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Lenkwaffenzerstörer USS Arleigh Burke (1/350, Trumpeter) von Ingmar Stöhr Drucken
Montag, 19. September 2016 um 05:00

Das Original und Bausatz

Der Lenkwaffenzerstörer USS Arleigh Burke (DDG-51) ist das Typschiff der Arleigh Burke-Klasse und wurde 1991 in Dienst gestellt. Es gibt verschiedene Modernisierungsstände. Die ersten 28 Schiffe (Flight I und Flight II) haben zwar ein Flugdeck, aber keinen Hangar. Das scheint sich nicht besonders bewährt zu haben, weshalb ab „Flight IIA“ ein Hangar für zwei Seahawk-Hubschrauber eingeführt wurde. Da es sich um moderne Schiffe handelt, gibt es sehr viele Referenzfotos. Die allermeisten davon aber leider nach dem Jahr 2000 mit der weiten Verbreitung von Digitalkameras.

Der Bausatz von Trumpeter (04523) zeigt den Zerstörer jedoch mit einer Mischung verschiedener früher Baustände (vor 2000). Daher ist das frei verfügbare Referenzmaterial leider knapp. Spezielle Literatur stand mir nicht zur Verfügung, weswegen ich mich hauptsächlich auf die Google-Bildersuche, Wikipedia und natürlich NavSource.org stützen musste. Im Bausatz sind zwar ein paar Ätzteile enthalten (Relings und Leitern), diese sind jedoch recht grob und die Relings einfach am Stück zum selbst ablängen. Ich habe mir daher noch einen Ätzteilsatz von Tetra Model Works (35007) gegönnt. Die Ätzteile sind sehr fein, lassen sich super verarbeiten und passen. Da der Satz sowohl für DDG-51 (früher Bauzustand) als auch für USS Cole DDG-67 und USS Hopper DDG-70 (späterer Bauzustand) vorgesehen ist, muss man etwas aufpassen. So gut die Ätzteile selbst sind, so schlecht ist leider die Anleitung. Es wird nicht immer klar, was wohin muss und es fehlen doch bei einigen Teilen die passenden Nummern. Man findet sich zurecht, aber es ist nicht immer Spaß.

Der Zerstörer sollte benutzt und interessant aussehen, aber nicht zu stark gealtert, obwohl es Fotos aus den Einsätzen gibt, auf denen die Schiffe schlimmer aussehen als der letzte Seelenverkäufer. Bei einem Bauzustand kurz nach Indienststellung gehe ich jedoch mal von einem ordentlichen Aussehen aus.

Der Rumpf

Ich wollte die Arleigh Burke, wie schon meine Prinz Eugen, auch wieder als Vollrumpfmodell darstellen. Die ersten Arbeitsschritte bestanden also daraus, Über- und Unterwasserschiff zu verkleben und den Sonardom anzubringen. Die Passgenauigkeit ist generell gut. Etwas Schleifarbeit, insbesondere im Bereich des Sonardoms bleibt natürlich nicht aus. Der Sonardom weist eine horizontale Gravur auf, die ich so auf keinem Originalfoto finden konnte. Dementsprechend wurde auch diese verspachtelt. Zur späteren Montage auf einem Ständer wurden in der Schiffsmitte zwei 5 mm-Löcher gebohrt und M4-Muttern von innen eingeklebt.

Was an den beiden Rumpfteilen leider nicht so ganz zusammenpasst, sind die Teile des Prairie-Masker Systems. Diese gehen über beide Rumpfhälften, weisen teilweise etwas Versatz auf und sind beim Schleifen ohnehin im Weg. Daher wurde der untere Teil von mir kurzerhand entfernt und nach dem Spachteln und Schleifen der Rumpfhälften aus Plastiksheet wieder nachgebaut. Soweit so einfach. Aber was wäre die Welt ohne Murphy. Nach Abschluss dieser Arbeit und Gott sei Dank noch vor der Lackierung bemerkte ich, dass das Prairie-Masker-System eigentlich bis unter den Schiffsboden in die Nähe des Kiels reicht. Sonst würde es auch kaum funktionieren können. Also die Leisten erneut entfernen und neue aufbringen, die einmal ganz um den Rumpf reichen. Bei dieser Gelegenheit habe ich auch gleich noch die Schutzleisten ergänzt, die auf Höhe des Wasserpasses das System vor Beschädigung durch Treibgut schützen.

