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HMS Victory: Ankerhandhabung auf einem Linienschiff (1/100) von Daniel Fischer, Teil 2 Drucken
Donnerstag, 21. Mai 2015 um 05:00

 

07. Mai 1765: 250. Geburtstag der HMS Victory

 

Die Manpower – aus der Übersicht

Wie man es zum Werfen auslegt, hab ich ja schon in Teil 1 gezeigt, wie es mit vielen kleinen Stoppern zum Halten gebracht wird auch, auch wie ein Kabelar/Messenger funktioniert ist schon abgevespert.

Aber wie viele kleine und große Arbeitsschritte dort zu tun sind, das kommt jetzt ...

Zuerst sind da die über 120 Mann im Mitteldeck, die da fleißig das Spill drehen, die hat man ja noch auf dem Schirm. Dass man mit über 60 Mann in der Kabellast damit beschäftigt ist, das störrische, schwere, nasse und muffige Kabel feinsäuberlich aufzuschlichten, das wird gerne vergessen. Auch dass eine größere Anzahl der Mannschaft auf der Back den Davit für das Ankerfischen vorbereitet ist personaltechnisch nicht ganz unrelevant.

Gerne übersehen werden die vielen Herren die mit Hilfe des großen Ruderbootes zur Ankerboje fahren um bei Bedarf über das Bojentau zu versuchen, den Anker schon etwas aus dem Grund zu brechen. Dazu gehen alle Mann in das Heck, ziehen das Bojentau straff und springen schnellstmöglich in den Bug des Bootes. So hilft der Auftrieb des Bootes den Anker aus dem Boden zu heben.

Aber auch auf dem unteren Deck gibt es eine Menge zu tun, immer der Reihe nach, hier der gesamte Überblick: 

Sieht schön und übersichtlich aus von da oben, doch wenn man tiefer eintaucht in den Ameisenhaufen ...

... noch tiefer ...

... und noch tiefer, dann, ja dann kann man schon eher nachvollziehen, was für eine Schweinearbeit das war.

Fangen wir am Spill selber an. Hier sogt Mr. Thor, der Mann mit DEM Hammer dafür, dass die Seilwindungen sauber sitzen. In Uhrzeigerrichtung sorgen hier einige Herren dafür, dass das Kabel das Spill sauber verlässt und sich nicht weiter rumwickelt.

Interessant sind hierbei die schweren Stützen mit Umlenkrollen, die dafür sorgen, dass das Kabel die Pumpen nicht beschädigen kann (Detailbild vor dem Einbau).

Mit der Ulmenpumpe, deren Schaft durch den Schiffsboden geht, kann Meerwasser angesaugt und über einen Segeltuchschlauch dorthin gebracht werden, wo es benötigt wird, dazu später mehr.

Links davon wieder einige Herren, die dafür sorgen, dass das über Rollen an den Deckenbalken hängende Kabel sauber läuft und nachrutscht. Das Kabelar wird über zwei grOOOOße Augen zu einem Endlosring zusammengebändselt, hier sind zwei Herren beschäftigt, dieses durch die Rollen zu bugsieren.

Vorne im Bug wird das Kabel um zwei Umlenkrollen gelenkt.

Im Manger gibt es eine Spezialaufgabe: hier endet der Schlauch der Ulmenholzpumpe (ganz links im Bild), ein Herr spritzt, zwei andere bürsten und schrubben den ganzen Schmodder vom Ankerkabel, deshalb gibt es in diesem Bereich auch je Seite zwei extragroße Speigatts. Sollte das Kabel noch für den Einsatz in felsigem Meeresgrund zusätzlich geschützt gewesen sein, müssen an dieser Stelle noch einige Herren für die Entfernung des Schutzes gesorgt haben.

Gleich nach dem Manger waren einige Herren damit beschäftigt, das Anker und das Kabelar aneinander festzubinden, im englischen Nibbing genannt.

Damit keine unbeaufsichtigten Enden lose in der Gegend rumwandern, habe ich hier jeweils einen Mann an den Beginn und an das Ende des Nibbingtaus zum Mitlaufen geschickt.

Im Gegenzug bringen andere Herren als Gegenverkehr die Taue wieder nach vorne.

Der Herr, der da rechts unten über den Segeltuchschlauch hüpft gehört nicht dazu, er bringt der einen Geschützmannschaft nur etwas Pulver.

Die nächste kniffelige Aufgabe bestand darin, das Nibbingtau wieder fristgerecht zu lösen, bevor das Ankerkabel in der Last verschwindet. Hierzu wurde die sogar die breite Treppe zum Mitteldeck - der Companionway - herausgenommen und eigentlich sollte auch die Gräting weg - nur die habe ich Trottel seinerzeit viel zu gut eingeklebt ...

Und danach geht das erleichterte Kabelar wieder um die stabile Umlenkrolle in Richtung Spill, um von Mr. Thor wieder behämmert zu werden.

Ist doch eigentlich ganz einfach oder? Man braucht halt nur ein paar Mann. Das sind jetzt 40 Mann, ich denke das waren im Regelbetrieb bestimmt doppelt so viele und noch einige Zusatzkräfte, so dass da bestimmt 100 Mann beschäftigt waren.

Daniel Fischer

PS: Spielfeld für dieses Display ist der bekannte Heller 1:100 Bausatz der HMS Victory.

www.dafinismus.de

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TEIL 1