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Schlachtschiff Kongo…nachts von einem U-Boot versenkt - Teil 1 von Wolfgang Kring Drucken
Montag, 06. Dezember 2010 um 07:00

Schlachtschiff Kongo…nachts von einem U-Boot versenkt - von Wolfgang Kring

Das Original

1911 als Schlachtkreuzer bei Vickers in Großbritannien auf Kiel gelegt, lief die KONGO 1912 vom Stapel und wurde 1913 an Japan übergeben. Sie war weltweit das erste Kriegschiff das mit einer Hauptbewaffnung im Kaliber 35,6cm (14inch) ausgerüstet wurde. Japan hatte sich Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer ernstzunehmenden Seemacht entwickelt (was die Russen 1905 bei Tsushima schmerzhaft zu spüren bekamen). Da Japans Industrie zu Beginn des maritimen Aufstieges noch nicht die Kapazitäten aufbieten konnte, mussten die Japaner sich ihre Kriegschiffe im Ausland bauen lassen. Anderseits holten sie sich damit über Jahre hinweg die jeweils neuste Technik und das benötigte Know-how ins Land. Bereits die Bauaufträge für die drei Schwesterschiffe der KONGO (KIRISHIMA, HIEI, HARUNA) konnten an japanische Werften vergeben werden.

Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen brachte für die KONGO mehrere Umbauten mit sich. Von 1927 bis 1929 bekam sie neue Kessel, Torpedowülste und drei Wasserflugzeuge an Bord. In den Jahren 1935 bis 1937 wurde sie um acht Meter verlängert, erhielt ein Katapult und wurde zum „schnellen Schlachtschiff“ umklassifiziert, denn mit einer Geschwindigkeit von bis zu 30 kn war diese Schiffsklasse ideal als schwere Eskorte für die schnellen Flugzeugträger einsetzbar.

Bei Kriegsausbruch befand sich die KONGO im südchinesischen Meer. Eine ihrer ersten Aufgaben sollte das Stellen der britischen „Force Z“, (HMS PRINCE OF WALES HMS REPULSE) sein. Nachdem diese aber durch japanische Flugzeuge versenkt wurde, leistete die KONGO in den Folgemonaten Geleitdienst, Fernsicherung diverser Truppenlandungen und nahm an Küstenbeschießungen (z.B. in Darwin, Australien) teil. In den kommenden Kriegsjahren folgte Einsatz auf Einsatz. So beschoss sie unter Anderem während des Ausfalls in den indischen Ozean (Frühjahr 1942) das britische Colombo auf Sri Lanka, kämpfte im Oktober 1942 in der Schlacht bei Guadalcanal, und nahm 1944 an der Schlacht im Leyte Golf (Philippinen) teil. Bei Leyte erhielt sie zwar keinen direkten Treffer, wurde aber durch die Druckwellen direkt neben ihr einschlagender Fliegerbomben an Rumpf und Schrauben so schwer beschädigt, dass sie zur Reparatur zusammen mit den ebenfalls beschädigten Schiffen YAMATO und NAGATO zurück nach Japan befohlen wurde. Auf dem Weg dorthin wurde ihr Konvoi in der Nacht zum 21.November 1944 in der Strasse von Formosa (Taiwan) vom amerikanischen U-Boot USS SEALION entdeckt. Kurz entschlossen griffen die Amerikaner an. Die KONGO wurde um 2.56 Uhr an Backbord von zwei Torpedos getroffen. Eine weitere Salve verfehlte die abdrehende NAGATO, traf aber den Begleitzerstörer URAKAZE, der explodierte.
Die KONGO nahm immer mehr Wasser auf und sank fast drei Stunden später.