Zwischenzeitlich wurden einige Details von den Decks entfernt. Insbesondere angespritzte Ankerketten und die erhabenen Decksmarkierungen auf Backdeck und Flugdeck. Einige nicht benötigte Löcher und Vertiefungen in den Decks wurden verschlossen. Dann wurden die Decks eingeklebt. Hier passt alles sehr gut. Minimale Spalten habe ich einfach mit Sekundenkleber gefüllt. Bevor es an die Lackierung des Rumpfes gehen konnte, habe ich dann noch den Brückenaufbau aufgesetzt und mit dem Rumpf verschliffen. Hier gibt es im Original einen nahtlosen Übergang. Wie ich dann feststellen musste, ist er mir nicht ganz so nahtlos geglückt…

Lackierung Rumpf und Deck

Vor dem Lackieren kommt… nein, nicht das Abkleben, sondern die Wahl der Farben. Da es sich hier um mein erstes modernes Schiff der US Navy handelt, musste ich erst etwas recherchieren und ausprobieren. Hierzu habe ich mir eine Reihe vermutlich passender Farben aus dem Vallejo-Sortiment bestellt und auf kleine Stücke Plastikplatten gesprüht. Dabei musste ich auch feststellen, dass Model Color (MC)- und Model Air (MA)-Farben unterschiedlich aussehen, obwohl sie auf dieselbe FS-Nummer verweisen. Letztendlich habe ich mich für folgende Farben entschieden:

  • Unterwasserschiff: AK Interactive AK731, Schiffsbodenfarbe III Rot 5
  • Wasserpass: 50/50 Mischung aus AK 735 Black und Vallejo MA71.048 Dark Sea Grey
  • Überwasserschiff und Aufbauten: Vallejo MC 70.990 Light Grey
  • Decks: Vallejo MC 70.868 Dark Seagreen (teilweise deutlich mit Light Grey aufgehellt)

Bei der Auswahl habe ich mich von Vorbildfotos und meinem Geschmack leiten lassen. Mit der Farbwahl bin ich bisher zufrieden. Für mich sieht es so „richtig“ aus.

Beim Abkleben bin ich dieses Mal einen neuen Weg gegangen. Da ich keine Lust hatte, den Wasserpass aufwändig anzuzeichnen, habe ich mich hier an der Trennung zwischen rotem und grauem Kunststoff orientiert. Hier wurde nach oben hin abgeklebt und dann das gesamte Unterwasserschiff grundiert. Dann wurde ein breiter Streifen Wasserpass lackiert. Anhand von Vorbildfotos und den Tiefgangsmarkierungen habe ich mir eine Breite von 4 mm für den Wasserpass zusammengereimt. Aus Tamiya-Tape habe ich mir dann lange, 4 mm breite Streifen geschnitten und diese genau bündig unter das schon vorhandene Maskierband geklebt. Im Bereich des Hecks, wo der Wasserpass dann sehr flach wird, habe ich nach Augenmaß etwas breiter angestückelt. Der Stoß zwischen den Tapes wird dann natürlich nochmal überklebt damit sich hier nichts dazwischenmogelt.

Für das Unterwasserschiff habe ich versucht die Technik von Ulf Lundberg anzuwenden. Das Unterwasserschiff wurde daher mit grünen und schwarzen Flecken versehen, bevor das Rot aufgetragen wurde. Allerdings habe ich es hier wohl etwas zu gut gemeint und das Preshading ist fast vollständig verschwunden. Naja, Übung macht den Meister.

Jetzt wurde das Abdeckband wieder komplett entfernt und mit viel Sorgfalt der Wasserpass zum Unterwasserschiff hin abgeklebt. Dann wurde das Überwasserschiff in MC990 Light Grey lackiert. Hier wurde wolkig mit etwas Weiß aufgehellt, aber sehr zurückhaltend. Nach dem Entfernen des Tapes stellte ich erfreut fest, dass alles perfekt geklappt hatte. Saubere Ränder! Am Sonardom sieht man auf vielen Fotos aus dem Trockendock eine große Gummi(?)-Fläche. Ober- und Unterkante wurden vorsichtig angerissen und die Fläche dann von Hand in derselben Farbe wie der Wasserpass ausgemalt. Damit wäre der Rumpf soweit erst mal fertig.

