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Spähschiff Carlo Mirabello (1/700, Regia Marina) von Lars Scharff Drucken
Freitag, 09. September 2011 um 07:00

Carlo Mirabello

Das Original

In der italienischen Marine gab es von 1911-1938 die Kategorie esploratori, d.h. Schiffe, die der Aufklärung dienten – eine Aufgabe, die vor der Einführung des Flugzeugs meist von Kreuzern ausgeführt wurde. Die esploratori wurden in größere (esploratori oceanici), die Spähkreuzern anderer Marinen entsprachen, und kleinere Einheiten (esploratori leggeri), die oft übersetzt als Zerstörerführer bezeichnet werden, eingeteilt. Allerdings wurden die esploratori leggeri nicht als Zerstörerführer geplant, sondern waren als billigere Variante der Spähkreuzer für ähnliche Aufgaben vorgesehen. Ihre Entwicklung leitete sich von den Zerstörern her, entsprechend waren sie nicht gepanzert. Sie waren größer und stärker gebaut als zeitgenössische italienische Zerstörer und im Vergleich fiel die Bewaffnung mit Geschützen stärker und mit Torpedos schwächer aus. Die späteren französischen Großzerstörer aus der Zeit zwischen den Weltkriegen wurden nach ähnlichen Gesichtspunkten entworfen.

Die Mirabello-Klasse war eine um etwa 750 t vergrößerte Version der Poerio-Klasse, der ersten Klasse dieses Typs. Die Zahl der 10,2 cm-Geschütze wurde um zwei auf acht verstärkt, die Maschinenleistung wurde mehr als verdoppelt, so dass die Geschwindigkeit gesteigert werden konnte. Drei Schiffe der Klasse wurden gebaut – Carlo Mirabello, Carlo Alberto Racchia und Augusto Riboty. Racchia ging 1920 während der Intervention in den Russischen Bürgerkrieg durch einen Minentreffer verloren, die beiden anderen Schiffe wurden 1938 zu Zerstörern umklassifiziert und waren noch im Zweiten Weltkrieg im Einsatz.

Ursprünglich sollten die Schiffe mit acht 10,2 cm L/35-Geschützen und zwei 7,62 cm-Flak bewaffnet sein. Nur Mirabello wurde so fertig gestellt, die anderen beiden erhielten statt des vorderen 10,2 cm-Geschützes ein 15,2 cm L/45, womit auch Mirabello 1917 nachgerüstet wurde. Das Geschütz erwies sich zu schwer und 1920-22 erhielten sie stattdessen acht 10,2 cm L/45 und zwei 4 cm-Flak. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs waren die Schiffe veraltet und sollten eigentlich außer Dienst gestellt werden. Sie wurde stattdessen als Geleitschiffe weiter genutzt. Riboti hatte 1943 nur noch vier 10,2 cm, sechs 2 cm, keine Torpedorohre, dafür aber mehr Wasserbomben.

Carlo Mirabello war 103,75 m lang, 9,7 m breit und verdrängte voll beladen 1970 t (2040 t?). Ihre Turbinen leisteten 44 000 PS, womit sie bei den Probefahrten 33,74 kn erreichte (Raccia erreichte 35,4 kn).

Bewaffnung 1925
8 x 10,2 cm L/45 (Einzellafetten)
2 x 4 cm L/39 Vickers (Einzellafetten)
2 x 6,5 mm MG
4 x 45 cm Torpedorohre (zwei Zwillingsrohre)
1 Macchi Bordflugzeug
Wasserbomben

Carlo Mirabello

Carlo Mirabello wurde von 1914-16 bei Ansaldo in Genua gebaut und war danach in Brindisi stationiert, von wo aus sie im Ersten Weltkrieg zahlreiche Einsätze in der Adria fuhr. Am 14./15. Mai 1917 war sie an der Schlacht in der Otranto-Straße beteiligt. Zusammen mit den französischen Zerstörern Commandant Rivière, Bisson und Cimeterre versuchte sie die österreichisch-ungarischen Spähkreuzer (Rapidkreuzer) Novara, Saida und Helgoland abzufangen, die die Trawler der Otranto-Sperre angegriffen hatten. Da sie den drei Kreuzern artilleristisch unterlegen war, musste Miraballo auf Distanz gehen, konnte aber die britischen Leichten Kreuzer Dartmouth und Bristol sowie fünf italienische Zerstörer, später auch den italienischen Spähkreuzer Marsala, das Schwesterschiff Racchia und drei weitere italienische Zerstörer heranführen. Die drei österreichischen Kreuzer konnten aber, u.a. mit Hilfe des Panzerkreuzers Sankt Georg und drei U-Booten, deren Torpedos Mirabello zwei Mal ausweichen musste, entkommen.

