| Santa Maria, eine Legende in 1/90 von Wolfgang Kring |
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| Montag, 01. Februar 2010 um 07:00 |
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EinleitungEs gibt Modelle von denen eine unerklärliche Faszination ausgeht oder die einfach nur durch ihren Charme bezaubern. Sicherlich darf man an dieses alte Modell nicht mit dem Anspruch herangehen, ein authentisches Abbild des Originals zu erhalten. Alleine schon deshalb, weil niemand mehr sagen kann, wie die Santa Maria tatsächlich ausgesehen hat, aber auch weil die Form zum Modell aus dem Jahr 1956 stammt und dem damaligen Stand der Technik im Formenbau entspricht. Fehlende Strukturierung (Holzmaserung), vereinfachte Darstellung der Details und die überschaubare Anzahl der Einzelteile sind nur ein paar der Merkmale unserer alten Dame. Weitere Alterserscheinungen sind Fischhäute und Sinkstellen. Doch genau das verleiht dem ehrwürdigen Modell seinen Charme und macht es unter den heutigen High-tech Bausätzen so sympathisch; schließlich ist die Santa Maria auch ein Stück von Revells Firmengeschichte. GeschichteDer Name „Santa Maria“ ist wohl untrennbar mit Christoph Columbus verbunden, dem sie auf seiner ersten Entdeckungsfahrt nach Amerika als Flaggschiff diente. Die kleine Flotte stieß Anfang August 1492 in See und erreichte am 12. Oktober nach vielen Schwierigkeiten die Küste einer der kleineren karibischen Inseln; der Rest ist Geschichte. Für die Santa Maria sollte es ihre letzte Fahrt werden. In der Nacht zum 25. Dezember driftete sie vor der Küste von Haiti liegend auf eine Sandbank (oder Riff), schlug leck und konnte trotz aller Bemühungen nicht mehr gerettet werden. Das ModellAnders als bei ihren beiden von mir gebauten Vorgängern entschied ich mich dieses mal, die „Santa Maria“ in ein Diorama einzusetzen. Mein erster Gedanke war natürlich das Szenerio der Entdeckung Amerikas, mit Kolumbus am Strand der neuen Welt. Doch davon gibt es schon zu viele Darstellungen und mir fiel das alte Deckelbild von Revell ein, das bis in die 80er Jahre die Schachteln der Santa Maria zierte. Darauf zu sehen war die spanische Königin, die Kolumbus und seine Flotte verabschiedet. Auf die Bodenplatte meines Dioramas setzte ich einen kleinen Ausschnitt der Hafenmole aus Eisenbahner Zubehör. Die Wasserfläche formte ich wie üblich aus Acrylgel, das ich auf eine Styroporplatte auftrug. Der Bau des Modells selbst brachte keine wesentlichen Schwierigkeiten mit sich. Bereits beim erstmaligen Zusammenstecken der Hauptbauteile des Rumpfes merkte ich dass die von Haus aus schon füllige Dame Santa Maria in den letzten Jahren noch zusätzlich ein wenig aus der Form geraten ist. Doch mit Feile und Skalpell waren die notwendigen Schönheitsoperationen an der alten Lady problemlos zu bewerkstelligen. Etwas arbeitsintensiver gestaltete sich das „Facelifting“ am Heckspiegel, der so gar nicht zwischen die beiden Rumpfhälften und zum Deck passen wollte. Hier musste ich doch etwas mehr schleifen und mit Putty -dem Botox der Modellbauer- arbeiten. Mit einem Sägemesser aus der Küche schnitt ich das Unterwasserschiff ab. Die wenigen Teile der Masten und des Bugsprits hingegen waren einfach zusammen zu bauen. Sie mussten lediglich entgratet und der Mastkorb von angegossener Fischhaut zwischen den Streben befreit werden. Auch die Taljen brauchten eine kleine Auffrischungskur. Aus den oberen Blöcken ragt ein Dorn, an dem die Wanten festgeknotet werden sollten; wieder eines der Überbleibsel aus den 50’er Jahren. Diese Dornen habe ich kurzum abgetrennt und die Blöcke durchbohrt, um später den Faden für die Wanten darin zu verknoten. Eine weitere Herausforderung der Santa Maria war die Bemalung. Trotz ihrer fehlenden Oberflächenstrukturierung sollte sie wie ein Holzschiff wirken. Ich hatte, entgegen der Bauanleitung, die Deckteile bereits von Anfang an an eine der beiden Rumpfhälften geklebt. So erreichte ich mehr Stabilität der Baugruppe und kam trotzdem beim Bemalen noch überall hin. Die Grundierung erfolgte mit dem hellen Braunton Humbrol 119. Als zweiten Schritt folgte Revell 86 für das Deck und Humbrol 160 für Rumpf und Aufbauten. Beide Farben wurden mit einem harten alten Borstenpinsel trockengemalt, um so die Grundstruktur der Holzmaserung zu erhalten. Zur Alterung des Schiffes arbeitete ich –stets in der Technik des Trockenmalens- zur Wasserlinie mit immer dunkler werdenden Farben; bis hin zu schwarz, da die Schiffe der damaligen Zeit mit Teerfarbe abgedichtet wurden. Nach oben hin zu den Aufbauten verwendete ich mehr hellere Töne wie grau und weiß, da diese Bereiche des Schiffes (wahrscheinlich) durch die Sonne ausgebleicht waren. Das Einkleben der Masten beendete vorerst einmal der „klassische“ Bereich des Modellbaus. Nun war es an der Zeit mich der „Königsdisziplin“ des Segelschiffbaus zu widmen: der Takelage. Knoten für Knoten, Block für Block füllte sich das Modell mit stehendem und laufendem Gut. Verwendung fand dabei schwarzer Faden für stehendes Gut wie Wanten (seitlich der Masten) und andere für die Standfestigkeit der Masten wichtige Verspannungen (z.B.: Stage). Um dieses gegen Witterungseinflüsse unempfindlicher zu machen wurde es in der Regel mit Teerfarbe bestrichen. Laufendes Gut, wie zum Beispiel alle Taue, die zum einholen oder hissen der Segel benötigt wurden, blieben unbehandelt und wurden im Modell mit braunen Fäden dargestellt. Die beiliegenden Plastiksegel alterte ich mit verschiedenen Lagen verdünnter Braun- und Grüntöne. Die Abziehbilder in Form roter Kreuze waren problemlos zu verarbeiten und erhielten zu guter letzt auch noch ein Washing verdünnter “Schmutzfarben“ um das doch sehr knallige rot ein wenig abzumildern. Am meisten ärgerte mich dabei Königin Isabella. Ursprünglich hoffte ich eine Brautfigur mit langem weißen Kleid ohne größere Änderungen verwenden zu können. Allerdings fand ich keine mit passender Körperhaltung und ersetzte deshalb Ihre Hoheit durch ein braves Bauernmädel, in königlichem Gewand aus Plastilin und mit Holzleim getränkten Stücken Papiertaschentuch. ![]() Die Santa Maria hat schon ganze Generationen Modellbauer begleitet und wird dies auch in Zukunft tun. Sie eignet sich ideal als Einstiegsmodell im Bereich der Segelschiffe. Wolfgang Kring |
































