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Revell: deutsches Schlachtschiff Tirpitz (1/350) Drucken
Mittwoch, 27. März 2019 um 06:00

Tirpitz Deckelbild

Modell: Tirpitz Platinum Edition
Hersteller: Revell
Maßstab: 1/350
Material: Polystyrol (Spritzguss), Fotoätzteile, gedrehte Messingteile, Abziehbilder, brünierte Ankerkette, Holzdeck
Art.Nr.: 05160
Preis: 169 €

Das Original

Die Tirpitz war ein im Zweiten Weltkrieg eingesetztes Schlachtschiff der deutschen Kriegsmarine. Sie gehörte der Bismarck-Klasse an und war nach dem deutschen Marinestaatssekretär und Großadmiral Alfred von Tirpitz benannt. Bis heute wurde in Europa kein größeres Schlachtschiff gebaut. Den größten Teil ihrer Dienstzeit war die Tirpitz nach dem sogenannten Präsenzflotte-Konzept in Norwegen stationiert und bedrohte von dort allein durch ihre Präsenz die alliierten Geleitzüge nach Murmansk. Gegebenenfalls sollte sie helfen, eine alliierte Invasion in diesem Gebiet abzuwehren. Nach mehreren vergeblichen Angriffen auf die Tirpitz wurde sie am 12. November 1944 bei einem Luftangriff der Royal Air Force im Sandnessund, einer Meerenge südwestlich der Insel Tromsøya, zum Kentern gebracht. Das Wrack wurde in den 1950er Jahren von einem norwegischen Bergungsunternehmen vor Ort verschrottet.

32 Lancaster-Bomber der RAF Station Lossiemouth (Schottland) griffen am 12. November 1944 die Tirpitz unter Idealbedingungen an: Klare Sicht, keine Nebelmaschinen in der Umgebung des Liegeplatzes, und die Jäger der deutschen Luftwaffe starteten nicht. Zwei der 29 abgeworfenen „Tallboy“-Bomben trafen das Schiff an Backbord auf Höhe des Katapults und von Geschützturm C („Caesar“) und durchschlugen das Panzerdeck. Mehrere Nahtreffer beschädigten den Schiffsrumpf schwer. Kurze Zeit später kam es an Bord zu einer Explosion, bei der Turm C aus seiner Bettung gehoben wurde und 12 Meter entfernt auf das Deck stürzte. Daraufhin wurde der Mannschaft, die wegen der Nähe zum Land keine Schwimmwesten angelegt hatte, der Befehl „Alle Mann von Bord“ erteilt. Die Tirpitz kenterte, bis die Aufbauten im seichten Wasser auf Grund lagen. 1204 Mann der Besatzung kamen ums Leben, 890 wurden gerettet, davon wurden 84 mit großem Aufwand aus dem Rumpf herausgeschnitten. Aus dem Wrack wurden noch während der deutschen Besatzungszeit in Norwegen bis zum Mai 1945 wichtige Teile ausgebaut.

Dann übernahm Großbritannien das Wrack. Die Engländer bauten alles ab, was militärisch wichtig und wertvoll war. Nach diesen Arbeiten am Schiff übergaben die Engländer das Wrack an Norwegen. 1947 kaufte der Norweger Einar Høvding die Tirpitz für eine gerade von ihm gegründete Abbruchfirma Høvding Skipsopphuggeri. Mit 40 Arbeitern, darunter 15 Hamburger Unterwasser-Spezialisten, begann die Bergung noch brauchbaren Materials. Bis in die 1950er-Jahre wurde das Wrack vor Ort abgebrochen. Teile der Rumpfpanzerung wurden später von dem Solinger Messerhersteller Böker zu Damast-Taschenmessern verarbeitet. In der Nähe des alten Ankerplatzes gibt es in Kåfjord am Altafjord ein Tirpitz-Museum. Auf der Insel Håkøya erinnern heute ein Denkmal aus einer Rumpfplatte der Tirpitz und ein riesiger Bombentrichter an die Toten des letzten deutschen Schlachtschiffs. Das erste Elektrizitätswerk Honningsvåg auf der Insel Magerøy, heute ein Museum, trug den Namen Tirpitz: Einer der geborgenen Hilfsdiesel der Tirpitz fand hier Verwendung. Im Auto- und Technikmuseum Sinsheim können eine Decksplatte, eine leichte Flak und ein Teil eines Mittelartillerierohrs des Schlachtschiffes besichtigt werden. Die Stadt Oslo kaufte einen Teil der Panzerplatten der Tirpitz (Tirpitz-plater). Diese Teile stammen vermutlich von der inneren Panzerung bei den Schotts zum Torpedoraum der Tirpitz. Diese Platten werden immer noch in Oslo als Abdeckplatten im Kanalisations- und Straßenbau genutzt. Die Seekriegsflagge der Tirpitz befindet sich heute als Exponat 00662 in der Sammlung des wehrgeschichtlichen Ausbildungszentrums der Marineschule Mürwik. Nicht unwesentlich zum Versenken der Tirpitz trugen Informationen des norwegischen Widerstandskämpfers Torstein Raaby bei, der den Briten regelmäßig per Funk Informationen übermittelt hatte. Raaby wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Im Jahre 2014 wurden die Reste des Wracks der Tirpitz vom norwegischen Riksantikvar unter Denkmalschutz gestellt.

