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13.09.1941 - 80 Jahre Unternehmen Beowulf

 

Küstenpanzerschiff Ilmarinen (1/700) und Patrouillenboot VMV


Heute vor 80 Jahren, am 13. September 1941, begann mit der deutsch-finnischen Landung auf Moon das Unternehmen Beowulf. Mit dem Untergang des Küstenpanzers Ilmarinen traf die finnische Marine der größte Verlust ihrer Geschichte (siehe Jahrestage auf Modellmarine).

Küstenpanzerschiff Ilmarinen (1/700) und Patrouillenboot VMV

Die finnische Marine

Die finnische Marine wurde 1918 gegründet, als sich Finnland von Russland lossagte. Ihrer Schiffe waren alte russische zurückgelassene Schiffe, meist kleinere Einheiten wie Torpedoboote, Patrouillenboote, Kanonenboote. Größere Einheiten waren im Winter 1918 nach St. Petersburg zusammengezogen worden, wo sie die Rote Baltische Flotte bildeten. Aus Budgetgründen konnte sich Finnland kaum neue Einheiten leisten. Dafür verfügte Finnland aber über eine gut ausgebaute Kette von Küstenforts mit ehemals russischer schwerer Artillerie von Åland bis Koivisto nahe St. Petersburg. Das Konzept sah vor, dass diese zusammen mit Minensperren die Gefahr der russischen Flotte bannen sollten. Von 1930-1940 wurden die Küstenpanzer Ilmarinen und Väinämöinen zur Absicherung der Lücken zwischen den Forts, Minenleger zum schnellen Verlegen von Sperren sowie einige U-Boote und Schnellboote (VMV) angeschafft.

Allerdings hatte die finnischen Marine kein operatives Einsatzkonzept. So gab es zum Beispiel keine Zerstörer oder Fregatten, die den Küstenpanzern bei Operationen Geleit hätten geben können. Ferner besaß man unzureichend Kapazitäten zum Minenräumen und -legen. Nur schlechtes Wetter schützte lange Zeit finnische Handelsrouten. Später unterstützte die deutsche Kriegsmarine durch massive Minensperren.

Küstenpanzerschiff Ilmarinen und Minenleger Brummer II (1/700)

Unternehmen Beowulf und Nordwind

Im Rahmen des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion (Unternehmen Barbarossa) wurden mit der Operation Beowulf auf den Inseln Moon, Ösel (Saaremaa) und Dagö (Unternehmen Siegfried) gelandet. Die Operation begann ab 8.9.1941, die Landungen selbst ab 13.9. und dauerten bis 21.10.1941. Eine Kreuzergruppe aus Emden, Köln und Leipzig sowie eine Vielzahl von T-Booten und M-Booten gab Deckung und unterstützten die Landungseinheiten durch Küstenbeschuss. Sowjetische Aktionen zur See waren lediglich einige Angriffe von Schnellbooten und U-Booten. Eine Gesamtliste befindet sich hier.

Zur Ablenkung gab es am 13.9. die Scheinunternehmen Nordwind, Westwind und Südwind. Nordwind bestand aus Ilmarinen, Väinämöinen, VMV 1, VMV 14, VMV 15 und VMV 16, dem deutschen Minenschiff Brummer und einigen kleineren Einheiten. Im Minengeschirr von Ilmarinen verfingen sich eine oder zwei Minen, die nach einer Wende auf der Backbordseite der Ilmarinen auf Höhe der hinteren 105-mm-Kanone und des 254-mm-Turms explodierten. Sie kenterte innerhalb einer Minute und sank in nur weiteren sechs Minuten. Die VMV retteten 132 Mann. 271 Mann gingen verloren. Dies war der größte Verlust in der Geschichte der finnischen Marine. 1990 wurde das Wrack gefunden, es liegt nur 15 km entfernt vom Wrack der 1994 gesunkenen Estonia.

