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Dragon: Lenkwaffenkreuzer USS Long Beach CGN-9 (1/700) Drucken
Dienstag, 25. Januar 2011 um 07:00
Seitentitel

Modell: U.S.S. Long Beach CGN-9
Hersteller: Dragon
Maßstab: 1/700
Material: Polystyrol, Fotoätzteile, Abziehbilder
Art.Nr.: 7091
Preis: 36,30 €

Das Original

 

Die USS Long Beach CGN-9 war das erste nukleargetriebene Überwasserschiff der U.S. Navy, das erste große Kampfschiff, das ausschließlich zur Aufnahme von Lenkwaffen konstruiert worden war und der erste "echte" Kreuzer, der nach dem Zweiten Weltkrieg von Grund auf neu für die U.S. Navy konstruiert und gebaut worden war.

Ursprünglich wollte nur eine nukleargetriebene Fregatte von ca. 8.000 ts entstehen. Durch Einführung immer neuer Lenkwaffensysteme und die allgemeine Unterschätzung des Größenbedarfs von Atom-Schiffen wurde die Konstruktion immer wieder erweitert bzw. vergrößert, bis ein "echter" Kreuzer entstand. Mit FY 1957 wurde der Neubau (SCB 169) autorisiert, als Name war Brooklyn vorgesehen, dieser wurde jedoch bald in Long Beach abgeändert. Gebaut wurde das Schiff bei Bethlehem Steel in der Fall River Shipyard in Quincy, Massachusetts. Die Kiellegung erfolgte am 2. Dezember 1957 und am 14. Mai 1959 wurde das Schiff auf den Namen Long Beach getauft.
Am Morgen des 5. Juli 1961 fuhr das Schiff erstmals aus eigener "Atom"-Kraft. Am 9. September 1961 stellte es in Gegenwart des Marineministers John B. Connally in der Boston NSY in Dienst. Zugeteilt wurde das Schiff der Atlantikflotte, als Heimathafen wurde Norfolk bestimmt. Erster Kommandant des Schiffes war Captain E.P. Wilkinson. Das Schiff führte bei der Indienstsellung noch kein SPS-33 Radar und keine Geschütze.
Nach Indienststellung bei der Atlantischen Flotte folgte bereits im Januar 1962 eine Fahrt nach Europa. Während der Werftliegezeit 1962/63 erfolgte die nachträgliche Installation von SP-33-Radar und der beiden 12,7-cm-Einzeltürme sowie der beiden Geschütz-FL-Anlagen Mk 56. Im August 1963 folgte eine Mittelmeerfahrt, danach - ab Mai 1964 - zusammen mit Enterprise und Bainbridge die Bildung der „Nuklear Task Force 1“. Vom Juli bis zum Oktober 1964 folgte eine gemeinsame Reise dieses Kampfverbandes um die Weltkugel. Nach der Rückkehr von der Weltreise blieb Long Beach zunächst weiterhin an der Ostküste und wurde im Februar 1966 zur Westküste verlegt. Vor der Vietnam-Küste wurde Long Beach zur Leitung der über dem Festland operierenden Flugzeuge eingesetzt. 1968 schoss das Schiff selbst mit Talos-FK zwei MIG-Flugzeuge über dem Festland ab. Als die Idee von der Schaffung von „Strike Cruisers“ mit mehreren Kampfsystemen aufkam, unter denen vor allem die AEGIS/Mk 26-Kombination, aber auch die Verwendung des Marsch-FK Tomahawk an erster Stelle stand, plante die Navy 1977 ernstlich, auch die Long Beach ab Anfang der 80er Jahre als „Strike Cruiser“ umzubauen. Diese Maßnahme war auch deswegen schon notwendig, weil nach Auslaufen der Talos-Produktion die Lenkwaffenanlage Mk 12 auf dem Achterschiff nutzlos geworden war und entfernt werden musste. Der Umbau wurde von der Carter-Regierung allerdings abgesagt. Bereits Anfang 1980, als Long Beach eine Einsatzfahrt in den Westpazifik unternahm, präsentierte sie sich noch mit den bisher geführten Radaranlagen, die demnächst durch SPS-48 und 49 ersetzt werden sollten. Die beiden FL-Anlagen SPG-49/SPW-2 wurden entfernt und an Stelle des ebenfalls entfernten Starters Mk 12 waren jetzt zwei Vierrohr-Starter für Harpoon-FK. SQS-23-Sonar wurde druch SQQ-23 PAIR ersetzt. 1983 erfolgte mittschiffs der Einbau von zwei CIWS-Systemen zum Abschuß feindlicher Raketen. Seit 1985 führte Long Beach zwei Amored Box Louncher für Tomahawk-FK, deren erster Abschuß erfolgte am 30. Juni 1986.
Der Lenkwaffenkreuzer USS Long Beach CGN-9 wurde am 1. Mai 1995 außer Dienst gestellt und warten in Bremerton, Washington auf den Abbruch, der 2010 noch nicht endgültig vollzogen war.
 