Das Modell

Schon beim ersten Blick in die Schachtel des Fujimi Bausatzes war ich von den sauber gegossenen Spritzlingen und der Fülle an Details beeindruckt. Vor mir lagen viele, viele Teile, die einfach nur darauf warteten verbaut zu werden, um mir damit einen Haufen Bastel-Spaß zu bereiten.
Wie bei großen Schiffsmodellen üblich waren zur Versteifung mehrere Streben zwischen den beiden Rumpfhälften einzusetzen. Zusätzlich konnte man die Bauteile für die Schilde der seitlichen Mittelartillerie lose auf Noppen an drei dieser Verbindungsstücke aufstecken, die somit drehbar blieben.
Nicht vorgesehen ist eine Wasserlinien-Option, da weder an den Rumpfhälften, noch auf die tief in den Rumpf reichenden Streben eine Trennlinie vorhanden ist. Daher entschied ich mich, das Schiff im Ganzen zu Bauen um es dann später in einem „tieferen“ Wasserdiorama zu versenken. Außerdem konnte ich mich nicht dazu durchringen, dieses schöne Schiff zu zerschneiden, obwohl auf dem Rumpf auch der größte Konstruktionsfehler des Bausatzes zu finden war. Die seitlichen Einbuchtungen zu den Kasemattgeschützen sind abgeschrägt dargestellt, was sie in Wirklichkeit nicht waren

Die Aufbauten zwischen den beiden äußersten Geschütztürmen sind mehr oder weniger in drei Baugruppen unterteilt. Vorne dran – wie sollte es auch anders sein- steht die Brücke. Diese lässt sich Deck für Deck aufbauen. So kommt man auf allen Ebenen wunderbar in jede Ecke und der Einbau der jeweiligen Instrumente erwies sich als Kinderspiel. Ein Kinderspiel das dennoch einiges an Geduld erforderte, denn Kleinstteile wie z.B. Ferngläser, etc… waren selbst mit Pinzette manchmal nur schwer zu fassen. Auch die Ausrichtung dieser „Minis“ war nicht immer ganz einfach, sollten diese doch gerade und aufrecht nebeneinander stehen, …nur gab es immer wieder ein paar Ausreißer, die sich während des Aushärtens des Klebers zur Seite neigen, oder an ihren Nachbarn anlehnen wollten. Alles in Allem ein wenig Gefuzzel, aber das Ergebnis belohnte die Mühe mit einer schönen pagodenartigen Brücke.
Viele Durchbrüche, Gänge und dünne Stützen geben dieser ihre Filigranität und die Begeisterung über diesen Bausatz hielt an. Selbst gewähltes Gefuzzel folgte dann noch mit den zusätzlich angebrachten geätzten Relings und der Radarantenne. Die Relings waren ein Mischmasch aus verschiedenster Hersteller, das Radar faltete ich aus dem Fujimi hauseigenen Fotätzsatz. Fujimi bietet neben dem Plastik-Bausatz ein kleines Sortiment Ätzteilsätze an. Ich wählte mir das Kleinste mit Radar, Katapult, Flugzeugkran und ein paar sonstigen Kleinteilen aus und verzichtet auf das Reling-set und das „Superset“, da beide die an einzelnen Füßchen anzuklebende Reling beinhalteten (für meine Wurstfinger brauche ich einen durchgehenden Unterzug als Klebekante!).

Die mittlere Sektion der Aufbauten schloss sich nahtlos an die Brücke an. Auf ihr befanden sich neben den beiden Schornsteinen, dem Hauptmast auch ein Haufen Flakstände. Der Zusammenbau der benötigten Teile ging schnell von der Hand. Vor allem die Passgenauigkeit entsprach meiner seit Wochen anhaltenden Begeisterung. Die Schornsteinkappen erhielten geätzte Gitter, der Hauptmast geätzte Ausleger (beides aus dem Fujimi-Ätzteilsatz) und die ganze Baugruppe –ähnlich der Brücke- die ein oder andere geätzte Leiter und Reling.

Hinter dem dritten Geschützturm fügte ich dann noch das dritte und kleinste Segment der Aufbauten an: das Flugzeugdeck. Dieses war im Original mit Linoleumbahnen ausgelegt, die wiederum mit langen Messingleisten am Stahldeck darunter befestigt waren. Für das Linoleum verwendete ich ein rotbraun von WEM. Diese Farbe ließ ich drei Tage lang gut austrocknen. Erst danach klebte ich die einzelnen Leisten ab und strich sie in Messingfarbe. Dieses intensive Abkleben sollte der einzige Vorgang seiner Art beim Bau der Kongo bleiben! Aufwerten konnte ich das Flugdeck mit dem fotogeätzten Katapult und den Flugzeugschlitten, ebenfalls aus Fujimis Ätzteilsatz. Aber noch bevor ich die Aufbauten auf den Schiffskörper setzte, wollte ich sie fertig bemalt haben und der „nackte Rumpf“ sollte fest im Diorama sitzen.