Das Modell des finnischen Küstenpanzerschiffs Ilmarinen

Küstenpanzerschiff Ilmarinen (1/700) und Patrouillenboot VMV


Der Bausatz stammt von Kombrig. Die Teile sind sehr sauber gegossen, die Anleitung lässt keine Fragen offen. Dennoch ist das Studium von Originalbildern immer hilfreich. Die größte Herausforderung war die Ermittlung der korrekten Tarnung. Ich bekam ausgezeichnete kompetente Hilfe durch den IPMS Finnland und einige Mitglieder der FB-Gruppe Warship Camouflage Research Group. Wie es nach Murphy sein muss, widersprachen sich diese Infos, konnten dann aber durch Originalbilder weitgehend geklärt werden. Ab Sommer 1941 trug die Ilmarinen einen Vier-Farbanstrich mit Hellgrau, Grüngrau, Braungrau und Schwarz. Highlight war ein Bild mit Blick von oben auf Vorderdeck und vorderen Turm mit gut erkennbarer Tarnung. Damit bleibt zwar der Rest der Decksbemalung Hypothese, aber immerhin ist der Stil klar. Leider hatte ich sonst nur Bilder von Steuerbord und nur kleine Teile der Backbordseite. Den Rest malte ich symmetrisch. Erst danach beachtete ich ein Gesamtbild von Backbord - leider zu spät. So ist diese Seite nicht ganz korrekt.

Meist versehe ich meine Modelle mit Relings, sie sind eine optische Aufwertung. Auf dem Bild des Decks der Ilmarinen im Einsatz fehlt diese eindeutig. So hab ich sie auch weggelassen.

Das Modell eines finnischen VMV-Patrouillenboots

Die VMV waren als Patrouillenboote gebaut. Sie wurden unterschiedlich mit teils sehr starken Bewaffnungen ausgerüstet, etwas vergleichbar mit den späteren deutschen R-Booten - teils sogar mit Torpedos. Es waren die begleitenden VMV, die Teile der Besatzung von Ilmarinen retteten.

Der VMV-Bausatz stammt von The P.T.Dockyard. Es ist ein Resinguss in 1/600 mit sehr wenig Teilen. Der Maßstabsunterschied fällt bei so einem kleinen Boot nicht auf. Die Bausätze von The P.T.Dockyard sind eher einfach, sehr günstig und für die Gaming-Szene gedacht. Man kann sie jedoch mit wenig Aufwand aufwerten und es gibt eine unglaubliche Vielzahl von all den kleinen Arbeitstieren wie U-Jägern, erbeuteten Schiffen als Patrouillenboote, Schnellbooten usw.

Das Modell des deutschen Minenlegers Brummer II

Minenleger Brummer II (1/700)


Der norwegische Minenleger Olav Tryggvason ging 1934 in Dienst. Sie war mit vier 12 cm, zwei Torpedorohren und einigen Flak relativ stark bewaffnet. Bei der deutschen Invasion Norwegens versenkte sie zusammen mit Rauma (Otra-Klasse) am 9.4.1940 das deutsche R-Boot R 17. Sie wurde deutsche Beute und ging als Brummer II in Dienst. Im Laufe der Zeit wurde ihre Ausrüstung stark verändert, zum Schluss trug sie eine Bewaffnung von drei 10,5 cm SK, einem 3,7-cm-Zwilling und zehn 2-cm-Flak, darunter ein Vierling auf der B-Position. Sie legte Minensperren vor der belgischen und niederländischen Küste sowie in der Ostsee und fuhr Geleitschutz. Beim Unternehmen Beowulf war sie der Gruppe Nordwind zusammen mit den finnischen Kräften zugeordnet.

Minenleger Brummer II (1/700)


Das Modell stammt aus dem Bausatz von HP Models. Es lässt sich damit ein später Zustand bauen. Der Resinguss ist äußerst sauber, die Passform perfekt. Den 2-cm-Vierling und 3,7-cm-Zwilling ersetzte ich allerdings durch 3D-gedruckte von 3D-Modelparts und fügte noch eine Ladung Minen vom gleichen Hersteller hinzu. Das FuMO stammt aus dem German Naval Radar Set von Tom's Modelworks. Bei Unternehmen Beowulf trug Brummer zwar auch eine attraktive Bemalung, da ich aber schon einige Schiffe in ähnlicher Bemalung hatte, entschied ich mich für den Zustand 1944 mit seiner sehr prägnanten Bemalung.

Auszug aus den Quellen

Minenleger Brummer II (1/700)


Wenngleich der Bau unter Zeitdruck stattfand, hat er doch wieder sehr Spaß gemacht. Die Sammlung ist um einige interessante Schiffe reicher. Mein Dank gilt den Kennern der finnischen Marine von IPMS Finnland und der FB Warship Camouflage Research Group, die Informationen und Bilder bereit stellten und Lars, der mir wie so oft wieder Tipps zu weiteren klasse Quellen gab!


Jürgen Klüser
www.klueser.de