Lackierung Decks und Markierungen

Die Decals für die großen Markierungen auf dem Vordeck und Flugdeck wollte ich lieber nicht verwenden. Hier hatte ich Angst, dass es doch zu Lufteinschlüssen oder anderen unschönen Farbverfälschungen kommen würde. Eine große Schwachstelle des Bausatzes ist in meinen Augen das Fehlen jeglicher Decals für Gefahrenmarkierungen (rote Linien um Geschütze etc.). Vorbildfotos nach zu urteilen, gab es nicht immer alle Linien und gerade die um die CIWS änderten sich auch in ihrer Form, aber um das Geschütz und die CIWS sind die Markierungen eigentlich immer vorhanden. Diese sind auch nicht Rot-Weiß gestreift, wie in vielen Decals dargestellt. Eigentlich ist es eine rote Linie mit der weißen Aufschrift „Danger Area“. Die Suche nach Decals ergab keine sinnvollen Treffer. Eigene Decals drucken oder drucken lassen – eine Möglichkeit. Aber vorher wollte ich dann doch einfach das Lackieren mit Maske wagen.

Gefahrenmarkierung, Geschütz und vordere VERTREP-Markierung

Anstatt eine rote Linie auf ein dunkles Deck aufzubringen, habe ich hier großflächig weiß grundiert, dann mit Rot lackiert. Anschließend „nur“ die Linie abkleben, das Deck dunkelgrau lackieren, fertig. Zum Abkleben habe ich mit einem Kreisschneider einen Ring der passenden Breite aus einer 1 mm-Plastikplatte geschnitten. Diesen habe ich mit Sekundenkleber auf Abdeckband geklebt (auf die nichtklebende Seite) und dann mit einem Skalpell das Maskierband entlang des Plastiks zugeschnitten. Dieser Ring ließ sich nun gut, und ohne zu sehr zum Osterei zu werden, auf dem Deck anbringen. Nun noch die Bordwände und Aufbauten abkleben und dann das Deck in MC-868 Dark Seagreen lackieren. Hierbei habe ich noch wolkig mit Light Grey aufgehellt. Daumen drücken und Maske abziehen! Hier und da musste eine kleine Ecke mit dem Pinsel nachgearbeitet werden, aber ansonsten ein sehr überzeugendes Ergebnis. Als letzter Schritt wurde dann mit Lupe, ruhiger Hand und feinem Pinsel der Text „DANGER AREA“ aufgebracht.

Die Gefahrenmarkierung an den CIWS wurden frei Hand ohne Abkleben aufgemalt und auch wieder mit dem weißen „Text“ versehen.

Die VERTREP-Markierung auf dem Vordeck habe ich dann aber nachträglich aufgebracht. Das im Bausatz enthaltene Abziehbild weist hier eine durchgezogene Linie auf. Diese müsste aber eigentlich gestrichelt sein. Leider sind mir die weißen Linien etwas zu breit geraten.

Markierung auf dem Flugdeck

Das Flugdeck wurde zuerst in Weiß lackiert. Wobei ich das Weiß hier mit etwas Light Grey abgetönt habe (reines Weiß, wie auch reines Schwarz sieht in diesem Maßstab nicht natürlich aus). Dann habe ich mir aus Tamiya-Tape 1,5 mm breite Streifen geschnitten und damit die Markierungen nachgebildet. Bei den kleinen T-förmigen Strichen war das etwas Arbeit, aber letztendlich auch nicht schwer. Der Kreis entstand wieder mit dem Kreisschneider, aber diesmal einfach aus 3-4 Lagen übereinander geklebtem Tape. Mit vier kleinen Markierungen auf dem Deck war es dann einfach den Kreis auch wirklich rund auszurichten. Nach dem Abkleben heißt es wieder Luft anhalten und das Deck mit Dark Seagreen lackieren. Wieder wolkig aufgehellt mit Light Grey. Auch hier ist das Ergebnis sehr überzeugend.

Aufbauten

Die Aufbauten an sich sind bei diesem Schiff nicht so komplex. Jedoch sind überall unzählige Lüftergitter angebracht. Diese sehen direkt aus dem Bausatz eigentlich schon sehr überzeugend aus. Der Ätzteilsatz enthält natürlich auch alle Lüftergitter als Ätzteile. Soll man sich diese Arbeit wirklich machen? Ich habe mich nach einigem Zögern dazu durchgerungen. Es sieht doch einfach noch einen Tick besser aus. Aber es ist echt eine fiese Arbeit, die mir auch 1-2 Kratzer auf den Aufbauwänden eingebracht hat. Teilweise mussten Leitungen entfernt und später aus Kupferdraht wieder aufgebaut werden.