Technische Daten
Wasserverdrängung     17.350 ts
Abmessungen           219,8 x 22,3 x 9,4 m
Antriebsanlage        2 Atom-Reaktoren C1W, Getr.-Turbinen
Leistund in PS/       80.000/2
Schrauben
Geschwindigkeit       30,5 kn              
Fahrbereich           90.000/30; 360.000/20
Besatzung             79/1081
 
Bewaffnung
Bei Indienststellung 1 Talos-Doppelstarter Mk 12
2 Starter Mk 10 Mod. 1/2 für Standard ER
1 ASROC - Mk 16
2 x 12,7 cm-L/38 - Mk 30 (ab 1962/63)
6 UTR - Mk 32
später zwei Starter Mk 141 für Harpoon (1979)
2 x  20 cm CIWS - Mk 15 (1983)
2 Tomahawk ABL (1985)

Der Bausatz

Gab es bisher in 1/700 nur vom amerikanischen Hersteller JAG Collective ein Modell der USS Long Beach CGN-9 in der Resinausführung, so liefert nun Dragon die Spritzgussversion im beliebten Sammlermaßstab. Der Guss ist auf dem Stand der Zeit, ohne wesentliche Gratbildung und sichtbare Auswerfermarken. Baubar sind die beiden Versionen von 1961 und 1967, worauf die Bauanleitung in Einzelheiten näher darauf eingeht.
Der Rumpf ist an der Wasserlinie geteilt, Form, Länge und Breite sind für den Maßstab richtig umgesetzt. Beide Rumpfhälfte haben jedoch in der Passung zueinander einiges an Versatz. Die Platte für die Wasserlinien-Option fehlt allerdings, so dass nur ein Vollrumpfmodell baubar ist. Hier hat der Modellbauer jedoch die Wahl der Eigeninitiative.
 
Rumpf Rumpf
Rumpf Rumpf
 
Spritzling C links im Bild enthält die Antriebsanlage, das Backdeck, Teile für die Aufbauten und den würfelförmigen Brückenaufbau. Daneben Spritzling D mit Teilen für die Talos- und Terrier-Doppelarmstarter, die Flugabwehrraketen selbst, Beiboote, Davits. Weiterhin die SPG-49-Radarbeleuchter für das FK-System Talos, die Radarbeleuchter SPG-55 für die Terrier-Luftabwehrraketen.
 
Spritzling C Spritzling D
 
Die Spritzlinge E, F, G und I enthalten u. a. Teile der Aufbauten mit den vorderen Magazinen für die Standard ER-Flugkörper, die gut umgesetzt sind und von der Seite her beim Original deutliche Unterschiede zeigen, den Aufbau mittschiffs und achtern mit dem Talos-Magazin. Weiterhin sind Teile für den Pfahlmast, das SPS-32 -und SPS-33-Radar, einem Vorläufer des heutigen AEGIS-Systems, TACAN und ECM-Antennen, sowie das Munitionsübernahmegerät enthalten. Die Peitschenantennen G 17 wirken in der Plastikversion allerdings zu dick.
 
Spritzlinge E, F, G, I Spritzlinge E, F, G, I
 
Spritzling H enthält u.a. Teile für die 12,7-cm-Geschütze, J in doppelter Version die Geschütztürme selbst.
Spritzling H Spritzling J
 
Gut wiedergegeben sind die Flugkörper des Talos-FK-Systems links und des Terrier-FK-Systems rechts im Bild.
 
Talos-Flugabwehrraketen Terrier-Flugabwehrraketen
 
Die Beiboote und die Davits sind hier links im Bild etwas zu klobig und zu dick geraten, aber noch vertretbar. Der Modellsockel links stabil und ohne Aufnahmebohrungen die selbst angebracht werden müssen.
 
Beiboote Modellsockel
 
Unten eine vorläufige Passprobe mit Maßstab zum Größenvergleich des Modells. Wie erwähnt ist die Passung der beiden Rumpfteile zueinander nachbearbeitungsbedürftig. Ohne Spachtel- und Schleifarbeiten wird man hier nicht auskommen.
 
Passprobe 
 
 

Die Fotoätzteile

Die beiligende Fotoätzteilplatine ist nur bedingt brauchbar und enthält Teile für die Radarantenen, Niedergänge, Leitern und Plattformen für die Aufbauten. Relingteile fehlen gänzlich, hier wird der ambitionierte Modellbauer im Aftermarket-Bereich fündig. Wünschenswert wäre, wenn die namhaften Hersteller WEM oder GMM zukünftig eine entsprechende Platine für den Lenkwaffenkreuzer im Sortiment hätten.
 
alt

 

Decals

Der Decalbogen ist sauber gedruckt und ohne Versatz, enthält die Schiffskennung, Warning-Circles, die Markierung für das Heli-Deck, Flaggen und Abzeichen.

Abziehbilder 

Die Anleitung

Der Bauplan ist gut verständlich in der Gliederung und führt den Modellbauer in 11 Baustufen sicher zum ziel. Farblich abgesetzt sind die Teile für die baubaren Versionen von 1961 und 1967. Für die spätere Version muss das Modell in Eigeninitiative durch zusätzliche Bauteile und Masten ergänzt werden. Das Farbeschema bezieht sich auf das Farbsortiment von Gunze. Für authentische Farbgebung sind allerdings die Coloarcoats von White Ensign Models aus UK empfehlenswert. Das Hauptdeck war allerdings teilweise mit Holz beplankt, dazu fehlen Farbangaben.
 
Bauanleitung Bauanleitung Bauanleitung

Quellen

Wilhelm M. Donko Die Atomkreuzer der U.S. Navy, Bechtermünz Verlag, Augsburg 1997
Stefan Terzibaschitsch Seemacht USA Band 1, Bechtermünz Verlag, Augsburg 1997

 

Fazit

Spritzgusstechnisch auf der Höhe der Zeit präsentiert sich der neue Dragon (CyberHobby-)-Bausatz mit guter Detaillierung. Ein Manko ist die etwas mangelhafte Passung beider Rumpfhälften zueinander. Eine Wasserlinienplatte fehlt, die Fotoätzteile sind ergänzungsbedürftig und nur teilweise brauchbar. Trotz allem noch

 

alt empfehlenswert

Jörg