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Kombrig: Geschützter Kreuzer USS Chicago Drucken
Sonntag, 17. Februar 2008 um 13:26



Modell: USS Chicago cruiser, 1898 fit
Hersteller: Kombrig
Maßstab: 1/700
Art. Nr.: 70093
Material: Resin
Preis: 32,3 €

Original


Nach einer Periode des Niedergangs und der Vernachlässigung, versuchte die US-Marine Anfang der 1880er Jahre den Neuanfang. Die ersten Schiffe dieser "New Navy" waren die ABCD-Schiffe: der Aviso Dolphin und die Geschützten Kreuzer Atlanta, Boston und Chicago. Chicago wurde als letztes in Auftrag gegeben und war das Schiff, was am ehesten dem Ziel, einen Kreuzer, der zum Handelskrieg fähig war, zu bauen, nahe kam. Wie die anderen drei Schiffe war aber auch Chicago bereits bei der Auftragsvergabe veraltet. Ihre Maschine entsprach in keinster Weise dem damaligen technischen Stand, das dünne Panzerdeck schützte nur die Maschinen sowie die Magazine und der Großteil der Bewaffnung stand in Stückpforten auf dem Hauptdeck. Sie erhielt noch eine Barktakelung. Das Ergebnis war ein langsamer, schlecht geschützter Kreuzer. Ihr Entwurf bildete trotzdem die Grundlage für zwei weitere, ähnliche, aber bessere Geschützte Kreuzer: Newark und San Francisco.
Chicago war 104,29 m lang und 14,7 m breit. Ihr Tiefgang betrug 5,79 m und ihre Verdrängung voll beladen 4864 ts. Ihre ursprünglichen Maschinen leisteten 5084 PS, womit bei den Probefahrten 15,4 Knoten erreicht wurden. 1898 erhielt sie neue Maschinen, die 9000 PS leisteten, womit sie 18 Knoten langsam war.
Bewaffnung 1889
4 x 20,3 cm L/30
8 x 15,2 cm L/30
2 x 12,7 cm L/30
2 x 5,7 cm
4 x 4,7 cm
2 x 3,7 cm
2 Gatling-MGs
Bewaffnung 1898
4 x 20,3 cm L/35
14 x 12,7 cm L/40
9 x 4,7 cm (?)
Bewaffnung 1910
8 x 12,7 cm L/40
4 x 10,2 cm L/40
Bewaffnung 1916
12 x 10,2 cm
9 x 4,7 cm
Bewaffnung 1918
4 x 12,7 cm L/50
2 x 7,62 cm
Chicago wurde zwischen 1883 und 1889 bei John Roach & Sons in Chester gebaut und wurde im Atlantik eingesetzt, u.a. als Flaggschiff des Nordatlantik-Geschwaders und des Europa-Station. Am 1.5.1895 wurde sie in New York außer Dienst gestellt. In Reserve wurde sie modernisiert. Die Segeltakelage inklusive Großmast und Bugspriet wurde entfernt, die Maschine gegen eine modernere ausgetauscht, höhere Schornsteine eingebaut und die Bewaffnung wurde verbessert.
Am 1.12.1898 wurde sie wieder in Dienst gestellt – zu spät, um noch am Spanisch-Amerikanischen Krieg teilnehmen zu können. Sie wurde erneut im Atlantik, Karibik und Europa eingesetzt bis sie zwischen 3.12.1903 und 15.8.1904 für Reparaturen in Boston wieder außer Dienst gestellt wurde. Im November 1904 wurde sie zum Pazifik-Geschwader verlegt, dessen Flaggschiff sie zeitweise war. Chicago wurde zur Hilfe für das durch das Großen Erdbeben am 18.4.1906 und ein anschließenden Großband verwüstete San Francisco abgeordnet und war an der Evakuierung von 20 000 Bewohner beteiligt. Am 27.8.1908 wurde sie erneut außer Dienst gestellt und der Reserve zugeteilt. Vom 14.5. bis 28.8.1909 wurde sie für Übungen kurzfristig wieder aktiviert, war danach aber wieder Teil der Reserve, wofür sie zurück an die Ostküste verlegt wurde. Ab dem 23.1.1910 war sie Teil der Massachusettes Naval Militia, ab dem 26.4.1916 Teil der Pennsylvania Naval Militia.
Am Tag des Eingreifens der USA in den Ersten Weltkrieg, dem 6.4.1917, wurde Chicago wieder in Dienst gestellt und als Flaggschiff der U-Boote im Atlantik eingesetzt. Nach dem Krieg wurde sie am 10.7.1919 als Flaggschiff der Kreuzer-Division 2 in den Pazifik verlegt. Ab Dezember 1919 wurde sie erneut Flaggschiff eines Uboot-Geschwaders und – besser zu ihrem Zustand passend – in Pearl Harbor als Tender eingesetzt. 1920 wurde sie als CA-14 klassifiziert, 1921 als CL-14. Am 30.9.1923 erfolgte die endgültige Außerdienststellung. Sie blieb als Wohnschiff in Pearl Harbor, wo sie am 16.7.1928 in Alton umbenannt und als IX-5 umklassifiziert wurde. Am 15.5.1936 wurde sie zum Abwracken verkauft, sank aber im Juli auf der Fahrt von Honolulu zu ihrem geplanten Abwrackort San Francisco.