Zunächst habe ich überlegt, wie ich vorgehen soll. Einfach die erhabenen Details entfernen und die Ätzteile aufkleben? Das erschien mir zu flach. Eine Vertiefung einfräsen und diese schwarz hinterlegen? Wäre beim späteren Lackieren wahrscheinlich nicht schwarz geblieben und hätte dann komisch ausgesehen. Letztendlich habe ich zunächst die Öffnungen ausgefräst und dann die erhabenen Rahmen mit einem Meißel von Trumpeter vorsichtig entfernt. Das ging mit etwas Übung ganz gut, war aber trotzdem eine üble Fleißarbeit. Neben den Lüftern natürlich auch unzählige Türen…. Wie ich dann festgestellt habe, kann man jetzt natürlich von einer Seite zur anderen durchs Schiff schauen – nicht gerade originalgetreu. Also noch Zwischenwände eingezogen und innen alles Schwarz gemalt. Wenn das Licht aus der falschen Richtung kommt, beleuchtet es den Innenraum aber immer noch etwas komisch. Unter der richtigen Beleuchtung hat man so aber ein sattes Schwarz hinter den Gittern. Würde ich es beim nächsten Mal wieder so machen? Eher nicht. Aber eine richtig gute Alternative ist mir bis heute nicht eingefallen.

Details

Als nächstes bzw. nebenbei wurde an den ganzen Ausrüstungsgegenständen gearbeitet. Im Vergleich zu einem Schiff aus dem Zweiten Weltkrieg ist das hier allerdings eine recht überschaubare Angelegenheit. Vieles wurde mit den wirklich ausgezeichneten Ätzteilen verfeinert. Ein ganz besonderes Highlight sind für mich die .50 Cal Maschinengewehre mit ihren Schutzschilden. Hier ist sogar der Text „Strike Face“ lesbar eingeätzt! Leider konnten diese Teile bei dem frühen Bauzustand nicht verwendet werden. Die CIWS wurden mit Laufbündeln aus gezogenem Gussast und Trittstufen aus Plastikstreifen verfeinert. Für die AN/SQL-32 und Mk 53 Nulka habe ich mir die sehr schönen Resinteile von Veteran Models gegönnt. Bei den Harpoon-Startern habe ich mich aber wieder für die gut detaillierten Bausatzteile entschieden.

Die Schlauchtrommeln habe ich in Rot gestaltet. Einige Vorbildfotos zeigen es so. Ob es so wirklich korrekt ist, weiß ich nicht, aber es schafft ein paar Farbakzente auf dem ansonsten doch recht grauen Modell.

Die Takelung ist nicht üppig und wurde aus gezogenem Gussast hergestellt. Hierzu habe ich dünnere „Fäden“ für die Antennen und dickere „Fäden“ für die Flaggenleinen verwendet.

Die Relings auf den unteren Decks sind im Original größtenteils gespannte Drahtseile. Daher wurden die Stützen grau und die Seile schwarz gemalt. Eine ziemliche Arbeit, trägt aber ganz erheblich zum Gesamteindruck bei.

Die schwarzen Dichtungsgummis der Rettungsinseln wurden unter Zuhilfenahme einer ruhigen Hand, einer Lupenbrille und einer gehörigen Portion Geduld und Spucke von Hand aufgemalt.

Alterung und Highlights

Bei der Alterung des Rumpfes habe ich mich zurückgehalten. Es gibt zwar Einsatzfotos dieser Schiffe, die eher an Seelenverkäufer als an moderne Kriegsschiffe denken lassen, aber im Bauzustand kurz nach Indienststellung war das Schiff vermutlich doch gepflegter.

An Auslassöffnungen und zufälligen Stellen an der Deckskante wurden kleine Punkte dunkelgrauer und rostbrauner Ölfarbe aufgebracht und mit Verdünnung nach unten verblendet. Das war es auch schon in Sachen Alterung.

Bei diesem Modell habe ich auf Washings weitestgehend verzichtet. Alle Highlights und Schatten sind mit einem feinen Pinsel gezielt aufgemalt. Das macht mehr Arbeit, gibt einem aber auch eine deutlich bessere Kontrolle über das Ergebnis.

Fazit und fertiges Modell

Insgesamt hat der Bau jetzt ein gutes halbes Jahr gedauert. Wobei auch einige Phasen sehr niedriger Bauintensität dabei waren. Ein sehr schöner Bausatz, ergänzt durch tolle Ätzteile (mit schlechter Anleitung). Man könnte fast in Versuchung kommen die moderneren Varianten (mit Hubschrauber-Hangar) auch noch zu bauen – Bausätze und passende Ätzteile gäbe es…

Ingmar Stöhr
IG Allgäuer Modellbau Freunde