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Italienisches Schlachtschiff Caio Duilio (1/700, Delphis) von Bernd Villhauer Drucken
Donnerstag, 10. Dezember 2015 um 06:00

Das Original

Die Caio Duilio war ein italienisches Schlachtschiff der Andrea Doria-Klasse und diente in der italienischen Marine (Regia Marina) in beiden Weltkriegen. Namensgeber war der römische Konsul Gaius Duilius - ein römischer Politiker und Befehlshaber im Ersten Punischen Krieg 260 v. Chr.

Das Schiff wurde nach einer Bauzeit von vier Jahren im Mai 1916 in Dienst gestellt. Im Ersten Weltkrieg nahm sie an keinen wesentlichen EinsĂ€tzen teil, sie lag die meiste Zeit untĂ€tig im Hafen. Grund hierfĂŒr war auch, dass die Kommandanten oft sehr zögerlich waren und das Risiko scheuten. 1920 kreuzte sie im Mittelmeer und war 1923 eingebunden in den Corfu-Zwischenfall – ein diplomatischer und militĂ€rischer Konflikt zwischen Griechenland und Italien.

1925 erhielt Caio Duilio ein Katapult und Bordflugzeuge. 1937-40 erfolgte ein großer Umbau, aus dem ein praktisch neues Schiff entstand. Der 30,5-cm-GeschĂŒtzturm mittschiffs wurde entfernt und bei den restlichen vier GeschĂŒtztĂŒrmen wurden die 30,5-cm-GeschĂŒtze auf das Kaliber 32 cm aufgebohrt. Ein neuer Bug wurde angebaut und eine neue Antriebsanlage eingebaut. Dadurch konnte die Geschwindigkeit von 21 auf 26 kn erhöht werden. Zum Schutz gegen Torpedos wurde das neuentwickelte Pugliese-Torpedoverteidigungssystem verwendet.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieg wurde die Caio Duilio im November 1940 im Hafen von Tarent von einem britischen Torpedo getroffen und musste nach Genua zur Reparatur geschleppt werden. Dort entging sie knapp weiteren SchÀden, als der Hafen im Februar 1941 von britischen Kriegsschiffen bombardiert wurde. Danach wurde sie gegen feindliche Konvois eingesetzt oder eskortierte italienische Konvois zum Schutz gegen Angriffe der Royal Navy. 1942 wurde sie wegen dem Treibstoffmangel zur Reserve verlegt. Nach dem Krieg wurde sie bis 1956 als Schulschiff benutzt. Das Abwracken der Caio Duilio erfolgte danach in La Spezia.

Das Modell

Der vorliegende Modell im Maßstab 1/700 kommt vom italienischen Resinmodellhersteller Delphis Models. Der Bausatz kostet 128 Euro und kann bei NNT geordert werden. Der Bausatz beinhaltet neben den Resinteilen einen schönen Ätzteileset ohne Reling und einen Bauplan, der die Baustufen in einzelnen Fotos zeigt, jedoch in der QualitĂ€t der Bilder, der AusfĂŒhrlichkeit und der Sprache (nur Italienisch) ein großes Problem darstellt - vor allem fĂŒr Modellbauer, die wenig „Schiffserfahrung“ mitbringen. Da dieses an sich wunderschöne Modell bisher wenig gebaut wurde, ist auch die Recherche im Internet nicht sehr ergiebig.

Ein weiteres großes Problem war die QualitĂ€t einzelner Bauteile, inklusive des Decks, der einzelnen Plattformen und, ganz besonders, der Schornsteine. Die SchornsteinhĂ€lften waren zueinander so versetzt, dass ein ganz schwieriges Ausgleichen zwischen den beiden HĂ€lften durch AuffĂŒllen von Spachtelmasse auf der einen und Abschleifen auf der anderen Seite notwendig wurde. Die komplizierte Form der Schornsteine hĂ€tte einen kompletten Neubau noch schwieriger gemacht. Die QualitĂ€t der Bauteile und das Resultat der Nacharbeit kann man deutlich an den folgenden beiden Bildern erkennen.

Wie bei fast allen Resinmodellen ĂŒblich mussten die Masten komplett neu aus Messingrundmaterial hergestellt werden. Auch die Scheinwerferplattformen am hinteren Mast sind neu – die beim Bausatz vorhandenen Resinteile konnten in Verbindung mit dem Dreibein nicht verwendet werden.

An den schweren TĂŒrmen waren die Rohre mit den Rohrhosen (Blastbags) fest angegossen. Ich habe es dabei belassen, weil die Teile sehr filigran waren und die Wirklichkeit sehr realistisch wiedergaben.

Die verwendeten Farben fĂŒr Rumpf und Deck sind die Farben fĂŒr italienische Marine von Life Color - Grigio Cenerino Chiaro (helles Grau) und Legno Chiaro (Teak). Gealtert wurde der Rumpf und das Deck mit einer schon vorverdĂŒnnten dunkelgrauen Farbe (Washing) von MIG. Kanten wurden mit Bleistift leicht nachgezogen, um die leicht unsauberen Kanten des Guss zu kaschieren.

FĂŒr die Takelage verwendete ich hauchdĂŒnn gezogenen, schwarzen Gussast, der unter Hitze gespannt wurde.

Fazit

Ein sehr schönes Modell, das unter schwierigen Bedingungen entstand und mich mehr als einmal vor die Entscheidung stellte, aufzuhören oder weiter zu bauen. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich mich fĂŒrs Weiterbauen entschieden habe.

Bernd Villhauer