller: Meng
Maßstab: 1/700
Material: Polystyrol (Spritzguss), Abziehbilder
Art.Nr.: PS-001
Preis: 40,6 €

Das Original

Die HMS Rodney war eines von zwei Schlachtschiffen der Nelson-Klasse. Die Nelson-Klasse stellte eine Abkehr vom „Speed ist the best Protection“-Grundsatz dar, der vor und im Ersten Weltkrieg zum Bau der Schlachtkreuzer führte. Als Lehre aus der Skagarak-Schlacht 1916, in der vor allem die schnellen Schlachtkreuzer schwere Verluste hinnehmen mussten setzte man nun auf Panzerung und Feuerkraft. Die entsprechenden Planungen der Royal Navy wurden aber durch den Washingtoner Flottenvertrag von 1922 beendet. Eine Modifizierung der Planung wurde erforderlich.

Diese sah im Wesentlichen vor, die schwere Artillerie (drei Türme mit je drei Rohren Kaliber 40,6 cm) auf dem Vordeck anzuordnen, wobei der mittlere Turm überhöht war. Dies bot die Vorteile einer in Fahrtrichtung geballten Feuerkraft und einer Konzentration der Panzerung im vorderen Teil des Schiffes. Die Sekundärbewaffnung bestand aus zwölf in Zwillingstürmen angeordneten 15,2 cm-Geschütze. Zusätzlich zu der Rohrartillerie verfügte die Nelson-Klasse über zwei Torpedorohre, die unter dem Turm A angeordnet wurden. Die HMS Rodney feuerte über diese Rohre Torpedos am 27. Mai 1941 auf die Bismarck ab. Die Flugabwehr wurde im Laufe des Krieges, entsprechend der zunehmenden Bedrohung aus der Luft, ständig erweitert. Letztendlich verfügte die HMS Rodney über sechs Achtfach-Pom-Poms und 61 Einzelgeschützen mit einem Kaliber von 20 mm.

Im Großen und Ganzen wies die Konstruktion der Nelson-Klasse einige Nachteile auf. Die Anordnung der Türme bot z.B. den Nachteil, dass der tieferliegende Turm C nur sehr begrenzt eingesetzt werden konnte. Zudem war die Druckwelle bei Abfeuern der Geschütze so stark, dass das Feuern nach achtern z.T. untersagt werden musste, da in diesem Fall selbst gepanzerte Bullaugen im Brückenbereich zerstört wurden. Die Anordnung der Aufbauten und der Türme wirkten sich zudem auf die Manövrierbarkeit ungünstig aus. Hinzu kommt, dass das Vordeck durch die Druckwellen der Artillerie nur sehr eingeschränkt nutzbar war.

Die HMS Rodney wurde im Dezember 1922 auf Kiel gelegt und lief im Dezember 1925 vom Stapel. Die Indienststellung erfolgte zwei Jahre später im Jahr 1927. Von 1927 bis zum Kriegsausbruch diente die HMS Rodney in der Home Fleet bzw. der Atlantikflotte. Am 15. und 16. September 1931 beteiligte sich die Besatzung der HMS Rodney an der Invergordon-Meuterei. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie u.a. 1940 in der Schlacht um Norwegen und 1941 bei der Versenkung der Bismarck eingesetzt. Dazu unterstützte sie die Landungen in Nordafrika, auf Sizilien, bei Salerno und in der Normandie. 1946 wurde sie außer Dienst gestellt und 1948 abgewrackt.

Der Bausatz

Jahrzehntelang war das Modell der HMS Rodney von Tamiya „state of the art“ (siehe Besprechung des Bauatzes des Schwesterschiffs HMS Nelson). Und meines Wissens ist dieses im Jahr 1974 erschienenes Modell das einzige Modell der HMS Rodney in diesem Maßstab. Also war es doch eigentlich höchste Zeit, nach 43 Jahren ein neues Modell herauszubringen. Und dass sich die Firma Meng, die für hochwertige Modelle im Maßstab 1/35 bekannt ist, sich dieses Schiffes annimmt verspricht ein qualitativ hochwertiges Modell. Zeit also, den alten König vom Thron zu stoßen. Oder etwa nicht?

Das erste Mal Gelegenheit in den Karton zu schauen hatte ich Anfang des Jahres in Kopenhagen. Stoppel-Hobby hatte dieses mir bis dahin unbekannte Modell im Regal und ich bat darum, in den Karton schauen zu dürfen. Allerdings blieb das schon gezückte Portemonnaie in der Tasche. Mein erster Eindruck war, dass es sich um einen Einsteigerbausatz für Modellbauanfänger handelt. Farbig bedruckte Bauteile, die durch grobe Steckverbindungen zusammengesetzt werden sollten. Ich schloss den Karton und gab meine Kronen anderweitig aus.

Und nun liegt der Bausatz wieder vor mir und ich kann mir einen besseren, detaillierten Eindruck verschaffen. Was finden wir im Karton?

Zunächst einmal fiel mir ein beidseitig bedrucktes Faltblatt in die Finger. Auf diesem, durchgehend in schwarz-weiß gehaltenen, Blatt findet sich die Geschichte der HMS Rodney, des Namensgebers, der Admiräle Cunningham und Torvey jeweils dreisprachig. Zudem befindet sich hier die in sehr dunklen Grautönen gehaltene Lackieranleitung. Die Farbangaben beziehen sich auf die Farbpalette von AK-Interaktiv. So unsinnig sich eine farblose Farbdarstellung (Lackieranleitung) anhört ist sie auch. Für eine zutreffende Farbgebung des Schiffes ist das Hinzuziehen externer Referenzen unabdingbar.