(Quelle Wikipedia)

Der Bausatz

Augenscheinlich und zugleich werbewirksam, sind im unterem linken Eck des Deckels die von Pontos beigelegten Rüstsätze zur "SUPER DETAILIERUNG" aufgedruckt. Dem gegenüber weist ein rotes Banner auf die "Sonder Edition" hin. Dabei wird das schöne Bild der Tirpitz, übernommen aus dem ersten Bausatz 05096 von 2009, etwas zerschnitten. Angesichts des versprochenen Inhalts ist dies aber leicht zu verschmerzen. Gespannt ziehe ich den Deckel der stabilen Schachtel ab und sehe einen fein säuberlich verstauten Bausatz. Beide Rumpfhälften wie auch das Deck sind gegen verrutschen per Kartonageneinlagen gut gesichert.

Unter dem Deck befinden sich die Spritzrahmen, das Pontos-Zubehör und die beiden Pläne samt Decal und Bemalungsanleitung. Bis dato der am wertigsten verpackte Bausatz von Revell, den ich gesehen und geöffnet habe. Mittlerweile ist es ja bekannt, das Revell mit dem reinen Bausatz aus Plastik die bis heute beste Tirpitz im 350iger Maßstab verwirklicht hat. Geschuldet ist dies der Neugestaltung und Änderung von 150 Bauteilen. Getrost darf man hier auch der Recherche von Revell vertrauen. Die in den meisten Foren beschriebenen kleinen Abweichungen nehme ich hier zur Kenntnis. Sie sind mit kleinen "Modellbaueinlagen" leicht zu beheben. Inwieweit der Modellbauer hier Änderungen in der Ausrüstung oder der Form vornimmt, sollte jeder für sich entscheiden. Gutes Bildmaterial und eingehende Recherche ist hier vorauszusetzen. Solange es keine wirklich groben Schnitzer sind, ist mir die Umsetzung des Bausatzes wichtiger. Genüsslich überprüfe ich zuerst einmal den Schachtelinhalt auf Vollzähligkeit. Aufgrund der vielen Messingteile und der stattlichen Anzahl an Plastikteilen geht schon mal eine halbe Stunde ins Land. Dabei füge ich beide Rumpfhälften zusammen und lege das Deck auf. Passgenau fügen sich diese drei Teile zusammen. Da erlaube ich mir vorherzusagen, das es um die vielen anderen Bauteile genauso gut bestellt ist.

Einzig die dreiteiligen Einsätze für die linke und rechte Schraube benötigen etwas an Spachtelmasse.

Grund hierfür dürfte die gesamte Ausführung der Spritzgussteile sein. Im großen und ganzen sind sie recht ordentlich gemacht, kommen aber nicht an die Qualität fernöstlicher Hersteller heran. Die Details könnten etwas mehr an Schärfe vertragen und ab und zu findet man eine Fischhaut. Zudem sind die V-förmigen Lagerböcke der Beiboote sehr einfach gehalten.

