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HMS Ajax 1/600 von Jörg Schumbert Drucken
Donnerstag, 15. Dezember 2005 um 18:14

13. September 1939, Südatlantik. Vor dem Rio de la Plata entdeckt die englische Force G das deutsche Panzerschiff „Admiral Graf Spee“. Während die ersten Salven der „Graf Spee“ einschlagen, nimmt der leichte Kreuzer „HMS Ajax“ die Verfolgung auf und bereitet den Start des Bordflugzeuges vor...
HMS Ajax 1/600 von Joerg Schumbert

Das Original


„HMS Ajax“ war ein leichte Kreuzer der Leander-Klasse, der vor allem durch seine Teilnahme an besagter Schlacht vor dem Rio de la Plata gegen die „Admiral Graf Spee“ bekannt wurde.
Am 7. Februar 1933 bei Vickers-Armstrong in Barrow-in-Furness auf Kiel gelegt, lief sie am 1. März 1934 vom Stapel und wurde am 12. April 1935 fertiggestellt. Bei einer Verdrängung von 6985 Tonnen war sie 169m lang, 17m breit und hatte einen Tiefgang von 5m. Angetrieben von 72000 WPS erreichte sie eine Höchstgeschwindigkeit von 32,5 Knoten; ihre Besatzungsstärke betrug 550 Mann.
HMS Ajax 1/600 von Joerg Schumbert
Die Bewaffnung bestand aus vier 152mm-Zwillings-Geschützen, vier 102mm-Zwillings- Flakgeschützen, vier 2pdr-AA-Zwillingsflakgeschütze, zwölf 0.5in-MG in Vierlings-Anordnung sowie acht 533mm-Torpedorohre in Vierlingssätzen. Außerdem war sie mit einem katapultgestützten Wasserflugzeug vom Typ Fairey Seafox ausgerüstet.
HMS Ajax 1/600 von Joerg Schumbert
„Ajax“ diente ab ihrer Indienststellung zuerst auf der Amerika bzw. West Indien Station, und wurde bei Ausbruch des Krieges im September 1939 der Südamerika-Division zugewiesen. Nach erfolgreichen Operationen gegen deutsche Frachtschiffe im Südatlantik pattroulierte sie als Teil von Force G zwischen den Falklandinseln und der Ostküste Südamerikas auf der Suche nach der „Graf Spee“. In der folgenden Schlacht vor dem Rio de la Plata am 13. Dezember 1939 wurde „Ajax“ durch mehrere Treffer schwer beschädigt.
HMS Ajax 1/600 von Joerg Schumbert
Die resultierenden Reparaturen dauerten von Dezember 1939 bis Juli 1940, in deren Anschluss „Ajax“ in das Mittelmeer verlegt wurde. Bei einem Angriff auf italienische Kräfte im Oktober 1940 versenkte sie zwei Torpedoboote und beschädigte den später von „HMS York“ versenkten Zerstörer „Artigliere“ schwer. In Folge fuhr „Ajax“ Angriffe in der Straße von Otranto, begleitete Malta-Konvois, nahm an der Schlacht am Kap Matapan sowie an der Evakuierung von Kreta teil. Am 21. Mai 1941 wurde sie von Bomben deutscher Ju87-Sturzkampfbomber beschädigt, konnte aber trotzdem im Juni die Operationen in Syrien schützen. Im November verstärkte sie die Force K in Malta, wurde aber im Februar 1942 zurückgezogen, als diese nach dem Verlust des Schwesterschiffes „HMS Neptun“ aufgelöst wurde.
HMS Ajax 1/600 von Joerg Schumbert
Nachdem sie von Mai bis Oktober 1942 in England repariert und überholt worden war, kehrte „Ajax“ im Januar 1943 in das Mittelmeer zur Verstärkung von Force Q zurück. Unglücklicherweise wurde sie fast sofort wieder Opfer eines Bomberangriffes, der sie schwer beschädigte. Die notwendigen Reparaturen wurden von März bis Oktober 1943 in New York durchgeführt, und auch nach diesen kehrte „Ajax“ wieder in das Mittelmeer zurück. Im Mai 1944 wurde „Ajax“ nach England zurückbeordert, um während der Invasion in der Normandie als Teil der Force K den Landungsabschnitt Gold Beach zu bombardieren. Danach kehrte sie wieder zurück in das Mittelmeer, um dort im August die Landungsunternehmen in Südfrankreich zu unterstützen.
Im Februar 1948 wurde „Ajax“ außer Dienst gestellt und am 18. November 1949 in Newport abgewrackt.
HMS Ajax 1/600 von Joerg Schumbert

