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HMS Furious in 1/700 - Baubericht von Jim Baumann Drucken
Freitag, 11. Mai 2007 um 11:28
Solange ich mich erinnern kann war ich von HMS Furious in ihrer frühen Erscheinugsform als Flugzeugträger fasziniert (wer kann sich schon dem Reiz eines Trägers, der seine Aufbauten in der Mitte des Flugdecks hat entziehen). Als ich hörte das Herr Angelo von
Loose Cannon Productions die Furious im Maßstab 1/700 als Resinbausatz auf den Markt bringen würde, war ich begeistert.
Sofort begann ich so viel an Informationen und Dokumentationen über den Träger zu sammeln, wie nur möglich. Es gibt viele Fotos der Furious, die sie im Bauzustand von 1918 zeigen. Leider sind aber nur sehr wenige Detailfotos verfügbar, so das es schwer ist die Maße des Bausatzes auf Genauigkeit zu überprüfen.
Mir wurde vorgeschlagen, das bekannte Model der Furious im Imperial War Museum in London als Referenz zu fotografieren. Das habe ich getan, ABER... das Model im Museum hat in meinen Augen Ähnlichkeit mit dem Orginal, ist aber kein akkurates Maßstabsmodel. Es enthält viele Vereinfachungen und lässt Details aus. Vieles ist auch einfach falsch dargestellt. Dadurch wurde ich anfangs regelrecht auf den Holzweg geführt ("Hey, es steht doch im IWM, also muss es richtig sein…….NEIN, es ist nicht richtig!").
Von "Warship Profile" gibt es eine gute zweiteilige Publikation über die HMS Furious, die ihre komplette Einsatzzeit umfasst. Dies erwies sich als guter Startpunkt für mein Model. Die Illustration in der Mitte des Heftes, die ich anfangs sehr überzeugend fand, wirft bei genauerer Betrachtung doch jede Menge Fragen auf.
Anfangs wollte ich den Träger in Fahrt darstellen. Dabei sollten Doppeldecker auf dem Deck arrangiert werden. Als ich allerdings die Einsatzgeschichte des Schiffes in diesem Bauzustand gelesen hatte, erschien mir dieser Plan doch als sehr unrealistisch. Also musste ich mir etwas Anderes ausdenken! Nun nahm ich mir vor, den Träger vor Anker liegend den vordern Aufzug nach unten gefahren, was einen kleinen Einblick ins Innere des Schiffes erlauben sollte, darzustellen. Das Luftschiff SSZ 59 sollte auf dem achteren Flugdeck bei der Landung dargestellt werden. Ein großer Teil der Besatzung sollte das Luftschiff bei der Landung unterstützen. Aber bevor ich mir das Vergnügen erlauben durfte diese Szene darzustellen, musste ich ja erst noch das Schiff bauen, takeln und mich mit den "Dazzle"-Tarnschema auseinandersetzen...
Zuerst einmal muss ich sagen, dass ich dankbar bin, dass sich ein Hersteller dieses Schiffes angenommen hat. Alles in Allem ist der Bausatz sehr gut, auch wenn einige Details etwas vereinfacht dargestellt sind und es einige Problemstellen gibt, welche ich alle falsch behandelt habe. Die Kanten und Mulden sind nicht so scharf dargestellt wir bei anderen Resinherstellern und es gab eine Menge Gussgrat, der sich aber problemlos entfernen lies.
Das Wichtigste bei jedem Schiffsmodellbauprojekt ist:
VORAUSPLANEN!!

Trotzdem gelingt es mir jedes Mal spielend in jedes Fettnäpfchen zu treten, das ein Bausatz bereithält. Selbstverständlich ist mir das auch bei HMS Furious gelungen.
Das erste Problem war die, in meinen Augen, zu ausgeprägte Struktur des Schiffsrumpfes, die zum Einen Schatten auf die Lackierung wirft und zum Anderen das Maskieren der Tarnbemalung erschwert.
Ich entschied mich dafür den Rumpf abzuschleifen bis er fast eben war. Das nächste Problem war das Photoätzteil, welches die Trägerstruktur des vorderen Flugdecks darstellt. Eigentlich sollte es einfach zu verbauen sein, da LCP hilfreicherweise Markierungen an den Rumpf gegossen hat, die den Einbau erleichtern sollen. Diese Markierungen waren mir aber zu groß. Außerdem war der Rahmen des PE-Teils in meinen Augen einfach zu groß. Auch die einzelnen Träger waren mir nicht fein genug dargestellt. Also erstellte ich die gesamte Trägerstruktur des vorderen Flugdecks aus feinen Messingstreifen neu. Dadurch musste ich auch einen Teil des vorderen Flugdecks neu erstellen, um die von LCP an der Unterseite angegossenen Markierungen loszuwerden.