Grau als Wissenschaft

Die Kongo war wie viele Kriegschiffe grau über Alles. Nun ist grau eben nicht nur grau. Doch die Tatsache, dass sich der Farbton grau zur Wissenschaft entwickeln kann, war bis dato auch mir fremd. In der Regel verwendete jede Marine einen für ihre Epoche ganz bestimmten Grauton. Anders in Japan; dort hatte jede der großen Werften ein ganz spezielles grau und diese sind –zum Glück für uns Modellbauer- ausreichend belegt. Die Kongo aber wurde in Großbritannien gebaut und während ihrer Dienstzeit in verschiedenen japanischen Werften umgebaut; doch wann und wo sie in wie weit neu gestrichen wurde war nicht herauszufinden. Auf alten Fotos wirk sie zumeist sehr dunkel, doch zu welcher Tageszeit und zu welcher Witterung die Bilder aufgenommen wurden läst sich daraus nicht ablesen. War es sonnig, oder bewölkt und überhaupt; wie farbecht sind die alten Bilder? Das Internet bietet hierzu Informationen in Hülle und Fülle; …die vom Hundertsten ins Tausendste führen und sich teilweise sogar widersprechen. Das war eine Sackgasse und ich suchte nach einem anderen Ansatzpunkt.

Meine nächsten Überlegungen führten mich zur empfohlenen Aufhellung des originalen Farbtons entsprechend dem Maßstab (Je kleiner, desto heller), um das Modell realistisch wirken zu lassen. Auch hierzu hat das Internet einen Haufen an Tipps und Tricks parat. Umso mehr ich mich in die Materie einlas, umso mehr neue Fragen stellten sich mir, als dass ich Antworten bekam. Da ich selber aber über die Kongo keine Doktorarbeit schreiben wollte, griff ich in mein Farbsortiment, zog Humbrol 164 (dark sea grey) heraus und bemalte das Modell von oben bis unten damit; Fertig! Die begehbaren Metalldecks hellte ich ein wenig auf und setzte sie so farblich vom Einheitsgrau des restlichen Schiffes ab. Ich denke, dass ich doch auch ohne Doktorarbeit -verglichen mit den alten Bildern- das Erscheinungsbild der Kongo ganz gut getroffen habe.

Auf dem hölzernen Deck, das im Bausatz aus drei Teilen besteht sind nur wenige Details angegossen, was das Bemalen erleichtert, da es einen Haufen Abklebearbeit um all die Munitionskästen, Niedergänge, Spills, etc…und somit eine Menge Zeit erspart (merkt euch bitte mal das Stichwort „Zeitersparnis“!).
Zuerst grundierte ich das gesamte Deck mit Revell 89 (beige), das ich nicht ganz austrocknen ließ, bevor ich weitere Farbschichten; und zwar abwechselnd in hell (Humbrol 71, Leinen) und dunkel (Humbrol 98) auftrug. An manchen Stellen fügte ich etwas mehr Verdünner hinzu und löste so beim Übermalen die untere noch leicht feuchte Farbschicht mit an, was zu weiteren, unregelmäßigen Farbabstufungen führte. Wichtig bei dieser Methode ist, dass der zweite Farbauftrag mit einem möglichsten dünnen Pinsel immer in Richtung der verlegten Planken erfolgt um so als Effekt einzelne Deckshölzer oder Bereiche farblich abzusetzen. Das Holzdeck wurde anschließend mit klarem Mattlack versiegelt.

Damit waren auch die Malerarbeiten im Großen und Ganzen abgeschlossen und die KONGO bereit für die nächsten Schritte. Das wird dann die Fortsetzung im nächsten Teil; und nicht vergessen: Sichwort „Zeitersparnis“


Wolfgang Kring