Leider sieht der umfangreiche Ätzbogen hier keine Abhilfe vor. Etwas Eigeninitiative ist hier gefragt. Zurück zum Rumpf: Mittels zweier feiner erhabener Gravuren ist der Wasserpass auf dem Rumpf verewigt. Die Stärke stimmt mit der Risszeichnung im Farbprofil überein. Gegenüber dem Rumpf der Bismarck, hat Revell die Bug und Heckpartie überarbeiten müssen. Hierfür wurden neue Einsätze, die die Anordnung der Bullaugen berücksichtigen, in die bestehende Form eingesetzt. Dabei entstanden leichte Ungenauigkeiten, die mit ein wenig Schleifarbeit auszugleichen sind. Ob man die Bullaugen aufbohrt und verglast, oder meiner Meinung nach mit dunkelblauer Farbe und anschließendem Klarlacktropfen versieht, denke ich, ist reine Geschmackssache.

Außen am Rumpfboden, wo die im Innern quer zur Fahrtrichtung verlängerten Loch- und Stiftversteifungen sind, ist das Plastikmaterial eingesunken. Hier hilft nur Spachtelmasse und verschleifen. Eine Aufgabe für all diejenigen, die es 100%ig machen wollen. Ansonsten steht das Schiff auf den Ständer, der wiederum fast die ganze Schwachstelle verdeckt. Apropos Ständer: für ein solch imposantes Modell kommt für mich nur ein Holzsockel mit Messing- oder Edelstahlprofilen zum Einsatz. Rein aus den Plastikteilen ein sehr gutes Modell zubauen, ist sozusagen nur mit Eigeninitiative zu bewerkstelligen. Das dies möglich ist, zeigt das von Revell fotografierte Modell.

Foto: Revell

Und genau hier setzt nun Revell mit der Platinum Edition an. Drei Ätzbögen, 123 Messingteile und das Holzdeck lassen das Herz eines jeden Modellbauers höher schlagen.

Vorausgesetzt ist natürlich eine große Erfahrung mit den zu verarbeiteten Materialien. Eine Biegehilfe für die Ätzteile und ein Applikator für den Superkleber ist unerlässlich. So gut wie kein Bauteil auf dem Deck wird unbearbeitet belassen. Einige Baugruppen, der Mast, die Reling, die 20 mm Flak oder die Ankerkette werden gänzlich ersetzt.

Ob Gitterabdeckungen, Antennen, Leitern, Gangways, Kräne, Wasserbrecher, Beiboote oder Schornstein usw., alle müssen sich einer Schönheitsoperation unterziehen.

Ein österreichischer Getränkehersteller würde sagen: "diese Platinum Edition verleiht Flüüüüügel". Dabei werden viele Bausatzteile erst gar nicht benötigt. So z. B. die kompletten Rohre der Geschütze. Leider fehlen die sogenannten "Blast Bags", die Rohrhosen, die die Geschützrohre zum Turm hin abdichten. Mit Modelliermasse wird hier Abhilfe geschaffen.

Bei den mit Zubehör aufzuwertenden Plastikteilen rückt man mit Feile und Bohrer zu Leibe und bereitet sie für die Verfeinerung mit den neuen Teilen vor. Sozusagen überarbeitet man jedes Bauteil. Dabei fallen kleine Unstimmigkeiten wie die erhabenen Gravuren der Arado Ar 196 und deren zu großer Spinner gar nicht so auf. Sie werden einfach gleich dem hohen Standard, den die Ätzteile vorgeben, angeglichen.

Um das Bastelniveau des Eigentümers vom Bausatz zu testen, beginnt der Plan für das Zubehör mit der Detaillierung der beiden Kräne. Grob geschätzt müssen 50 Ätzteile in den angegebenen Winkeln gebogen werden. Einige Drehteile aus Messing müssen, so wie in der Anleitung gezeigt, zerteilt werden, um anschließend als Achse/Stütze am Kran Verwendung zu finden. Als Ergebnis erscheint der Kran in einer äußerst filigranen Optik. Spätestens jetzt muss einem die Tragweite dieses Modellbauprojektes bewusst werden.