Auf einem zweiten Blatt findet sich die Bauanleitung, die in 18 Schritten zum Ziel führt. Die Anleitung ist in den gleichen Grautönen gehalten wie die Lackierungsanleitung. Auf den ersten Blick ist die Anleitung sehr deutlich und lässt keine Fragen offen. In den einzelnen Baustufen sind zum Teil nur sehr wenige Teile zu verbauen, sodass eine Bauzeit von 1-2 Abenden nicht unrealistisch scheint.

Der Rumpf besteht im Wesentlichen aus einem roten Unterwasserschiff, einer schwarzen Wasserliniensektion, einem grauen Überwasserschiff. Ein Modell mit Unterwasserschiff besteht aus allen drei Teilen. Ein Wasserlinienmodell besteht nur aus der schwarzen Wasserliniensektion und dem grauen Überwasserschiff. Die Teile werden untereinander durch zylinderförmige und rechteckige Zapfen verbunden. Eine erste Steckprobe zeigt, dass die Verbindung, wie auf der Schachtel beschrieben, auch ohne Kleber hält. Die Verbindung ist so gut, dass ich mich nicht getraut habe, die Teile endgültig miteinander zu verbinden. Zu groß schien mir die Gefahr, dass ich die Teile nicht wieder unfallfrei auseinander bekomme.

Innerhalb der ersten drei Arbeitsschritte sind der Rumpf, einschließlich der Propeller und des Ruders, und das zweiteilige, beigefarbene Deck zusammengesteckt. Das Deck besteht aus dem Hauptdeck und der Bugsektion. Bei letzterer sind die Ankerspills und die Ankerketten mit angespritzt. Das Deck weist eine feine Plankenstruktur auf.

In den nächsten Schritten sind der Entfernungsmesser (zweifach) und die Brücke zusammenzustecken. Im Brückenturm sind die einzelnen Etagen berücksichtigt worden. Ein Detail, das niemand hinterher sieht. Es folgen zwei Baustufen für die hinteren Aufbauten und den Schornstein. Im Schritt 8 werden die letztgenannten Teile und weitere Aufbauten zusammengesteckt. Die Baustufe 9 sieht den Einbau von vier der sechs einteiligen 120 mm Geschütze und der Boote vor. Die Boote sind, bis auf die zweiteiligen Dampfpinassen, einteilig und in einem Stück mit den Bootswiegen gegossen. In den Schritten 10 und 11 werden weitere Teile der Aufbauten und sowie die Kräne am Bug und die Anker verbaut. Die nächsten beiden Arbeitsschritte befassen sich mit den drei Drillingstürmen der Hauptartillerie. In der Baustufe 14 werden die sechs Zwillingstürme der Mittelartillerie verbaut. Hier fällt auf, dass die Rohre extrem filigran sind und, zumindest bei meinem Modell, etwas verbogen waren. Die folgenden beiden Schritte befassen sich mit den Masten und u.a. dem Einbau der letzten beiden 120 mm-Geschütze. Mit den finalen Baustufen 17 (Einbau der Masten) und 18 (Schiff auf den Ständer legen und das Decal des Schiffsnamens auf den Ständer) ist das Abenteuer HMS Rodney fast beendet.

Es fehlt nur noch die Flagge. Diese findet sich zwar auch auf dem Decalsatz, der Union Jack auf dem White Ensign ist aber ziemlich verdruckt und zumindest für meinen Geschmack unbrauchbar.

Ätzteile sucht man hier vergebens und dies würde auch der Idee eines reinen Steckmodells widersprechen.

Fazit für den ambitionierten Modellbauer:

Die Linien der HMS Rodney geben das Original gut wieder. Es fehlen aber alle feineren Details, wie z.B. die komplette Flak-Bewaffnung. Ein Zeitraum für die Darstellung kann somit meines Erachtens nicht benannt werden. Um aus dieser Vorlage ein wirklich gutes Modell zu machen, bedarf es eines erheblichen Aufwands. Einen Aufwand, den ich mir ersparen werde. Ich versuche mich lieber am alten Tamiya-Bausatz unter Zuhilfenahme von Ätzteilen und eines Holzdecks. Es ist sehr bedauerlich, dass Meng die Chance ungenutzt lies, einen würdigen Nachfolger für den alten Tamiya-Bausatz herauszubringen.

alt brauchbar

Fazit für den Einsteiger:

Stellen wir uns mal vor, dass wir ein eher unerfahrene Modellbauer oder ein Modellbaueinsteiger sind. An das Verbauen von Ätzteilen und korrektes Takeln wagen wir nicht einmal zu denken. Aber trotzdem möchten wir das Modell eines Schlachtschiffes wie der HMS Rodney bauen, in die Vitrine stellen und bewundern. Hier ist dieses Modell genau die richtige Wahl. Klug aufgebaut, mit schönen Details und letztendlich wirklich beeindruckend. Nur mit der verdruckten Flagge hätte sich Meng etwas mehr Mühe geben können. Letztendlich hat Meng eine Tür für Modellbaueinsteiger aufgestoßen, die sich heute an diesem Modell erfreuen und morgen vielleicht etwas Komplizierteres bauen. Allerdings finde ich den Preis von gut 40 € zu hoch.

alt empfehlenswert


Jens Bartels

Wir danken Glow2B für das Bausatzmuster