Die Unterschneidung des Decks im Bereich der hinteren 5,5" Geschütze gefiel mir überhaupt nicht. Also entfernte ich sie kurzerhand, fräste diesen Bereich aus und erstellte neue Decksteile.


Ich befestigte die Flugdecks und begann das Tarnschema zu lackieren. Damit war ich für ein bis zwei Wochen beschäftigt. Ich bemalte alles mit einem Pinsel und klebte ab, klebte noch mal ab und noch mal. Ich weis nicht mehr wie oft ich es gestrichen und maskiert habe bis mir die Lackierung gefiel. Prüft die Fotos und verlasst euch nicht auf die Illustration im Warship Profile. Sie stimmt nicht. Die Steuerbordseite ist falsch dargestellt und die Backbordseite ist schlicht falsch. Nur anhand von Fotos ist es möglich das Tarnschema korrekt zu erstellen.

Die dreifach Torpedorohrsätze mit ihrer dreieckigen, zeltähnlichen Struktur bereiteten mir einige Sorgen. Nachdem ich die Orginalteile ausgehöhlt hatte und aus Kunststoffrundstab einzelne Torpedorohre hergestellt hatte, fand ich schließlich Fotos, die zeigten, dass die Außenseite der Torpedorohrsätze mit einer Klappe verschlossen werden konnte. Also hätte ich auch einfach die Bausatzteile lackieren können...
Ich war gerade dabei, die wirklich gut getroffenen, vertikalen PE-Unterstützungen des Flugdecks anzubringen, als mir auffiel, dass die Basis der Decksstützen so weit nach Innenbords reichen würde, dass sie die Bewegungsmöglichkeiten der 5,5" Türme stark behindern würde. Ein schneller Blick in´s Warship Profile und die Kontrolle an Hand einiger Fotos zeigte, dass die Bausatzdecks an dieser Stelle schlicht falsch waren. Also machte ich mich daran, meine sehr gut verklebten Resindecks wieder abzutrennen (zum Glück ohne dabei größeren Schaden anzurichten) und erstellte neue Decks aus Kunststoff. Dabei nutzte ich die Möglichkeit den hinteren Aufzug im Deck auszuschneiden und stellte ihn nach unten gefahren dar.


Auf dem Schiff wurden die Flugzeuge vom achteren Hangar auf das vordere Flugdeck mit Hilfe einer Rampe auf jeder Seite der Aufbauten transferiert. Im Bausatz war diese Rampe mit einem Knick in der Mitte dargestellt während sie beim Orginal einer Kurve entsprach und sich an den Enden verbreiterte. Ich erstellte neue Rampen aus Styrene mit separaten Teilen für die Wände. Das schwierigste war es aus dünnen Messingstreifen die Wandverstärkungen herzustellen. Extrem langweilig, aber man kann sie nicht einfach weglassen.


Die 5,5" Geschütze hatten wie viele Resingeschütze krumme und verzogene Rohre. Ich schnitt die Rohre also ab und ersetzte sie durch Messingdraht. Die PE-Teile für die Ausguckplattformen waren einfach zu gut, um sie nicht zu benutzen. Die massiven Ausgucksplattformen waren in ihren Abmessungen stimmig, also schliff ich sie bis auf die Unterkante der Fensterhöhe ab, klebte die PE-Teile an und erstellte neue Dächer. Der Schornstein wurde mit Hilfe eines Dremels ausgehölt.
Der Dreibeinmast wurde aus mitgeliefertem Messingrundstab erstellt, wie es die Bauanleitung vorgibt. Die ober Plattform wurde neu erstellt damit der Boden und die Seitenwände dünner wurden. Zurück zum vorderen Flugdeck: Die äußeren Y-förmigen Unterstützungen waren meiner Meinung nach nicht korrekt dargestellt. Außerdem gab es auch hier wieder Angüsse am Rumpf zur Plazierung der PE-Teile, die mir nicht gefielen. Also entfernte ich die Angüsse am Rumpf, schnitt die Y-förmigen Teile ab und erstellte sie mit, in meinen Augen, stimmigen Abmessungen neu.