Fotos: Revell

Wie eingangs erwähnt, bleibt so gut wie kein Bereich des Schiffes unberührt. Auf 10 Seiten mit zusammen 41 Baustufen (die oftmals mehrfach anzufertigen sind) wird diese Anleitung die wichtigere von beiden sein. Wann, wo und was geändert oder neu zu erstellen ist, wird, was das Zubehör betrifft, mittels Fotos und leicht verständlichen Zeichnungen gezeigt. Wohl gemerkt, ich spreche hier von der Bauanleitung für das von Pontos hergestellte Zubehör. Gerade einmal 0,15 mm Stark sind die Ätzplatinen. Umgerechnet auf das Original komme ich auf eine Materialstärke von 52,5 mm. Für die meisten Bereiche, in denen die Ätzteile Verwendung finden, die richtige Materialstärke. Mehr an Realismus ist derzeit und bis auf weiteres auch nicht möglich. Das die gedrehten Messingteile die auszutauschenden Plastikteile im Vergleich zur naturgetreuen Wiedergabe geradezu pulverisieren, ist jedermann klar. Allein schon aus Gründen der Stabilität wegen und der Formhalber, führt kein Weg an diese Aufwertung vorbei. Dabei sind die Rohrwaffen mit einer Mündung angedeutet. Gleiches gilt für die Ankerkette.

Auf 32 Seiten zeigt die im typischen Revell-Format gehaltenen Bauanleitung für den Bausatz in 98 Baustufen den Zusammenbau der Tirpitz. Alle Farbangaben sind natürlich dem hauseigenen Farbprogramm entnommen. Wie in einem stimmigen Duett, führen so beide Pläne durch den Bau. Eine DIN A3 große, beidseitig bedruckte Bemalungsanleitung zeigt die zwei möglichen Markierungsoptionen. Ausrüstungstechnisch gleichen sich beide wie eineiige Zwillinge. Wie schon erwähnt, kann es durchaus sein, dass sich hier nach eingehender Information noch kleine Änderungen ergeben könnten.

Bedenken zum Holzdeck habe ich folgende: zwar habe ich noch nie ein selbstklebendes Holzdeck verbaut, traue aber der Klebekraft der Selbigen auf der Rückseite nicht ganz. In dieser Frage ist Erfahrung gefragt, die ich selber erarbeiten muss. Wahrscheinlich ist es nur die kleine Angst vor neuem und falls nötig mit einem kleinem Trick/Kleben leicht zu lösen.

Verbleiben noch die Abziehbilder. Revell verwendet hier den gleichen Satz wie bei der Erstausgabe. Logisch, so viele Möglichkeiten gab es ja nicht. Ohne Versatz, sehr sauber gedruckt und auf einem dünnem Trägerfilm gedruckt, präsentieren sich die Bildchen dem Betrachter.

Gerade zu interessant finde ich die zwei Bemalungsmöglichkeiten, die Revell hier vorgibt. Deswegen, weil auf der Backbordseite Flächen der Segmenttarnung in einem blaugrau dargestellt werden, wobei 1943 der Anteil dieser Farbe stark reduziert ist. Da ich kein ausgesprochener Historiker und Spezialist hinsichtlich der Rüstzustände und Farbgebung von Kriegsschiffen der deutschen Kriegsmarine bin, würde ich, auch wenn hier Zweifel bestehen auf jeden Fall die Tirpitz so gestalten wie Revell es vorsieht. Aus einen ganz einfachen Grund: es sieht verdammt gut aus!

Abziehbilderoptionen

  • Tirpitz, Altafjord, Norwegen, Juli - September 1942
  • Tirpitz, Kaafjord, Norwegen, 6. - 9. September 1943, Operation Sizilien

Fazit

"Wenn schon dann denn schon". An dieser Tirpitz führt für den ambitionierten Modellbauer kein Weg vorbei. Gemessen an dem Preis im Vergleich zur fernöstlichen Konkurrenz, bekommt man hier einen anständigen Basisbausatz, der zudem mit einem hervorragenden Set vom Schiffsspezialist Pontos aufgewertet ist. Die kleinen Schwachstellen, die der Plastikbausatz aufweist, fallen aufgrund des hohen Bauaufwandes kaum ins Gewicht. Zumal sie leicht zu beheben sind. Einzig um eine Besatzung würde ich mich noch Bemühen. Der Zubehörmarkt offeriert hier einige sinnvolle Sets. Es muss einem auch klar sein, dass es sich hier um ein "Jahresprojekt" handelt. Dafür bekommt man eine wunderbare Replik des größten je in Europa gebauten Schlachtschiffes. Darum ist dieser Bausatz nur dem erfahrenen Modellbauer zu empfehlen. Bitte zugreifen solange der Vorrat reicht!

alt sehr empfehlenswert


Guido Veik

Wir danken Revell für das Bausatzmuster