Danach geleitete sie mehrfach Schnellboote des MAS-Typs bei Angriffen auf österreichisch-ungarische Stützpunkte und Konvois und war an Minenlegeoperationen sowie Truppentransporten beteiligt. Am 9. November 1918 besetzte sie zusammen mit dem Schwesterschiff Racchia die Insel Lissa (heute Viz). Carlo Mirabello fuhr insgesamt 65 Kampfeinsätze im Ersten Weltkrieg.

Carlo Mirabello

Zwischen den Kriegen geleitete sie den Spähkreuzer Brindisi (ex Helgoland), der den italienischen König an Bord hatte, am 15. März 1924 nach Fiume (heute Rijeka), um die Stadt in italienischen Besitz zu nehmen. Danach war sie von April bis Oktober auf einer längeren Fahrt bis in die Ostsee, wobei sie 30 Häfen in 19 Staaten besuchte. 1936 bis 1938 war sie mehrfach an Interventionen in den Spanischen Bürgerkrieg beteiligt. 1938 wurde sie zum Zerstörer (cacciatorpediniere) umklassifiziert, bis 1940 wurde sie dann als Schulschiff verwendet.

Nachdem Italien in den Zweiten Weltkrieg eingriff, wurde Carlo Mirabello zum Schutz von Geleitzügen nach Albanien und Griechenland verwendet. Am 21. Mai 1941 geleitete sie Transporter nach Patras, als sie dem Kanonenboot Matteucci, was auf eine Mine gelaufen war, zur Hilfe kommen wollte. Dabei lief selbst in das von dem britischen Minenleger Abdiel gelegte Minenfeld und musste aufgegeben werden.

Carlo Mirabello

Das Modell

Das Modell habe ich aus dem Bausatz von Regia Marina gebaut. Aus dem Bausatz kann man alle drei Schiffe der Klasse im praktisch jeden Bauzustand bauen. Es liegt auch ein als Macchi L.3 bezeichnetes Bordflugzeug bei - weshalb ich mich für den Bauzustand von 1925, als das Flugzeug zeitweise mitgeführt wurde, entschied.

Am Rumpf gab es ein paar Unsauberkeiten, er war auch etwas verbogen, was sich aber durch Baden in kochendem Wasser wieder korrigieren lies. Beim Zusammenbau habe ich mich weitgehend an die Bauanleitung gehalten. Die Masten habe ich allerdings in Untermasten und Spieren geteilt und Rahe ergänzt. Die Rohre der 10,2 cm-Geschütze sind gekürzte 10,5 cm-Rohre von BMK. Bei den Booten und dem Rumpf des Bordflugzeugs gab es größere Luftblasen, so dass ich deren Bug mit Wachs neu modellieren musste.

Der genaue Typ des Bordflugzeugs ist mir nicht klar, auf den Fotos kann man leider nicht viel erkennen. Es ist aber recht sicher ein Macchi-Flugboot. Der Rumpf besteht aus einem Resinteil, genauso die Schwimmer und der Motor - wobei die Teile für die letzten drei etwas seltsam sind (oder ich die Anleitung nicht verstanden habe), so dass ich sie modifizieren muste. Die Idee der geätzten Flügel, Höhen- und Seitenleitwerke finde ich gut. Die Verstrebungen zwischen den Flügeln habe ich gekürzt, da mir der Abstand zwischen den Flügeln viel zu groß erschien.

Carlo Mirabello

Die vertikalen Flächen wurden mit Vallejo 164 Graublau Dunkel und die Decks mit Vallejo 160 Neutralgrau bemalt. Das Innere der Boote ist mit Vallejo 110 Achatgrau gestrichen. Gealtert wurde der Rumpf mit Vallejo 120 Beige und Vallejo 139 Mahagonibraun. Die Schornsteinbänder wurden aufgemalt, die "MR"-Kennung sind modifizierte Abziehbilder ("M" und "P") von Delphis Models (Decals Navi moderne MMI).

Auf den Fotos war der Anstrich des Bordflugzeugs nicht erkennbar, in der Anleitung war das Schema aus dem Ersten Weltkrieg mit entsprechenden Hoheitszeichen dargestellt. Mein Modell zeigt eine Kombination des Anstrichs aus dem Ersten Weltkrieg, aber mit Markierungen nach der Machtübernahme der Faschisten (siehe Quellen unten). Der Rumpf des Bordflugzeugs habe ich mit Vallejo 136 Rotes Leder und die Tragflächen mit Vallejo 120 Beige bemalt. Die Hoheitszeichen des Bordflugzeugs sind aufgemalt, da es meines Wissens keine italienischen Hoheitszeichen für die Epoche 1922-1940 im Maßstab 1/700 gibt.

Carlo Mirabello

Quellen

Carlo Mirabello

Lars