Das Schiff hatte im achteren Bereich des vorderen Flugdecks einen Zaun, der oft als Palisade oder Windbrecher bezeichnet wurde. Dieser Zaun konnte niedergelegt oder aufgerichtet werden, wie es für den Flugbetrieb gerade notwenig war. Zum Bausatz gehört ein wirklich schönes PE Teil, um diesen Zaun darzustellen. Soweit ich es herausfinden konnte, liefen die einzelnen Planken der Palisade auf dem Schiff in vertikalen Führungsschienen. Um diese zu erstellen nutzte ich Raketenführungsschienen von WEM.
Das Luftschiff war ein Abenteuer für sich. Ich besorgte mir ein Buch mit dem Titel Battlebags (Klasse Buch, alles über britische Luftschiffe des ersten Weltkriegs). In diesem Buch gab es eine gute Zeichnung von SSZ 59, sowie die wichtigsten Abmessungen des Luftschiffes.
Bewaffnet mit einem Schnitzmesser und einigen Balsaholzklötzchen machte ich mich daran die äußere Hülle des Luftschiffes zu schnitzen. Drei Versuche später hatte ich die korrekten Abmessungen getroffen. Anschließend schliff ich das Balsaholz und tränkte es mit Sekundenkleber, um es zu härten. Die Gondel baute ich aus Resinresten. Für Propeller und Motor benutze ich Messing. Die Decals erstellte ich am Computer und druckte sie auf einem extra dafür bei Ebay erstandenem ALPS Drucker auf durchsichtiger Decalfolie aus. Die Luftschiffhülle genau über der Gondel zu befestigen, war in diesem Maßstab ein wahrer Alptraum - in 1:350 wäre es einfacher gewesen.


Hier kommen ein paar Bilder des fertigen Luftschiffs über der Furious.

Die Flugzeuge zu bauen und zu verspannen war das reine Vergnügen. Sie sind zwar klein aber wirklich hübsch. Einzig wegen der Resinflügel hatte ich Bedenken. Es war schwierig, sie dünner zu schleifen. Vielleicht wäre es besser die Flügel als PE-Teile zu erstellen. In meinem Bausatz fehlten die Decals für die Kokarden. Also malte ich Sie einfach mit dem Pinsel. Mir gefallen Sie so gut.


Die Fangnetze für die Flugzeuge zu bauen war ein Spass. Prüft so viele Fotos wie Ihr nur bekommen könnt. Ich habe sie ein paar Mal gebaut bis ich damit zufrieden war. Anfangs benutze ich die mitgelieferten PE-Teile, aber dann war ich der Meinung sie mit gezogenem Gußast feiner darstellen zu können. Die mitgelieferten seitlichen Netze schauten toll aus. Sie sehen exakt so aus, wie sie auch im Warship Profile dargestellt werden. Anfangs benutzte ich sie auch, bis ich an Hand von Fotos herausfand, dass die Netze falsch sind. Also trennte ich sie wieder ab und versuchte Sie mit gezogenem Gußast neu zu erstellen. Nachdem sie mir dabei mehrer Male zerbrochen sind benutzte ich kupfernen Lautsprecherdraht, den ich erwärmte und streckte, um ihn dünner zu bekommen. Die vertikalen Kabel sind aus gezogenem Gußast.


Die Plattformen, um an die Beibbote zu gelangen, erstellte ich aus dünnem Messing neu.
Die Plattform über dem achteren Deck hinter dem Zugang zum achteren Hangar wurde vergößert, die Stützbalken dafür neu erstellt.
Der Kran, um die Flugzeuge zu bewegen, war mir zu breit. Ich schnitt also das zentrale Gitterwerk heraus und ersetzte es durch eines aus einem PE-Satz für japanische Schiffe von Tom´s Modelworks.
Soweit ich weiß waren zum Zeitpunkt der Luftschifflandungen keine Flakgeschütze auf dem achteren Deck. Also lies ich sie weg.
Die Davits und die Boote wollte ich weglassen bis ich ein Foto einer Luftschifflandung fand auf dem Sie zu erkennen waren.



Ich benutzte GMM-Relings, die ich mit einem Permanent Marker schwarz einfärbte und anschließend mit grauer Farbe leicht drybruschte. Das komplette Modell wurde mit WEM-colourcoats lackiert, danach mit Klarlack versiegelt und anschließend mit Wasserfarben gealtert.
Die Beiboote sind größtenteils aus dem Bausatz, ergänzt mit einigen Booten von WEM. Dann kamen noch 400 Besatzungsangehörige an Bord, ein Flugzeug in den achteren Hangar, das Luftschiff auf's achtere Flugdeck, sowie ein wenig weitere Detailierung, wie zum Beispiel die Takelung aus gezogenem Gußast und fertig war das Modell. Ich befestigte das Modell auf einer 3mm Edelstahlplatte, um zu verhindern das sich der Rumpf später verzieht. Das Wasser erstellte ich mittels Papier, das ich mit Wasserfarben bemalte und anschließend mit Klarlack versiegelte.









Fazit:


Out of the Box lässt sich ein stimmiges Modell erstellen. Der einzige Problembereich ist das hintere Flugdeck. Alle weiteren Veränderungen wären nicht zwingend notwendig gewesen. Sie entspringen allein meinem stetigen Bemühungen einen Bausatz soweit wie mir nur irgend möglich zu detailieren.
Hoffentlich bringt Loose Cannon Productions noch mehr Bausätze ungewöhnlicher Schiffe heraus.
Jim Baumann
Aus dem Englischen übersetzt von Ulrich