Bausatz


Kombrig stellt die Chicago nach dem ersten Umbau, bei der die Segeltakelage samt Großmast entfernt und die Maschine sowie die Bewaffnung modernisiert wurde, dar, also im Zustand zwischen 1898 und etwa 1910.
Der Rumpf entspricht von den Abmessungen und der Form dem Original. Der Rumpf ist weitgehend vollständig, es müssen lediglich Lüfter, ein paar Winden und wenige Teile für die Aufbauten noch montiert werden. Die Detaillierung ist gut. Eine Bugzier fehlt. Vor dem Umbau hatte sie eine einfache, Wappen-artige Bugzier, einige Zeit nach dem Umbau erhielt sie eine aufwendigere Verzierung. Allerdings war es mir nicht möglich festzustellen, wann diese an Bord kam – es gibt Photos, auf denen sie nicht zu sehen ist.



Die Aufbauten bestehen im Endeffekt nur aus den beiden Decks über den 20,3 cm-Geschützen und den beiden Schornsteinen. Dazu kommen noch verschiedene Größen von Lüftern, Davits, Bootshalterungen, Scheinwerfer, Anker etc. Die Resin-Masten sowie die Dampfrohre für die Schornsteine sind teilweise stark verbogen und sollten besser durch Metallteile ersetzt werden. Zumindest zeitweise hatte Chicago nach dem Umbau für das zweite und vierte Boot auf jeder Seite Fussball-Tor-artige Davits, während dem Bausatz nur die normalen beiliegen.


Die Bewaffnung ist gut dargestellt. Man findet die 20,3 cm-Geschütze, die aus dem Rohr, Lafette und Schutzschild zusammengebaut werden sollen, die Rohre für die 12,7 cm-Geschütze auf dem Hauptdeck sowie eine Reihe von leichten Geschützen, wahrscheinlich 3-Pfünder (4,7 cm). Ich habe leider keine Angaben über die leichte Bewaffnung in diesem Bauzustand in der Literatur gefunden. Ausgehend von Photos wirken die neun 4,7 cm-Geschütze, die Kombrig in der Anleitung zeigt, realistisch. Es liegen sowohl mehr 12,7 cm-Rohre als auch 4,7 cm-Geschütze bei. Dies ist gut, da bei einem 4,7-Geschütz das Rohr abgebrochen war.


Die Boote wirken recht gut, allerdings habe ich hier auch wenig in der Literatur gefunden. Der Schornstein eines der dampfgetriebenen Boote ist bei meinem Exemplar des Bausatzes abgebrochen.


Der Umbau in eine frühe Variante mit Barktakelage dürfte nicht sehr aufwendig sein. Hierfür müssten Bugspriet und Großmast sowie die entsprechenden Rahe und Spieren ergänzt, die Schornsteine gekürzt und die meisten Lüfter weggelassen werden. Dazu hatten die 20,3 cm-Geschütze einfachere Schutzschilde – einfach eine schräg montierte Frontplatte. Die Rohre für die 15,2 cm- und 12,7 cm-Geschütze auf dem Hauptdeck müssten ergänzt werden. Anhand der Photos ist mir deren Verteilung aber unklar – es waren nur zehn statt der später 14-Geschütze. Eventuell blieb die Position hinter dem vorderen Schwalbennest oder dieses selbst leer und hinter dem achteren 20,3 cm-Geschütz war ebenfalls ein kleines Schwalbennest zu finden, in dem eventuell ein leichtes 5,7 cm-Geschütz stand. Dieses Schwalbennest wurde beim Umbau entfernt und durch eine einfache Stückpforte für ein 12,7 cm-Geschütz ersetzt. Die achterste Stückpforte war im ursprünglichen Zustand wohl mit einem 12,7 cm-Geschütz bestückt.
Für die späten Versionen bei den diversen Milizen sowie im ersten Weltkrieg gibt es wenig Material. Es wurde wohl hauptsächlich die Bewaffnung verändert. 1918 waren es vier 12,7 cm auf der Position der 20,3 cm-Geschütze sowie zwei 7,62 cm-Flak auf dem Brückendeck.

Anleitung


Die Anleitung ist, wie meist bei Kombrig, recht spartanisch gehalten. Sie besteht aus englisch-sprachigen Angaben über die technischen Daten (die sich aber auf die ursprüngliche Version und nicht die dargestellte beziehen!) und den Lebenslauf, ein Profil und eine Aufsicht, einer Übersicht über die Teile sowie eine Explosionszeichnung.



Wegen der wenigen Teile sollte der Zusammenbau trotzdem kein Problem sein. Nur bei den Lüftern gibt es ein Problem, da vier verschiedene Größen beiliegen – in der Anleitung diese aber nur schwer auszumachen sind. Die vier Lüfter neben dem vorderen Schornstein stehen enden auch oberhalb des Brückendecks – und nicht unter diesem, wie es die Anleitung will. Auch die die Konstruktion der beiden achteren Scheinwerferpositionen und die Aufstellung der Boote ist unklar – auf der Aufsicht sind auch vier weitere Boote zu sehen, die dem Bausatz gar nicht beiliegen. Ob diese beim Original vorhanden waren, konnte ich anhand der Photos nicht ausmachen.
Farbangaben fehlen vollständig. Nach dem Umbau hatte Chicago zwei verschiedene Formen von Tropenanstrichen: einmal ein vollständig weißer Rumpf. Lediglich die Schornsteine waren ocker und die Masten wohl in einem ähnlichen Braunton gehalten. Bei der andere Variante, die auch auf dem Deckelbild zu sehen ist, waren die Aufbauten und die Schanzkleider etwas oberhalb des Oberdecks ebenfalls ockerfarben gestrichen.

Quellen


Fazit


Der Bausatz der Chicago von Kombrig bietet insgesamt eine gute Grundlage für den Bau dieses damals schon sehr anachronistisch wirkenden Schiffs. Lediglich die minimalistische Anleitung dürfte Probleme verursachen. Insgesamt ist der Bausatz
EMPFEHLENSWERT


Lars