Der Bausatz


Es handelt sich hier um den Airfix-Kit im Maßstab 1/600, der die "Ajax" zum Zeitpunkt der Schlacht vor dem Rio de la Plata im Dezember 1939 darstellen soll. Soll? Nun, ein paar Fehler haben sich eingeschlichen, wie z.B. die Positionierung der 4in-Türme. Die mittlere Artillerie war zu besagtem Zeitpunkt nicht wie in dem Bausatz positioniert - die vorderen Türme gehören vor dem Schornstein, und die Davits mit Beibooten zwischen die Türme. Außerdem: der vordere Mast – im Bausatz als Dreibein ausgeführt - war zu diesem Zeitpunkt ein „Einbein“.
HMS Ajax 1/600 von Joerg Schumbert
Dieser Bausatz ist alt, sehr alt –ich habe inzwischen der modellmarine-Bausatz-Datenbank entnommen, dass er zum ersten Mal 1967 auf den Markt kam. Entsprechend gibt das Modell an Details nicht allzu viel her, die Kleinteile sind eher grobschlächtig (der Original-Kran ist eine Zumutung für jedermanns Netzhaut), und auch der Spritzguss kann mit starkem Versatz und Einsinkungen (jeder der 153mm-Türme weißt auf der Oberseite eine nette Delle auf) nicht wirklich begeistern.

Das Modell


Eigentlich bin ich eher zufällig auf den „Ajax“-Kit gestoßen. Ich stand im Modellbauladen und suchte einen einfachen Kit, da ich Schiffe in dieser Größe bis dahin noch nicht oft gebaut hatte – als Wiedereinsteiger ging es mir mehr um den Spass als die Details. Als ich dann zu Hause die Packung öffnete, war ich aber doch ein wenig über den Mangel an Details enttäuscht, und beschloss, das Modell mit ein paar einfachen Mitteln aufzuwerten.
HMS Ajax 1/600 von Joerg Schumbert
Angefangen habe ich mit dem Schornstein, dem ich einen Einsatz verpasste. Dieser wurde wie fast alle anderen selbstgebauten Teile aus über der Kerze gezogenem Spritzling improvisiert. Genauso verfuhr ich mit den Rohren vor und neben dem Schornstein sowie den vor dem Schornstein positionierten Antennen.
HMS Ajax 1/600 von Joerg Schumbert
Als nächste wurde das Beobachtungsflugzeug überarbeitet, es bekam einen Propeller und Verstrebungen zwischen den Tragflächen spendiert. Dann bekam das Katapult ein paar Querverstrebungen (im Original ist das nur ein offener Kasten), und der Kran musste einem Eigenbau weichen – hatte ich schon erwähnt wie hässlich das Original ist?
HMS Ajax 1/600 von Joerg Schumbert
Bei dem neben dem Flugzeug positionierten Rettungsboot habe ich mich übrigens an einer Abdeckplane versucht. Außerdem habe ich hier ein paar Leiteraufgänge zusammengeklebt. Auch die Rettungsflöße sind Marke Eigenbau, „Türen“ habe ich aus dünnen Plastikresten improvisiert, und die komplette Reling wurde auch wieder aus Spritzling gezogen.
HMS Ajax 1/600 von Joerg Schumbert
Den beschriebenen Fehler der Aufstellung der mittleren Artillerie habe ich leider zu spät erkannt und dann nicht mehr die Muße gehabt, ihn zu korrigieren. Also blieb als einzige Änderung des Bausatzes das Kürzen des Mastes um zwei Beine, außerdem habe ich die Takelage ein wenig ergänzt.
HMS Ajax 1/600 von Joerg Schumbert
Das Modell ist übrigens ein Vollrumpfmodell, den Rumpf habe ich einfach im Styropor versenkt. Das Wasser entstand nach der Silikon-Methode. „Inspiriert“ vom Bild auf der Bausatz-Schachtel habe ich die anfangs des Berichts vorgestellte Situation nachgestellt, der große weiße Fleck soll die Überreste eines Wassereinschlags einer deutschen Granate darstellen.
HMS Ajax 1/600 von Joerg Schumbert

Fazit


Mit dem Bausatz der „Ajax“ von Airfix erwirbt der Modellfreund einen nicht mehr ganz zeitgemäßen Bausatz – aber eben auch den einzig verfügbaren dieses Schiffes in Plastik.
Also bedarf es einiger zusätzlicher Arbeit. Die einfachste Lösung stellt der Fotoätzteile-Satz PE 617 von White Ensign Models dar. Die andere Variante: Eigenarbeit. Generell tendiere ich nach dem Bau dieses Modells eher zu der WE-Lösung, möchte aber doch eine Lanze brechen für einfachere, selbstgestrickte Lösungen. Das sieht vielleicht nicht ganz so hübsch aus, bietet aber einem Wiedereinsteiger wie mir eine gute Möglichkeit, seine Fingerfertigkeit im Umgang mit kleinsten Teilen zu üben, ohne dabei teure Ätzteile zu ruinieren. Außerdem erkennt man so schnell, ob man generell dem Bau von gescratchten Teilen zugeneigt ist. Deshalb mein Fazit: ruhig mal ausprobieren, es kost’ auch nix - außer Nerven!
Jörg Schumbert
HMS Ajax, Airfix Boxart